Kinofilm "Exodus" Nicht bibelfest

Christian Bale (l.) als Moses und Joel Edgerton als Rhamses in einer Szene des Kinofilms "Exodus".

(Foto: dpa)

In Ridley Scotts Film "Exodus" sind die Ägypter die Bösewichte. Davon hält das Kairoer Kulturministerium gar nichts - und verbietet die Aufführung. Dabei sind die Pyramiden das am wenigsten Strittige am gesamten Exodus.

Von Ronen Steinke

Heiligtümer sind die ägyptischen Pyramiden heute nicht mehr. Aber doch noch nahe dran. Auf Geldscheinen wie auf Briefmarken blinzelt die Sonne hinter ihren erhabenen Formen hervor, die älteste und größte Zeitung des Landes heißt ehrwürdig Al-Ahram, "Die Pyramiden".

Die Frage, wer einst die Meisterleistung vollbrachte, sie zu errichten, wird da leicht zum Politikum - wie nun die Macher des Kinofilms "Exodus" erleben. In dem Film wie in dem gleichnamigen Buch der Bibel sind die Ägypter die Bösewichte. Sie unterdrücken die hebräischen Sklaven, und selbst bei der Errichtung ihrer kultischen Prachtbauten, der Pyramiden, sehen sie nur peitschenschwingend zu.

Dagegen hat nun das Kairoer Kulturministerium protestiert. Der Film, der am Nil spielt, darf in Ägypten nicht in die Kinos kommen, hat der Leiter des dortigen Zensurrats, Abd al-Sattar Fathy, erklärt. Das Gremium muss jeden Kinofilm freigeben, bevor er gezeigt werden darf. Zur Begründung zitiert Al-Ahram: "Exodus" enthalte "historische Ungenauigkeiten". Fälschlich verbreite der Film, die Juden hätten die Pyramiden erbaut.

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Es ist natürlich feinsinnig, ausgerechnet von einem Bibelfilm historische Genauigkeit zu verlangen. Aber in der Tat gilt es unter Historikern als ausgeschlossen, dass die Pyramiden von Hebräern errichtet wurden. Punkt für die Kairoer Zensoren: Selbst wenn man die Versklavung der Hebräer, die laut dem zweiten Buch Mose 430 Jahre lang währte, auf den frühesten Zeitpunkt datieren würde, den das Alte Testament dafür zulässt, etwa 1500 vor Christus, wären die Pyramiden da bereits seit 300 Jahren fertig gewesen, räumen jüdische Theologen ein. In der Bibel werden sie auch nicht erwähnt.

Ins Bild gerückt hat die Pyramiden der Regisseur Cecil B. DeMille mit seinem Zehn-Gebote-Film von 1956, in dem Hebräer die Felsblöcke für die Pharaonengräber schleppen und Charlton Heston als Moses durch gigantische Baustellen reitet. Ein Bild, das auch der Animationsfilm "Der Prinz von Ägypten" 1998 in Szene setzte - worauf auch dieses Werk in Ägypten verboten wurde. Inzwischen kommt kaum eine Haggada mehr ohne dieses Baustellen-Bild aus - das jüdische Lieder- und Gebetsbuch zum Pessach-Fest, das es in Tausenden bunt illustrierten Varianten von Kalligrafie bis Comic gibt. Im religiösen Text steht zwar weiter keine Silbe dazu. Aber das Motiv ist für heutige Zeichner einfach zu verführerisch.

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Wenn man schon anfängt mit der von Kairo geforderten historischen Genauigkeit, dann sind die Pyramiden freilich fast das am wenigsten Strittige am gesamten Exodus. Der entscheidende Kern der Geschichte, der Auszug aus Ägypten, steht nach herrschender Meinung der Archäologen auf tönernen Füßen. 600 000 hebräische Familien sollen der Bibel zufolge ins heutige Israel ausgewandert sein - davon zeugt jedoch keine einzige Tonscherbe auf ihrer Route, schreibt etwa der in Jerusalem lehrende Archäologe Stephen Rosenberg. Auch fehlen in Israel bis heute Hinweise auf eine Masseneinwanderung zu dieser Zeit: keine Veränderung der Siedlungsstruktur oder der Keramik, keine plötzlichen ägyptischen Einflüsse.

So weit geht das Kairoer Kulturministeriums in seiner Kritik am Film "Exodus" aber nicht.