Tierquälerei Das dunkle Geheimnis des Mozzarellas

Wasserbüffel beim Baden: So gut geht es den Tieren in italienischen Betrieben selten.

(Foto: DPA)

Italienischer Büffel-Mozzarella gilt als Luxusprodukt. Doch die Herstellung hat eine dunkle Seite: In Kampanien machen Beamte oft unappetitliche Funde.

Von natur-Autor Georg Etscheit

Die Landschaft um Caserta, die alte Residenzstadt des Königreiches beider Sizilien, ist Mozzarella-Land. An vielen Straßen reiht sich eine Käserei an die andere. Die "caseifici" machen durch grelle Reklametafeln auf sich aufmerksam. Ihre Sortimente ähneln sich. "Mozzarella di bufala campana", den berühmten Büffel-Mozzarella, gibt es in kleinen und größeren Kugeln sowie in Zopfform. In Salzlake eingelegt, wartet die Spezialität auf die Kunden. Frischer Büffel-Mozzarella mit Tomaten und Salbei und einem Schuss Olivenöl übergossen ist, neben Pizza und Spaghetti, eine Art italienisches Nationalgericht.

Doch die Herstellung des in aller Welt begehrten Frischkäses birgt ein dunkles Geheimnis. Regelmäßig stoßen Beamte des "Corpo Forestale dello Stato", der italienischen Tierschutzbehörde, auf illegal entsorgte Kadaver junger Wasserbüffel. Einer der jüngsten Vorfälle ereignete sich bei Capaccio in der Provinz Salerno, wo in einem Gebüsch die Überreste von elf Büffelkälbern gefunden wurden. Von einem "Gemetzel" schrieb die Reporterin einer Lokalzeitung. Vergangenes Jahr stieß das Corpo Forestale auf einer Farm unweit des Küstenortes Castel Volturno bei Neapel sogar auf 24 tote Büffel, in "fortgeschrittenem Verwesungszustand". Die Tiere seien verhungert, teilte die Behörde damals mit. Zuletzt hätten sich die Büffel nur noch von dem wenigen Grün ernährt, das wild auf der Farm wuchs.

Niemand soll das Brüllen der "Abfall-Kälber" hören

"Cimitieri dei bufali" - Büffelfriedhöfe - heißen diese schauerlichen Fundstätten, sie sind Zeugnisse von in diesem Teil Europas fast alltäglichem Tierleid. Meist handelt es sich um wenige Tage alte, männ­liche Büffelkälber. Weil sie keine Milch geben und ihr leicht nach Wild schmeckendes Fleisch bislang mangels Bekanntheit kaum jemand essen möchte, haben die Bauern kein Interesse an der Aufzucht. Die überflüssigen männlichen Tiere dann einfach nicht mehr zu füttern, sei eine "weit verbreitete Praxis", stellt der Corpo Forestale fest: Jeder Tag, den die Kälber mit Muttermilch oder verflüssigtem Milchpulver gepäppelt werden müssen, ist aus rein betriebswirtschaftlicher Perspektive einer zu viel. Damit niemand das Brüllen der hungrigen "Abfall-Kälber" hören kann, wird ihnen schon mal das Maul zugebunden. Manche Bauern sollen die Tiere sogar in Gülle ertränken. Die Kadaver landen oft in einem nahen Fluss, wo sie zuweilen bis ins Meer getrieben werden.

Aus natur 12/2015

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  • natur 12/2015

    Der Text stammt aus der Dezember-Ausgabe von natur, dem Magazin für Natur, Umwelt und nachhaltiges Leben. Er erscheint hier in einer Kooperation. Mehr aktuelle Themen aus dem Heft 12/2015 auf natur.de...

Rund 380 000 Büffel werden in Italien gehalten, meist für die Produktion der fetten, nahrhaften Büffelmilch, Rohstoff des Mozzarella di bufala. Um Milch zu geben, müssen die Kühe jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen - 50 bis 70 Prozent der Kälber sind männlich. Die Zahl der Jungtiere, die aus Kostengründen "entsorgt" werden, legal im Schlachthof oder illegal, dürfte sechsstellig sein.

Die internationale Tierschutzorganisation Vier Pfoten hatte im September 2014 den Skandal erstmals an eine breitere Öffentlichkeit gebracht. "Egal ob die kleinen Büffel nun illegal entsorgt oder legal schon wenige Tage nach der Geburt geschlachtet und bestenfalls zu Hundefutter verarbeitet werden: Tiere als Abfall zu betrachten, ist völlig unethisch", sagt Vier-Pfoten-Sprecherin Elisabeth Penz. "Noch dazu im Zusammenhang mit einem Produkt, das zu stattlichen Preisen als Luxusartikel vermarktet wird." Die Tierschützer machten auch österreichische und deutsche Supermarktketten auf die gesetzeswidrige Praxis aufmerksam. Kaufland kündigte daraufhin an, "gemeinsam mit Vier Pfoten eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Büffeln herbeizuführen".