Wird ein Baby längere Zeit von der Mutter getrennt, brennt sich diese Erfahrung in sein Erbgut - und kann Jahrzehnte später krank machen. Münchner Forscher konnten dies erstmals aufzeigen.
Jeder Mensch könne ein erfolgreicher Musiker werden, behauptete der Psychologe Frederic Skinner vor 50 Jahren, man müsse nur früh genug ein intensives Training beginnen. Wie viele seiner Zeitgenossen glaubte Skinner fest an die Macht der Umwelt über die Entwicklung des Menschen. Zehn Jahre später kursierte dann die Theorie vom "Verbrecher-Gen" - jetzt sollte es allein das Erbgut sein, das über Verhalten, Charakter und Fähigkeiten eines Menschen entscheidet.
Die Epigenetik fragt nach der Veränderlichkeit des Erbguts. Sie stellt schon nach wenigen Forschungsjahren altes Lehrbuchwissen in Frage. (© Foto: dpa)
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Als viel zu einfach sind seit einiger Zeit beide Ansichten entlarvt. Nicht nur die genetische Ausstattung von Mutter und Vater, sondern auch Lebensstil und persönliche Erfahrungen legen fest, wie das Erbgut eines Menschen aussieht. Doch was passiert zum Beispiel mit der DNS eines Neugeborenen, das von seinen Eltern misshandelt wird? Wie kann es sein, dass diese frühe Erfahrung Jahrzehnte später den erwachsenen Menschen krank werden lässt? Die Antwort darauf haben nun Wissenschaftler des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie gefunden.
Erstmals hat das Team um Florian Holsboer und Dietmar Spengler Schritt für Schritt gezeigt, wie sich frühe psychische Erfahrungen im Erbgut widerspiegeln und später beim Erwachsenen zu Krankheiten wie Depressionen führen können. Für ihre Untersuchung nahmen die Forscher neugeborenen Mäusen für kurze Zeit die Mutter weg - das ist für Nager wie für menschliche Babys ein tiefgreifender Schock.
Die traumatisierten Mäuse schnitten ihr Leben lang in Lern- und Stresstests deutlich schlechter ab als unbehelligt aufgewachsene Artgenossen, sie waren antriebslos und verhielten sich gegenüber anderen Mäusen nicht nach sozialen Spielregeln. Auch die molekularen Grundlagen dieser Wesensänderung haben die Forscher bis ins Detail geklärt. Der Schock, ohne die Mutter auskommen zu müssen, bewirkt, dass sich die Aktivität einzelner Gene unwiderruflich ändert. Dies wiederum führt zu einem Ungleichgewicht bestimmter Eiweißstoffe, die darüber entscheiden, wie gut Mensch und Tier mit Stress umgehen können.
Nicht jede Traumatisierung macht krank
Nicht alle Menschen, die irgendwann in ihrem Leben ein Trauma erleiden, zerbrechen daran. Nur wer auch die genetische Veranlagung dazu hat, wird unter Umständen depressiv. "Die molekularen Änderungen im Erbgut sind dann das Sprachrohr, über das Umwelt und Gene miteinander kommunizieren", sagt Holsboer.
Seine Studie ist ein eindrückliches Beispiel für die noch junge Disziplin der sogenannten Epigenetik. Sie stellt schon nach wenigen Forschungsjahren altes Lehrbuchwissen in Frage. Anders als lange gedacht ist das Erbgut des Menschen nicht starr und unveränderlich. Vielmehr entfernt es ständig Bestandteile, aktiviert neue Abschnitte und legt andere lahm. Aus diesem Grund unterscheidet sich die genetische Ausstattung zweier Menschen um viel mehr als um jenes Promille, das Wissenschaftler nach der Entschlüsselung der menschlichen DNS berechnet hatten.
Der Genforscher Craig Venter nennt heute seine damalige Annahme "naiv", allein anhand des Erbgutbauplans zu wissen, was einen Menschen ausmacht. Bestimmt werden die permanenten Umbauten von dem, was einem Menschen widerfährt, und erst die lebenslang auftretenden molekularen Veränderungen der Erbsubstanz machen einen Menschen zum Individuum. Daher haben sogar eineiige Zwillinge oft kein identisches Erbgut. Jeder Jeck ist eben anders - diese Kölner Volksweisheit bestätigt nun auch die Wissenschaft.
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(SZ vom 09.11.2009/beu)
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6. Fand in den vergangenen Jahren eine groß angelegte Emanzipationskampagne statt und hier ist die Verbindung zum eigentlich Thema in deren Verlauf die Mutterrolle systematisch abgewertet wurde und irgendwelche selbsternannten Fachleute erklärten, dass das mit der frühen Prägung und dem Erlangen von Urvertrauen usw. alles sentimentaler Quatsch wäre und eine Erzieherin im Kindergarten das sogar wesentlich besser vermitteln könnte, weil sie ja schließlich Fachfrau wäre. Daheimbleibende Mütter aber förderten ihre Kinder kaum, parkten sie den ganzen Tag vor der Glotze, bzw. gingen ihren Vergnügungen wie Shopping und Eisessen nach, während die hart Arbeitenden sie auch noch finanzieren müssten.
Beruhigend zu wissen, dass es nun weitere Erkenntnisse über die immense Wichtigkeit einer stabilen Mutter-Kind-Beziehung gibt und bestätigt wird, wie schädlich sich eine zu frühe Trennung auf die lebenslange Entwicklung auswirkt.
Hallo, emanreztuneB, schön, dass wir so sachlich miteinander reden können.
Bevor ich zu den unten aufgezählten Punkten komme, zunächst einmal folgende Information für alle: Diese 150.- sollen ja lediglich in den letzten zwei der ersten drei Lebensjahre gezahlt werden und gelten nicht für die Kindergartenzeit (Im ersten Jahr gibt es dieses sozial unausgewogene Elterngeld, dessen Höhe, je nach vorherigem Einkommen, zwischen 300.- bis 1.800 liegt).
Diese ganz Diskussion zum Thema "berufstätige Mütter kontra Betreuungsgeld erhaltende" - ist eine Farce und stützt sich auf gesellschaftliche Voraussetzungen, die es nicht bzw. nur in Ansätzen gibt.
1. Wir haben eine hohe Arbeitslosigkeit im Lande. Das bedeutet: Nicht jede Frau, die Kinder bekommt, hat auch einen Arbeitsplatz.
2. Es gibt ja noch nicht einmal eine Mindestlohngarantie in unserem Land. Das heißt: Für eine Friseurin z.B., aber auch für Normalverdienerinnen, lohnt es sich häufig nicht, das Kind in die Krippe zu geben und arbeiten zu gehen, wenn im Endeffekt kaum etwas an Verdienst übrig bleibt, zumal die Krippe ja nicht unbedingt zu Fuß zu erreichen ist, sondern u.U. am anderen Ende der Stadt liegt.
3. Die Anzahl der Krippenplätze ist so gering, dass man nicht jeder Familie einen anbieten kann. Das bedeutet: Die vorhandenen Krippenplätze sind heiß umkämpft bei den berufstätigen Müttern/Vätern und genau diese Berufstätigkeit ist wiederum Voraussetzung für einen entsprechenden Anspruch. Ist eine Frau nun arbeitslos, sei es als unverschuldet in HartzIV gekommene, sei es als Angehörige der Schicht, von der behauptet wird, sie vertränke das Geld sowieso- so hat sie ja gar keine Möglichkeit, einen Krippenplatz für ihr Kind zu bekommen und das mit der Begründung, sie stünde ja schließlich selbst zu dessen Betreuung zur Verfügung.
4. Verursacht die Schaffung entsprechender Betreuungsmöglichkeiten immense Kosten und Folgekosten, die sich die immer stärker gebeutelten Kommunen noch weniger als früher leisten können.
5. Ist ein Krippenplatz generell sehr teuer und wird mitnichten (wie dauernd behauptet) ausschließlich von denjenigen bezahlt, die ihn in Anspruch nehmen. Sie zahlen den geringsten Anteil. Den Hauptanteil haben die Kommunen zu schultern.
Tante Polly: Tut mir leid, falls das unklar war - nein, ich sprach nicht von Schattenboxen, weil niemand in der Gesellschaft die Rolle der Mutter bestreite. Aber hier in der Diskussion und im Artikel tut's keiner. Also kämpfst Du womöglich gegen einen nicht anwesenden Gegner. :o)
Was die 150 Euro angeht - interessant, wie sich inzwischen mehr und mehr alle nur an Hartz-IV denken. (Auch interessant, daß Hartz-IV-Bezieher vermutlich das Geld nicht oder nur teilweise bekommen.) Gedacht hatte ich aber durchaus auch an Geringverdiener, deren Gehälter nicht immer rosig ist; wenn dann Kinderreichtum und womöglich noch Zahlungen ins Ausland dazukommen, bleibt da nicht viel übrig. Und 150 Euro im Monat mehr sind eh immer willkommen - sonst würden wir hier ja nicht diskutieren.
Bleiben für mich unterm Strich zu große Bedenken, flächendeckend Gelder dafür auszuschütten, daß Kinder nicht zum Kindergarten kommen. Denn das Geld wird in all den Diskussionen eben nicht an die Leistungen oder gar die Eignung der Mutter gekoppelt (was wir ja eigentlich unterstützen wollen, was aber vermutlich nicht staatlich erkennbar ist), sondern eben nur daran, daß Kinder zu Hause behalten bleiben. Da bleibe ich dabei: Keine gute Idee.
@ emanreztuneB Wir müssen wirklich nicht darüber diskutieren, ob eine andere Bezugsperson Vater, schwuler Elternteil, Großeltern usw. - die Mutter ersetzen kann, da sind wir uns doch vollkommen einig. Und nee, ich finde nicht, dass ich hier Schattenboxen veranstalte. Ich habe das Thema lediglich erweitert, um darauf hinzuweisen, dass seit einigen Jahren ein ganz bestimmter Trend zu beobachten ist, nämlich der, das Ganze umzudrehen und so zu tun, als ob die bisher übliche Bezugsperson , und das ist nun mal meist die Mutter, nicht nur total problemlos ersetzt werden könnte, sondern ihre Anwesenheit geradezu schädlich fürs Kind wäre und sie zudem nur dann als Frau emanzipiert und somit akzeptiert sein könne, wenn sie so schnell wie möglich wieder ihre Prioritäten im Beruf sucht. - Es geht aber noch weiter: Sollte sie sich jedoch dafür entscheiden, noch mal ein paar Jahre daheim zu bleiben und sich ums Kind/ die Kinder ( unsre Familienministerin erzählt uns ja ständig sogar, dass das außerhäusliche Arbeiten selbst bei sechs Kindern gar kein Problem wäre und verschweigt ihren privaten Helferstab) zu kümmern, sie in der öffentlichen Meinung wie eine Art Paria zu behandeln sei, dem man ja noch nicht einmal die läppischen 150.- Erziehungsanerkennungsgeld gönnen sollte. Konkret heißt das: Ihre Arbeit ist keinen Pfifferling wert,( was ja auch später immer noch bei den Rentenansprüche deutlich wird). Das finde ich skandalös. Geradezu erbärmlich aber ist der unverhohlene Neid derjenigen, die als Superverdienerinnen schon während des Elternjahres bis zu 1.800 Elterngeld abstecken durften und danach mit großer Selbstverständlichkeit die bis zu 80% an Zuschuss zur Kinderbetreuung in der Krippe vom Staat erhalten. Ausgerechnet sie regen sich darüber auf, wenn o.g. Frauen nun diese kleine Anerkennung erhalten sollen. Ihre Arroganz und Unehrlichkeit widern mich geradezu an.
@ emanreztuneB
Was kaum einer weiß und was auch nicht richtig dargestellt wird in der öffentlichen Diskussion: Der Kreis, dem Deine Bedenken gelten, der der HartzIV-Empfängerinnen, wird ja (leider -und da bin ich anderer Meinung als du) gar nicht in den Genuss der 150.- kommen, weil man ihm, ebenso wie es auch beim Kindergeld ist , dieses voll auf das Einkommen anrechnet.
Diese Mütter haben gar nichts davon und insofern sind die formulierten Bedenken hinfällig. Dass es Politiker gibt, die das negieren und die Bevölkerung falsch informieren, um Hetze betreiben zu können, ist übrigens besonders verwerflich.
Paging