Sozialpsychologie Wer häufig flucht, ist ehrlicher

Fluch und Ehrlichkeit

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  • Forscher haben sich mit dem Gebrauch von Schimpfwörtern und Flüchen beschäftigt.
  • Das Ergebnis: Das schlechte Benehmen spricht für eine größere Glaubwürdigkeit.
Von Werner Bartens

Verdammt - das muss endlich mal gesagt werden: Wer häufig flucht, verhält sich ehrlicher. Der vielfältige Gebrauch von obszönen Ausdrücken, Schimpfwörtern und Flüchen mag zwar gegen die Konventionen mitteleuropäischer Höflichkeit verstoßen, spricht aber für eine größere Glaubwürdigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team von Psychologen und Wirtschaftswissenschaftlern im Fachblatt Social Psychological and Personality Science (online).

Die gesellschaftliche Einschätzung von Flüchen ist ambivalent. In vielen Fällen gilt ein rüder Ton als nicht angemessen und vulgär. Der Produzent des Filmklassikers "Vom Winde verweht" musste 1939 noch 5000 Dollar Strafe zahlen, weil er Rhett Butler alias Clark Gable den unsterblichen Satz "Frankly my dear, I don't give a damn" sagen ließ - was im Deutschen in die lahme Zeile "Offen gesagt ist mir das völlig gleichgültig" übersetzt wurde.

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Inzwischen wimmelt es in Filmen und der Populärkultur hingegen von Fäkalsprache, derben Ausdrücken und sexuellen Anspielungen, die durch den gouvernantenhaften Pieps-Ton im US-Fernsehen nur noch stärker betont werden. Welche Überraschung also, dass diese Spielart des schlechten Benehmens als Ausweis einer anständigen, aufrechten Gesinnung gilt.

Den Beweis dafür führten Gilad Feldman und seine Forscherkollegen, indem sie 276 Freiwillige eine Liste ihrer liebsten und am häufigsten verwendeten Flüche und Schimpfworte aufstellen ließen. Wer ein umfangreiches Repertoire zu bieten hatte, erwies sich im anschließenden Lügentest als besonders wahrhaftig und schien nicht daran interessiert zu sein, sozial erwünschte Antworten zu geben.

"Das Verhältnis von Fluchen und Unaufrichtigkeit ist verzwickt"

In einer weiteren Untersuchung wurden Daten und Vokabular von 75 000 Facebook-Nutzern ausgewertet. Wer sich hier als besonders derb und fluchfreudig zeigte, benutzte auch häufiger Pronomen wie "Ich" und "Wir", was psychologischen Analysen zufolge ebenfalls für ein größeres Maß an Ehrlichkeit spricht. Die Autoren weisen explizit auf Donald Trump hin, der in seinem Wahlkampf mit Beleidigungen und Flüchen nicht sparte und trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - zumindest bei seinen Anhängern als besonders glaubwürdig galt.

"Das Verhältnis von Fluchen und Unaufrichtigkeit ist verzwickt", sagt David Stillwell von der Universität Cambridge, der an der Studie beteiligt war. "Schimpfen und lästern gilt zwar oft als unpassend, aber es kann auch ein Hinweis darauf sein, dass jemand ehrlich seine Meinung sagt." Wer flucht, filtert seine Sprache nicht, um geschmeidiger zu erscheinen. Seine Ansichten schwächt er offenbar auch nicht ab, zum Donnerwetter!

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