Mars-Mission "Curiosity" Keine Sensation - nur sensationell gute Daten

Eine Entdeckung, die in die Geschichtsbücher eingehen würde, hatte der Chef der Mars-Mission "Curiosity" angekündigt. Für die Nasa-Wissenschaftler mögen die neuen Daten tatsächlich eine Sensation sein. Für die Öffentlichkeit allerdings nicht. Denn was die Forscher zu bieten haben, sind Belege dafür, dass ihre Sonde ausgezeichnete Arbeit leistet. Das ist großartig - aber keine Sensation.

Die Mars-Sonde Curiosity hat in einer Bodenprobe Perchlorate nachgewiesen. Bei der Erhitzung der Probe während der Analyse ist außerdem Chlormethan entstanden, identifiziert wurde außerdem Kohlendioxid.

Das könnte bedeuten, dass der Marsboden organische Substanzen enthält - und damit eine Voraussetzung für Leben. Doch gerade das Vorhandensein von solchen Molekülen können die Daten nicht beweisen.

Wie die Nasa erklärte, stammt das Chlor zwar definitiv vom Roten Planeten. Der Kohlenstoff aber könnte von Molekülen stammen, die die Sonde selbst eingeschleppt hat - dann wäre er irdischen Ursprungs. Das Chlormethan ist also möglicherweise ein Produkt chemischer Reaktionen während des Analyseprozesses, bei dem die Proben erhitzt werden.

Dass der Nasa-Wissenschaftler John P. Grotzinger vor dieser für Laien eher unspektakulären Erklärung eine Sensation angekündigt hatte, zeigt vor allem eines: Wissenschaftler und Medien haben eine unterschiedliche Auffassung, was sensationelle Entdeckungen sind.

Während mancher bereits darüber spekuliert hatte, die US-Raumforscher hätten vielleicht Hinweise auf Leben auf dem Mars entdeckt, ging es dem Curiosity-Projektleiter Grotzinger eigenen Angaben zufolge um etwas ganz anderes: Er habe sich auf die sensationelle Reichhaltigkeit und Qualität der Daten bezogen, die die Instrumente der Mars-Sonde liefern, berichtet die New York Times.

Das mag reichen, damit die Forschungsergebnisse in die Annalen der Mars-Forschung einzugehen. Für die Geschichtsbücher reicht es wohl kaum. Das aber hatte Grotzinger zuvor behauptet.

"Ich habe daraus gelernt, dass man vorsichtig sein muss mit dem, was man sagt und noch vorsichtiger, wie man es sagt", erklärte Grotzinger der Zeitung zufolge. "Es wird keinen einzelnen Moment geben, zu dem wir alle aufstehen und aufgrund einer einzelnen Messung Hallelujah sagen werden."

"Wir haben derzeit keine definitive Entdeckung von organischen Stoffen auf dem Mars", sagte Paul Mahaffy vom Goddard Space Flight Center der Nasa, "aber wir werden die unterschiedlichen Umgebungen des Gale-Kraters untersuchen". Auf jeden Fall gäben die Ergebnisse einen beispiellosen Einblick in die chemische Vielfalt der Gegend, sagte Nasa-Wissenschaftler Michael Meyer.

Die jetzt analysierten Proben stammen von einer Stelle namens Rocknest, wo Curiosity im August gelandet ist. Das wichtigste Ziel des Rovers sei Mount Sharp. Der mehr als 5000 Meter hohe Berg, der offiziell Aeolis Mons heißt, befindet sich in der Mitte des Gale-Kraters. Die aktuellen Daten würden zeigen, wie gut die Instrumente des Rovers zusammenarbeiten, erklärte Grotziniger. Die Forscher setzen deshalb große Hoffnungen auf die Analysen, die für Mount Sharp vorgesehen sind.

Perchlorat-Salze, eine Verbindung aus Chlor und Sauerstoff, hatte bereits die Nasa-Sonde Phoenix Lander 2008 entdeckt. Bereits damals hatte es aufgrund einer Nasa-Ankündigung Spekulationen über Hinweise auf Leben auf dem Mars gegeben. Allerdings spricht Perchlorat eher gegen eine lebensfreundliche Umgebung - wenn es die Existenz von Leben auch nicht ausschließt.

Eine erste Meldung auch bei Süddeutsche.de, die auf Agenturmaterial beruhte, hatte den Eindruck erweckt, die Nasa sei auf organische Teilchen in der Marsoberfläche gestoßen. Auch wirkte es so, als wäre es schon eine Sensation, dass auf dem Mars Kohlenstoff existiert. Beides ist falsch. Die Oberfläche des Mars enthält zum Beispiel Carbonate, die aus Kohlensäure entstehen. Die Atmosphäre besteht zum großen Teil aus Kohlendioxid und auch Kohlenmonoxid und Methan.