Raumforschung Nasa steigt aus Mars-Missionen mit der Esa aus

Der von US-Präsident Barack Obama vorgelegte Haushaltsentwurf droht Astronomen zufolge "die planetare Erforschung bei der Nasa zu vernichten". Ihre Beteiligung an zwei geplanten Mars-Missionen der Europäer hat die Behörde nun gestrichen.

Gerade erst hat die Europäische Raumfahrtbehörde Esa ihre neue Rakete Vega mit Erfolg gestartet, da gibt es schlechte Nachrichten. Die US-Weltraumbehörde Nasa steigt aus Spargründen aus zwei geplanten Mars-Missionen aus, die sie mit der Esa geplant hatte.

Mars-Mission der Esa

So stellen sich die Experten der Europäischen Weltraumbehörde Esa die Landung und die Arbeit ihres Mars-Rovers 2018 auf dem Roten Planeten vor. mehr ...

So stellt man sich bei der Esa die Ankunft und die Arbeit des ExoMars Rovers auf dem Mars vor.

Grund für den Schritt sind Nasa-Chef Charles Bolden zufolge tiefe Einschnitte im Etatplan 2013 der US-Behörde im Bereich der Planeten-Erforschung.

Das zweistufige Marsprojekt ExoMars ist eines der wichtigsten Teile des Esa-Programms "Aurora" zur Erforschung des Sonnensystems.

[] Geplant ist für 2016 die Entsendung eines Orbiters - eines Geräts, das den Planeten umkreist. Die Sonde soll in der Marsatmosphäre nach Methan suchen - dieses Gas könnte auf die Existenz von Mikroben auf der Oberfläche hindeuten. Von dem Orbiter soll sich ein Modul lösen und eine Testlandung auf dem Mars vollziehen.

[] Die zweite Mission 2018 zielte auf die Landung von ursprünglich zwei Rovern auf dem Planeten ab: Der europäische ExoMars Rover und der US-Rover Max-C. Sie sollten Gesteins- und Bodenproben zur späteren Beförderung auf die Erde sammeln. Im vergangenen Jahr war das Max-C-Projekt allerdings gestrichen worden.

Die Esa wollte nun ein Landemodul, einen Marsroboter und Bohrgeräte für Bodenproben stellen, während die Nasa für den Transport ins Weltall mit Atlas-V-Raketen sowie das Orbitalmodul verantwortlich sein sollte. Die seit dem Jahr 2005 von der Esa anvisierte Mission war zunächst in relativ kleinem Maßstab geplant und sollte nicht mehr als 650 Millionen Euro kosten. Im Lauf der Entwicklung stiegen die Kosten jedoch auf etwa eine Milliarde Euro, weil der Umfang des Programms deutlich vergrößert wurde.

Die Esa-Mitgliedstaaten haben bislang 850 Millionen Euro bereitgestellt - die übrigen Kosten sollte ein Partner zahlen. Der erste Flug sollte ursprünglich schon im Jahr 2011 stattfinden. Die Finanzierungsprobleme führten jedoch zu einer Verzögerung der Mission. Die Beteiligung der Nasa sollte das Programm letztlich retten.

Dem Internetportal Space.com zufolge war vereinbart, dass die Nasa die Raketen sowie eine Reihe von Instrumenten für beide Missionen zur Verfügung stellt, außerdem das Landesystem für den Rover.

Der von US-Präsident Barack Obama vorgelegte Haushaltsentwurf für das am 1. Oktober beginnende Fiskaljahr 2013 sieht nun geringe Einsparungen von etwa 0,3 Prozent im dann rund 17,7 Milliarden Dollar (fast 13,4 Milliarden Euro) umfassenden Gesamtbudget der Nasa vor. Damit liegt der Plan zwar nur um 59 Millionen Dollar unter dem laufenden Etat 2012. Aber die Gewichtung der Ausgaben verschiebt sich in Richtung Raumfahrttechnologien und bemannter Missionen.

So sieht der Obama-Entwurf, der allerdings noch vom Kongress gebilligt werden muss, Kürzungen bei der Erforschung des Sonnensystems von derzeit rund 1,5 Milliarden Dollar auf 1,2 Milliarden vor - das sind 20 Prozent. Dagegen sollen ungefähr 22 Prozent mehr für Technologien und sechs Prozent mehr für die bemannte und kommerzielle Raumfahrt ausgegeben werden, wie Space.com erläuterte. Die Mittel für Marsprogramme werden um knapp 40 Prozent auf etwa 361 Millionen Dollar gekürzt.

Nasa-Chef Bolden sagte: "Es gibt keinen Zweifel daran, dass harte Entscheidungen gefällt werden mussten." Dafür erlaube das insgesamt "stabile Budget, eine Reihe verschiedener Dinge zu verfolgen". Der Etatplan werde die Behörde "stark auf einem Weg vorwärtsbringen, der Amerikas Überlegenheit bei der Weltraumforschung bewahrt".

Vorantreiben wird die Nasa laut dem Etatplan die Entwicklung der bisher mächtigsten Rakete der Nasa-Geschichte samt einer Kapsel, die eines Tages Astronauten zu fernen Zielen wie Asteroiden und schließlich sogar zum Mars bringen soll. Außerdem werden Hunderte Millionen Dollar zur Förderung des Baus kommerzieller Raumfahrzeuge für Reisen in den näheren Weltraum und insbesondere zur Internationalen Raumstation ISS bereitgestellt.

Dass planetare Forschungsprojekte bluten werden, liegt nach Meinung vieler Wissenschaftler allerdings an einem anderen Projekt, das der Nasa wahrlich die Haare vom Kopf frisst: dem Bau des James-Webb-Weltraumteleskops, das das Hubble-Observatorium ablösen soll. Es sollte ursprünglich 1,6 Milliarden Dollar kosten. Mittlerweile liegen die Ausgaben nach immer neuen Pannen und Verzögerungen schon bei fast 8,8 Milliarden - und der Start wird frühestens 2018 erwartet. Im Etatplan 2013 werden weitere 628 Millionen Dollar für das Teleskop bereitgestellt - gut 100 Millionen mehr als im laufenden Haushalt.

Der ehemalige Nasa-Wissenschaftler Scott Hubbard hatte bereits im Vorfeld der Entscheidung von einer "wissenschaftlichen Tragödie und einer nationalen Beschämung" gesprochen. Der Chef der Wissenschaftsvereinigung Planetary Society, Bill Nye, klagte, die Kürzungen würden "die planetare Erforschung bei der Nasa vernichten". Vergangene Missionen mit Sonden und Robotern hätten zu "unglaublichen Entdeckungen" geführt, und die USA benötigten mehr davon, nicht weniger.

Im Januar hatte die Esa schon Kontakt mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos aufgenommen, da der Einsatz einer Proton-Rakete anstelle der amerikanischen Atlas V erwogen wurde. Und bereits am 7. Februar hatte die Esa einen Bericht an die Direktoren der europäischen und der russischen Raumfahrtbehörde übergeben, in dem eine mögliche Übernahme der meisten amerikanischen Aufgaben an die Russen vorgestellt wurde.

Bereits vor der Entscheidung der Amerikaner hatte man bei der Esa damit gerechnet, dass man die Pläne ändern müsste. "Wir könnten mit der Mission für 2016 weitermachen, auch wenn wir nicht wissen, was aus den Plänen für 2018 wird", hatte etwa Rolf de Groot vom Robotic Exploration Coordination Office der Esa dem Magazin Aviationweek erklärt. "Aber unsere Mitgliedsstaaten haben deutlich gesagt, dass ExoMars aus zwei Missionen besteht, nicht aus einer."

Für 2016 habe man mit Roskosmos bereits eine gute Lösung gefunden, die die Mission insgesamt nicht zu stark verändert. Allerdings sei es möglich, dass die Obergrenze von einer Milliarde Euro überschritten wird. Ob dies in den beteiligten Mitgliedsstaaten akzeptiert wird, ist noch offen.