Regenwald am Amazonas Schon wieder eine Jahrhundert-Dürre

2010 ist die Trockenzeit am Amazonas wieder besonders regenarm ausgefallen. Forscher befürchten ein ausgedehntes Baumsterben - mit Folgen für das Klima.

Von Christopher Schrader

Der Regenwald am Amazonas hat innerhalb von nur sechs Jahren eine zweite "Jahrhundert-Dürre" erlebt. Wissenschaftler machen sich nun Sorgen über den Zustand der Region im globalen Klimageschehen.

Wie schon 2005 fiel auch 2010 die Trockenzeit von Juli bis Oktober äußerst regenarm aus. Im vergangenen Jahr war der Mangel an Niederschlägen sogar weiter ausgedehnt als 2005. Mehr als die Hälfte der 5,3Millionen Quadratkilometer Urwald bekam Satellitendaten zufolge deutlich weniger Regen ab als in durchschnittlichen Jahren.

Forscher aus England und Brasilien befürchten ein ausgedehntes Baumsterben (Science, Bd.331, S.554, 2011). Wenn die Stämme verrotten, dürften fünf Millionen Tonnen CO2 frei werden, sagen sie - das entspräche fast dem jährlichen Ausstoß der USA. Die Dürre hätte dann den Effekt von fünf normalen Jahren egalisiert, in denen der Urwald Treibhausgase aus der Luft aufnimmt.

Allerdings sind die Folgen der Dürre auf das Überleben der Bäume noch umstritten; Forscher aus Arizona hatten nach der Trockenheit 2005 berichtet, der Urwald sei grüner gewesen als in Vorjahren.

Die Wiederkehr einer ausgeprägten Dürre nach so kurzer Zeit erstaunt jedoch die Forscher. 2005 wurde die Trockenheit auf eine Erwärmung des Atlantiks zurückgeführt, welche Regen bringende Passatwinde abgelenkt hätte. Es sei ein Jahrhundert-Phänomen gewesen, hieß es damals.

Die Dürre 2010 entstand aber offenbar nach dem gleichen Mechanismus. "Zwei Ereignisse dieser Größe in solch kurzer Zeit zu erleben, ist extrem ungewöhnlich", sagt Simon Lewis von der Universität Leeds. "Aber leider passt es zu den Klimamodellen, die Amazonien eine bittere Zukunft vorhersagen."

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