Kohlendioxid Amazonas schadet dem Klima

Wenn die Lunge brennt: 2010 waren die Pflanzen am Amazonas wenig produktiv, es wurde aber besonders viel Biomasse von Feuern vernichtet.

Der Amazonas gilt als Bollwerk gegen den Klimawandel. Doch der Vergleich hinkt: In manchen Jahren setzt der Regenwald sogar Kohlendioxid frei.

Von Christopher Schrader

Der Regenwald im Amazonasbecken wird wegen seiner Größe und Bedeutung für das Klima die "grüne Lunge" des Planeten genannt. Aber die Metapher ist schief: Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und scheiden Sauerstoff aus - Lungen arbeiten andersherum. Doch mindestens im Jahr 2010 hat das Amazonasbecken tatsächlich große Mengen CO2 abgegeben, zeigen Messungen eines internationalen Forscherteams um Luciana Gatti vom Energieforschungsinstitut in São Paulo.

2010 war ein sehr trockenes Jahr im Amazonas, 2011 hingegen ein überdurchschnittlich feuchtes. In beiden Jahren haben die Forscher alle zwei Wochen Flugzeuge über vier Orten am Amazonas aufsteigen lassen, die in Höhen bis zu 4,4 Kilometern Luftproben nahmen. Daraus berechnete das Team, wie viel Kohlendioxid der Regenwald abgegeben oder aufgenommen hatte. Kohlenmonoxid lieferte Erkenntnisse über Feuer (Nature, online).

Dürren werden zur Gefahr

So zeigte sich, dass im trockenen 2010 die Produktivität der Pflanzen fast zum Erliegen gekommen war, Brände aber besonders viel Biomasse vernichteten. Das Becken setzte 480 Millionen Tonnen Kohlenstoff frei; das sind etwa fünf Prozent der Menge, die jährlich aus Schornsteinen und Auspuffen kommt. Im feuchten 2011 sprang das Wachstum der Vegetation wieder an, die Feuer gingen zurück, und so war der Wald in dem Jahr nahezu neutral. Frühere Messungen zeigen jedoch, dass der Dschungel von 1985 bis 2005 im Mittel 400 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr aus der Atmosphäre absorbierte. "Die Ergebnisse sind Anlass zur Sorge, denn Häufigkeit und Intensität von Dürre könnten in Zukunft zunehmen", warnt Jennifer Balch von der Pennsylvania State University in einem Kommentar in Nature.

Die Resultate des Gatti-Teams belegen zudem, dass Wasser der begrenzende Faktor der Amazonas-Vegetation ist. Das bestätigt eine weitere Studie in der gleichen Ausgabe. Sie korrigiert frühere Analysen von Satellitenbildern, auf denen der Wald in Trockenzeiten grüner erschien. Deren Autoren hatten Sonnenlicht für wichtiger erklärt als Wasser. Dieser Schlussfolgerung liege eine optische Illusion zugrunde, zeigt eine Gruppe um Douglas Morton von der Nasa, die Vegetation sei immer gleich grün.