Klimawandel In der Arktis kommt der Winter nicht

Die Eisdecke auf dem Arktischen Ozean.

(Foto: dpa)
  • Im Schnitt war die Eisfläche 1,95 Millionen Quadratkilometer kleiner als üblich.
  • Im Sommer könnte die Arktis in absehbarer Zeit weitgehend eisfrei sein.
  • Warmes Atlantikwasser hat das Meer in der Arktis aufgeheizt.
Von Marlene Weiß

Das Meereis in der Arktis setzt weiter neue Negativrekorde für die Saison. Nun hat das US-Schnee- und Eis-Beobachtungsinstitut NSIDC an der University of Colorado die November-Daten ausgewertet: Im Schnitt war die Eisfläche 1,95 Millionen Quadratkilometer kleiner als üblich, mehr als die fünffache Fläche Deutschlands.

Statistisch entspricht das 3,2 sogenannten Standardabweichungen vom langjährigen Durchschnitt. Einfacher formuliert: Es ist jenseits von Gut und Böse. Vorübergehend schrumpfte die Eisfläche sogar, was zu dieser Jahreszeit sehr ungewöhnlich ist - um 50 000 Quadratkilometer. In diesem Ausmaß war das nie zuvor beobachtet worden.

"Im Sommer wird die Arktis auf jeden Fall in absehbarer Zeit weitgehend eisfrei sein"

"Das ist weit außerhalb von dem, was man bei natürlichen Schwankungen erwartet", sagt Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. "Da passiert etwas." Schon lange macht sich der Klimawandel über der Arktis besonders stark bemerkbar. Beim Eis lag der Fokus jedoch bislang auf dem Sommer. Dass es auch im Winter, in der Polarnacht, dramatische Veränderungen geben könnte, war nicht so klar. "Im Sommer wird die Arktis auf jeden Fall in absehbarer Zeit weitgehend eisfrei sein", sagt Levermann. "Nun müssen wir uns fragen, ob auch das Ende des Wintereises näher ist, als wir dachten."

Warmes Atlantikwasser hat das Meer in der Arktis aufgeheizt. Vor allem aber sind die Lufttemperaturen extrem, laut NSIDC auch wegen eines Musters im Höhenwind Jet Stream, das warme Südwinde Richtung Nordpol leitete. An manchen Tagen war es zwanzig Grad Celsius wärmer als üblich. Im ganzen November war es über dem arktischen Ozean viel zu warm. Um den Nordpol lag das Temperaturmittel in 700 Metern Höhe demnach volle zehn Grad über dem der Jahre 1981 bis 2010.

Die Satelliten-Daten über die Eisfläche reichen ins Jahr 1979 zurück. Vielleicht gab es in den Jahren davor einmal Anfang Dezember weniger Eis am Nordpol als heute - "aber das ist sehr unwahrscheinlich", sagt Mark Serreze, NSIDC-Direktor. "Es sieht so aus, als würden große Veränderungen beginnen." Wenn die Hitzewelle am Nordpol noch lange anhält, könnte das Eis selbst Ende des Winters dünn sein, und im Sommer großflächig schmelzen, dann stünden 2017 neue absolute Negativrekorde an. Fallen die Temperaturen hingegen bald, könne das Eis noch aufholen, sagt Mark Serreze: "Wir werden abwarten müssen, was passiert."