Tierwelt Tausende Pinguinküken verhungern in der Antarktis

Adelie-Pinguin in der Antarktis

(Foto: imago stock&people)
  • Ein Gletscherabbruch aus dem Jahr 2010 hat in der diesjährigen Brutsaison zu einem Massensterben von Pinguinen geführt.
  • Durch eine zusätzliche Eisbedeckung mussten die Pinguine bis zu 100 Kilometer weiter schwimmen, um Nahrung zu finden.
  • Auch Fischerei bedroht die Pinguine in der Region. Umweltschützer fordern nun, eine Schutzzone vor der Antarktis einzurichten.

In der Antarktis haben Tausende Pinguinküken die Brutsaison nicht überlebt. Wie französische Wissenschaftler am Freitag erklärten, mussten die Eltern der Jungtiere wegen einer ungewöhnlich dicken Eisschicht auf der Nahrungssuche weite Wege zurücklegen, teilweise bis zu 100 Kilometer zusätzlich. Die Küken starben, während sie auf Futter warteten.

Aus der Kolonie mit rund 18 000 Adelie-Pinguinenpaaren hätten nur zwei Küken die Brutsaison von Anfang 2017 überlebt. Eine Ursache für das "katastrophale Brutversagen" sehen die Wissenschaftler in veränderten Umweltbedingungen in der Region seit dem Abbruch eines riesigen Gletschers im Februar 2010.

Durch das Abbrechen des Mertz-Gletschers habe sich der Meeresabschnitt vor der Pinguinkolonie verändert, sagt der Biologie Yan Ropert-Coudert von der Dumont-D'Urville-Forschungsstation in der Antarktis. Bei dem Auseinanderbrechen des Gletschers entstand ein neuer Eisberg, der in bislang eisfreie Gewässer trieb. Dort beeinflusst er nun vermutlich die Bildung von Meereis. Für die Pinguine hatte das dieses Jahr eine ungewöhnlich dicke Eisschicht zur Folge, die Vögel konnten daher in der Nähe der Kolonie keine Nahrung finden. Ropert-Coudert vermutet, dass die Bedingungen für die Pinguine kommendes Jahr besser sein werden. Man wisse aber nie genau, welche Umstände die Brutsaison noch beeinflussen könnten.

Wissenschaftler fordern marine Schutzzonen

Die französischen Wissenschaftler werden bei ihren Untersuchungen von der Umweltorganisation WWF unterstützt. Sie befürchten, dass solche Naturkatastrophen die Adelie-Pinguine in der Region künftig häufiger treffen könnten. Für ein Massensterben wie dieses Jahr müssten aber mehrere Faktoren zusammenkommen, erklärt Ropert-Coudert: "Eine Mischung aus Temperatur, Windrichtung und -stärke, und dass sich vor der Kolonie kein Polynja auftut." Darunter versteht man das Aufbrechen einer offenen Wasserfläche im Eis, sodass die Pinguine jagen können.

Adelie-Pinguine ernähren sich hauptsächlich von Antarktischem Krill, einer garnelenartigen Krebstierart. Ihr Lebensraum in der östlichen Antarktis war bislang weitestgehend gesichert. Doch sie sind durch den Klimawandel und steigende Meerestemperaturen bedroht. Vor vier Jahren überlebte aus derselben Kolonie, die damals aus mehr als 20 000 Pinguinpaaren bestand, kein einziges Küken die Brutsaison.

Die Tierschutzorganisation WWF fordert die Einrichtung von marinen Schutzgebieten vor der Antarktis. Dadurch könnten Bedrohungen für die Tierwelt minimiert werden, vor allem durch die Krill-Fischerei, die stark in die natürlichen Lebensräume eingreift. In der kommenden Woche befasst sich eine Konferenz der "Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis" (CCAMLR), der auch die EU angehört, mit dieser Problematik.

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