Nasa-Wissenschaftler Es fließt Wasser auf dem Mars

Forscher entdecken flüssiges Wasser auf dem Mars, das es in der kalten Wüstenwelt eigentlich nicht geben dürfte. Ein Indiz für Leben auf dem Roten Planeten?

Von Robert Gast

Ende des 19. Jahrhunderts waren sich die Astronomen der Erde einig: Den Nachbarplaneten Mars überziehen Tausende Kilometer lange Kanäle. Mancher Forscher hielt sie für riesige Gletscherspalten. Populärer in der Öffentlichkeit war eine andere Deutung: Die Kanäle stammen von Marsmenschen, die mit Hilfe der riesigen Strukturen Wasser quer über den trockenen Planeten transportieren.

Die großen Kanäle haben sich seitdem als optische Täuschung entpuppt. Aber stattdessen verursachen kleinere Varianten davon mittlerweile Aufsehen: In den vergangenen Jahren haben Raumsonden aus dem Mars-Orbit an einigen Stellen abschüssige Rinnen an Kraterwänden und Steilhängen entdeckt. Im Sommer wachsen diese Furchen, im Winter verschwinden sie.

Nun präsentiert die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine Erklärung für dieses Phänomen: Durch die Rinnen bewege sich regelmäßig Wasser, berichtet ein Forscherteam um Lujendra Ojha vom Georgia Institute of Technology im Fachmagazin Nature Geoscience. Dafür hat es bereits früher Hinweise gegeben, jetzt sind sich die Forscher offenbar sicherer.

Selbstporträt auf dem Roten Planeten

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Woher kommt das Wasser?

Eigentlich dürfte es flüssiges Wasser auf dem Mars gar nicht geben. Der Rote Planet ist eine eiskalte Wüstenwelt. Es gibt zwar jede Menge Eis unter den Polkappen und in Gletschern dicht unter der Oberfläche. Aber selbst wenn es schmilzt, kann das Wasser nicht fließen. Auf dem Mars verdampfen Flüssigkeiten wegen der dünnen Atmosphäre fast sofort.

Das Wasser in den bis zu 18 Meter breiten Rinnen hat aber offenbar Helfer. Die Nasa-Forscher haben mithilfe von Messdaten der Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter an vier Orten Spuren von Salzen entdeckt, die mit Wasser in Kontakt standen. Offenbar löst Schmelzwasser die Salze an warmen Tagen aus dem Erdreich. So entsteht eine zähflüssige Sole, die auch bei 70 Grad unter null noch flüssig ist. Sie macht aus Marssand Schlammlawinen. Weil das Wasser erst nach Minuten komplett verdampft ist, kann das Material ins Tal rutschen, lautet die Vermutung.

Damit ist das Rätsel der Rinnsale aber nur zum Teil gelöst. Bisher sei unklar, woher das Wasser, das sich mit den Salzen vermischt, überhaupt komme, schreiben die Forscher. Die Regionen, an denen sie Salzablagerungen entdeckt haben, befinden sich in der Nähe des Mars-Äquators. Dort gebe es kein Eis direkt unter Oberfläche. Möglicherweise sauge das Salz Wasserdampf aus der Atmosphäre auf, sagte die Nasa-Forscherin Mary Beth Wilhelm auf einer Pressekonferenz. Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hält die Entdeckung für einen großen Fortschritt. "Die Messung ist sensationell, es ist sehr schwer, diese Salze zu messen", sagt der Mars-Experte. Aus seiner Sicht ist damit die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass es auf dem Mars Leben gibt. "In der Salzlösung könnten Mikroben schwimmen", sagt Jaumann. Zweifelsfrei zu klären ist das aber vermutlich erst mit einer Probe des Salzwassers, die zurück zur Erde gebracht wird. Eine solche Mission müsste aus zwei Teilen bestehen: Erst muss ein Roboter Salzwasser in ein Fläschchen füllen, das anschließend mit einer Rakete vom Mars weg und dann zurück zur Erde transportiert wird.

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