Solche Ungenauigkeiten sind nun keine Besonderheit des Leipziger Max- Planck-Instituts. Sie sind Symptome einer weit verbreiteten Form von Verhaltensforschung und Anthropologie, die stets in einer vom Menschen her und implizit hierarchisch gedachten Weise die Grenzen zwischen "uns" und "ihnen" exakt bestimmen und festklopfen will.
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Kein Wunder, dass solche Wissenschaft Gefahr läuft, an ihrem Gegenstand vorbei zu fragen oder zu überhören, auf welche vielleicht ganz andere Frage das Verhalten der Tiere Antwort gibt. Dies gilt übrigens bereits für Köhler, auch wenn seine "Intelligenzprüfungen" eindrucksvolle kognitive Leistungen von Schimpansen belegen.
So schlägt der südafrikanische Schriftsteller J. M. Coetzee in seiner Erzählung "Das Leben der Tiere" vor, sich einmal in die Lage von Köhlers Affen zu versetzen. Normalerweise wird er gut versorgt, plötzlich bekommt er die Nahrung entzogen. Der Mann, der ihn sonst füttert, stellt ihm Kisten hin und legt die Bananen in unerreichbare Höhe. Der Intelligenztest beginnt.
"Aber was soll man denken?", fragt sich laut Coetzee womöglich der Affe. "Man denkt: Warum lässt er mich hungern? Man denkt: Was habe ich getan? Warum kann er mich nicht mehr leiden? Man denkt: Warum will er diese Kisten nicht mehr haben?" Was mögen die Schimpansen und Orangs denken, in deren Gegenwart ein tolpatschiger Forscher nach dem anderen Gegenstände fallen lässt, hilflos mit den Armen rudert und sich - obwohl doch jung und gesund - als unfähig erweist, das Verlorene selber aufzuheben? Erstaunlich genug, dass sie diesem Menschen helfen; über die Speziesgrenze hinweg erkennen sie ihr Gegenüber anscheinend als hilfsbedürftig. Oder denken sie, es sei ein Spiel? Würde es umgekehrt genauso funktionieren?
Für diesen Text wurden die bis dahin zur Auskunft bereiten Forscher per E-Mail gefragt, ob es entsprechende Versuche gebe: Hilft das menschliche Kleinkind vielleicht einem Affen, der etwas fallen gelassen hat? Eine Frage, die ohne Antwort geblieben ist.
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(SZ vom 13.07.2010/mcs)
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Dieses Verhalten ist nicht nur typisch für Forscher, sondern für Menschen im allgemeinen. Aus diesem Verhalten bestehen unsere Vorurteile allem gegenüber, das ein wenig anders ist als der beurteilende Mensch selbst.
Ausländer sind ein wenig anders im Verhalten als Deutsche, darum werden sie als dümmer angesehen...bis sie sich exakt genau so verhalten wie Deutsche, dann haben sie "gelernt" und sind jetzt "schlauer". Auch bei allen anderen Vorurteilen ist es so.
Jeder, ob Mensch oder Tier, der anders ist als alles was in einer Gesellschaft als "normal" bezeichnet wird, ist erstmal dumm und nicht für voll zu nehmen. Man darf ihn auslachen, unterdrücken und quälen, ausgrenzen, denn er muss ja lernen sich anzupassen...
Forscher sind eben auch nur Menschen...