Klimawandel Korallenriffe werden Opfer der Erderwärmung

Der Klimawandel könnte das Ende der meisten Korallenriffe weltweit bedeuten, denn die Organismen sind kaum in der Lage, sich an die Erwärmung anzupassen. Um mehr als zehn Prozent der Riffe zu erhalten, müsste die Erderwärmung auf weniger als 1,5 Grad Celsius beschränkt werden, warnt ein internationales Forscherteam.

Wenn die Menschheit den Kampf gegen den Klimawandel nicht deutlich verschärft, werden die meisten Korallenriffe in den kommenden Jahrzehnten sterben. Um bis 2030 mehr als zehn Prozent dieser Lebensformen weltweit zu erhalten, müsste die Erderwärmung auf eine Zunahme von weniger als 1,5 Grad Celsius beschränkt werden - im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, berichtet ein internationales Forscherteam.

Korallenbleiche am Great Barrier Reef vor der Küste Australiens. Die Erderwärmung wird dazu führen, dass die meisten Korallenriffe der Welt in den nächsten Jahrzehnten "erbleichen" werden, warnt ein nternationales Forscherteam.

(Foto: Reuters)

1,2 Grad oder weniger müssten es sein, damit 50 Prozent überleben können. Damit ist allerdings nicht mehr zu rechnen.

Die Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hatten gemeinsam mit australischen und kanadischen Kollegen mithilfe mehrerer Klimamodelle 19 verschiedene Szenarien für die küstennahen Ökosysteme erstellt. Die Prognosen basieren auf sieben verschiedenen Annahmen, darunter auch drei Szenarien aus dem aktuellen Report des Weltklimarats IPCC.

Selbst bei den optimistischsten Einschätzungen zu Treibhausgasemissionen würde es bis 2050 zu einem Anstieg von 1,5 bis zwei Grad Celsius kommen. "Ob die Korallenriffe sich anpassen können, ist bislang unsicher - ohne Anpassung aber werden unseren Berechnungen zufolge bereits bis 2030 rund 70 Prozent der Korallenstandorte langfristige Schäden erleiden, und das sogar in einem Szenario mit verstärktem Klimaschutz", sagt Katja Frieler vom PIK.

Und selbst wenn die Organismen dazu in der Lage wären, müsse man sogar für das optimistischste Szenario damit rechnen, dass bis 2030 ein Drittel der Riffe Opfer der sogenannten Korallenbleiche werden und verschwinden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Nature Climate Change.

Die Grenze, um unter diesen Bedingungen zumindest die Hälfte der Korallenriffe weltweit zu schützen, liegt nach Einschätzung der Forscher deshalb unter 1,5 Grad Erderwärmung.

"Es gibt wenig Zweifel", so schreiben die Wissenschaftler, "dass Korallenriffe in den küstennahen Ökosystemen keine wichtige Rolle mehr spielen werden, wenn die globale Durchschnittstemperatur die Temperatur vor der Industrialisierung um zwei Grad überschreitet."

Das Zeitfenster, um noch große Teile der Korallenriffe zu schützen, sei klein und schließe sich rapide. Zwar hätten die Riffe in der Erdgeschichte immer wieder auch wärmere und kohlendioxidreichere Zeiten überdauert, damals aber seien die Temperaturen nur langsam im Laufe von Tausenden von Jahren angestiegen - und nicht wie heute innerhalb von Jahrzehnten bis Jahrhunderten. Bisher gebe es weder aus Laborversuchen noch aus Beobachtungen im Ozean Hinweise darauf, dass die Korallen sich an eine so schnelle Erwärmung anpassen können.

"Korallen haben lange Lebenszyklen von bis zu 100 Jahren, und sie weisen eine relativ geringe genetische Vielfalt auf, weil sie sich durch Klonen fortpflanzen können", erklärt Ko-Autor Ove Hoegh-Guldberg von der University of Queensland in Australien. Dadurch seien sie evolutionär deutlich weniger flexibel als beispielsweise Fruchtfliegen.

Korallen bevorzugen zwar warme Meeresbereiche, reagieren aber sehr sensibel schon auf geringe Erhöhungen der normalen Wassertemperatur, wie die Forscher erklären. Dieser Hitzestress störe die enge Lebensgemeinschaft der Korallen mit den in ihnen lebenden Mikro-Algen. Als Folge verlieren die Korallen diese für sie lebenswichtigen Symbiosepartner, bleichen aus und sterben. Um eine solche Korallenbleiche auszulösen, reiche es schon aus, wenn die Wassertemperatur einen Monat lang das langjährige Mittel um zwei Grad überschreite.

"Zwar können sich die Riffe wieder erholen, das dauert aber bis zu 20 Jahre", schreiben die Wissenschaftler. Wenn daher durch Hitzestress ausgelöste Korallenbleichen zu dicht aufeinander folgten, überfordere dies die Regenerationsfähigkeit der Korallen.