US-Weltraumpläne Der Mond ist Trump nicht genug

  • Donald Trump hat angekündigt, alsbald wieder US-amerikanische Astronauten auf den Mond zu schicken. Doch Details nannte er nicht.
  • Realistisch betrachtet kann Trump seine Mondpläne nur während einer zweiten Amtszeit durchsetzen.
  • Es geht um die politische Signalwirkung: Seit Monaten betont Trumps Vizepräsident Mike Pence, Amerika hätte den Anschluss in der internationalen Raumfahrt verloren.
Von Alexander Stirn

US-Präsident George Bush hat es getan, im Jahr 1989. Genauso wie sein Sohn und Präsidentenkollege George W. Bush im Januar 2004. Nun hat auch Donald Trump angekündigt, alsbald wieder amerikanische Astronauten auf den Mond zu schicken. Dieses Mal aber ganz sicher.

In einer kleinen Zeremonie, bei der auch Harrison Schmitt zugegen war, der vor genau 45 Jahren mit seiner Crew als bislang letzter Mensch zum Mond aufgebrochen war, unterzeichnete Trump am Montagabend eine entsprechende Direktive. Sie weist die US-Raumfahrtbehörde Nasa an, ein Mondmission zu entwickeln und langfristig auch eine bemannte Landung auf dem Mars vorzusehen. Mit Details zum geplanten Mondflug konnte Trump allerdings nicht aufwarten, genauso wenig wie mit Angaben zum Zeitplan und zur Finanzierung des milliardenschweren Prestigeprojekts. Und so bleibt es zunächst - wie schon im Fall der beiden Bush-Präsidenten - bei einer Ankündigung. Bei schlagzeilenträchtigem Gerede.

Die Eroberung des Weltalls ist allerdings nur ein Aspekt des angekündigten Mondabenteuers

"Dieses Mal werden wir nicht nur unsere Flagge aufstellen und ein paar Fußabdrücke hinterlassen", sagte Trump bei der Zeremonie im Weißen Haus. "Dieses Mal werden wir die Basis legen für mögliche Flüge zum Mars und vielleicht eines Tages auch zu den Welten dahinter." Eine permanente Behausung auf dem Erdtrabanten, errichtet gemeinsam mit internationalen und kommerziellen Partnern, könnte helfen, das nötige Wissen für solche Missionen zu sammeln.

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Die Eroberung des Weltalls ist allerdings nur ein Aspekt des angekündigten Mondabenteuers, und bei Weitem nicht der wichtigste: Es geht vor allem um Arbeitsplätze, um Macht, ums politische Vermächtnis. Mit enormem Aufwand entwickelt die Nasa derzeit eine neue Schwerlastrakete für Flüge in die Tiefen des Alls. Das Vehikel soll stärker als die Saturn V sein, die einst Harrison Schmitt und die anderen Apollo-Astronauten zum Mond gebracht hat. Knapp 65 Meter hoch soll das Space Launch System (SLS) werden und dabei Nutzlasten bis zu 130 Tonnen in eine Erdumlaufbahn wuchten. Rund 19 Milliarden Dollar hat die Nasa bereits für SLS und inzwischen gestrichene Vorgängerprojekte ausgegeben, besagen Berechnungen der US-Denkfabrik Center for a New American Security. Nach vielen Verzögerungen ist mit dem bemannten Erstflug allerdings nicht vor 2021 zu rechnen.

Hinzu kommen knapp 14 Milliarden Dollar für eine neue Raumkapsel namens Orion, ein Überbleibsel aus George W. Bushs Mondprogramm. Das kam allerdings nie richtig in Schwung: Bushs Nachfolger Barack Obama war kaum im Amt, da strich er die Mondpläne mit den Worten "Wir waren schon dort". Stattdessen ordnete Obama die Landung auf einem Asteroiden an.

Trump sieht sich nun mit der Situation konfrontiert, eine sündhaft teure Rakete geerbt zu haben, die ein neues Ziel braucht - der Asteroid war schließlich die Idee des verhassten Vorgängers. Also zurück zum Mond. Das SLS komplett zu streichen, wäre schließlich auch keine Option. Zu viele Arbeitsplätze und Wählerstimmen hängen an den Raumschiffen und Raketen, wie Trump bei der Zeremonie im Weißen Haus selbst einräumte. Das neue Mondprogramm sei "sehr aufregend und sehr wichtig für unser Land, schließlich bedeutet es auch Arbeitsplätze. Und wir lieben Jobs, richtig?"

Hinzu kommt die politische Signalwirkung. Seit Monaten lässt Trumps Vizepräsident Mike Pence kaum eine Gelegenheit aus zu betonen, Amerika hätte unter Obama den Anschluss in der internationalen Raumfahrt verloren - auch wenn die Fakten, zum Beispiel bei der Zahl der Raketenstarts, anderes aussagen. Es gelte nun, so Pence, die alte Vormachtstellung wieder zu sichern. Und dafür gibt es wohl kaum ein plakativeres Ziel, vom unrealistischen Flug zum Mars einmal abgesehen, als eine bemannte Landung auf dem Mond.

Viel Zeit bleibt Trump nicht

Offen bleibt die Frage der Finanzierung. Als George Bush 1989 seine Mond- und Marspläne verkündete, ermittelte das US-Pendant zum deutschen Rechnungshof, das Office of Management and Budget, Kosten von etwa 100 Milliarden Dollar für den Mondflug und 400 Milliarden für das Gesamtpaket. Es war der Todesstoß. Selbst wenn diesmal internationale Partner eingebunden werden und private Unternehmen wie die Raketenschmiede Space-X des Milliardärs Elon Musk, bleiben hohe Kosten übrig.

Die Nasa, deren Jahresbudget bei etwa 19 Milliarden Dollar liegt, gibt schon heute etwa vier Milliarden Dollar pro Jahr allein für das SLS-Programm aus - ohne Mondfähren und ohne Mondhäuser. Wenn andere Programme, zum Beispiel zur Erdbeobachtung oder zur robotischen Erkundung des Planetensystems, nicht unter dem Mondflug leiden sollen, geht das nur mit massiven zusätzlichen Investitionen ins Raumfahrtprogramm. In den vergangenen 40 Jahren ist es allerdings keinem Präsidenten gelungen, den US-Kongress, der letztlich das Geld bewilligen muss, zu solch hohen Ausgaben zu bewegen.

Viel Zeit bleibt Trump nicht. Einfluss kann er nur noch auf das Nasa-Budget für 2019 nehmen, das im kommenden Jahr verhandelt wird. Bis dann erste Komponenten für Mond-Raumschiffe gebaut und damit Fakten geschaffen sind, werden weitere Jahre vergehen. Realistisch betrachtet kann Trump seine Mondpläne daher nur während einer zweiten Amtszeit durchsetzen. Denn ein neuer US-Präsident, insbesondere aus dem anderen politischen Lager, will erfahrungsgemäß mit eigenen Weltraumplänen glänzen.

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