Kann der ökologische Landbau die ganze Welt ernähren? Die Antwort hängt vor allem davon ab, was wir in Zukunft essen werden.
Das mit dem Essen ist eine komplizierte Sache. Immer mehr Menschen wollen sich nicht nur gesund, sondern auch umweltbewusst ernähren. Der Lebensmitteleinkauf wird zur Herausforderung. Durchschnittlich elf Tonnen Treibhausgase verursacht jeder Bundesbürger pro Jahr, immerhin ein Fünftel davon entfällt auf die Nahrung. Diesen Wert will die Bundesregierung langfristig um mehr als die Hälfte reduzieren. Wie das erreicht werden kann, darüber wird heftig debattiert. Unstrittig ist dabei, dass eine ökologische Landwirtschaft weniger Treibhausgase verursacht als die Massenproduktion. Doch lässt sich mit Bio auch die Welt ernähren?
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Die Antwort ist nicht einfach. Unzählige Studien liegen zu diesem Thema vor, die zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen kommen. "Es gibt genügend Untersuchungen die belegen, dass mit Öko-Landbau genug Nahrungsmittel für alle produziert werden können", betont etwa Alexander Gerber, Geschäftsführer beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Dem halten große Agrarkonzerne wie Syngenta entgegen, dass man Ackerland von der doppelten Größe Indiens zusätzlich urbar machen müsste, um mit Bioanbau auf die gleichen Erträge zu kommen.
Die Wahrheit dürfte irgendwo zwischen den Extrempositionen liegen. Denn eine Turbolandwirtschaft, die allein auf Ertragssteigerungen ausgerichtet ist, belastet auf Dauer die Umwelt zu stark, darin sind sich die Experten weitgehend einig. Pestizide verschmutzen das Grundwasser, Böden werden ausgelaugt und müssten immer stärker gedüngt werden, um gleichbleibende Erträge zu erzielen.
Viele Kleinbauern in der Dritten Welt können sich diese teuren Hilfsmittel ohnehin nicht leisten. Sie könnten vom Bioanbau profitieren. Wissenschaftler der Universität Cardiff stellten jüngst in einer Untersuchungen fest, dass sich in unterentwickelten Ländern mit modernen Methoden des ökologischen Landbaus Ertragssteigerungen von 20 bis 30 Prozent erzielen lassen.
Damit wäre jedoch noch nicht die Frage beantwortet, ob mit Bio die Welternährung sichergestellt werden kann. "Die Antwort darauf hängt entscheidend davon ab, wie der Speiseplan der Menschheit aussieht", sagt Gerber vom BÖLW. Denn je mehr Fleisch und Milchprodukte verzehrt werden, um so höher ist der Bedarf an Ackerfläche. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, sind im Schnitt mindestens zehn Kilogramm Getreide notwendig. Vor allem in den bevölkerungsreichsten Ländern dieser Erde, in China und Indien, haben sich die Ernährungsgewohnheiten durch den steigenden Wohlstand in den vergangenen Jahren verändert. Weil auch dort immer häufiger Fleisch auf den Teller kommt, ist die weltweite Nachfrage nach Getreide, das zum Großteil als Viehfutter genutzt wird, stark gestiegen.
Noch reicht die weltweit produzierte Menge an Nahrungsmitteln theoretisch aus, um die Menschheit zu ernähren. Dass trotzdem mehr als eine Milliarde Menschen hungern, ist derzeit vor allem ein Verteilungsproblem. Irgendwann in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren wird nach Einschätzung von Wissenschaftlern jedoch eine kritische Schwelle erreicht sein: Dann entscheiden die Ernährungsgewohnheiten, ob genügend Nahrung für alle vorhanden ist.
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(SZ vom 18.01.2010/beu)
mit unserem Wirtschaftssystem des Wohlstands für wenige und
Armut für viele, auch Kapitalismus genannt, hat die Menschheit nur geringe Überlebenschancen. Ein einseitig auf Gewinn fixiertes System kann niemals zu einer gerechten Verteilung der Nahrung führen. Die Schätze der Natur werden bis zur Erschöpfung ausgebeutet. Finanzspekulanten schöpfen riesige Gewinne ab, die
Bauern verhungern.
Keineswegs. Es geht z.B. darum, daß die Klimaerwärmung zu fast
20% von Gasen ausgelöst wird, die aus der Viehhaltung stammen,
nicht nur CO2 sondern vor allem Methan. In Brasilien werden Regenwälder zur Produktion von Soja abgeholzt, das dann bei uns als Viehfutter verwendet wird. Die daraus resultierende Überproduktion z.B Milch wird dann wieder in Länder der dritten Welt
mit Gewinn exportiert. Ein irres System. Die Welternährung ist vor allem durch den Klimawandel bedroht.
"Noch reicht die weltweit produzierte Menge an Nahrungsmitteln theoretisch aus, um die Menschheit zu ernähren. Dass trotzdem mehr als eine Milliarde Menschen hungern, ist derzeit vor allem ein Verteilungsproblem."
Danke das Sie darauf hinweisen, oft wird so getan als gäbe es zu wenig essen und wenn wir nur alle Gemüse essen würden wäre alles besser.
Aber: das macht den Rest des Artikels etwas überflüssig, oder? Ob wir die Welt auch weiterhin theoretisch ernären könnten, es aber nicht tun oder ob es auch theoretisch mit den bestehenden Ressourcen nicht ginge, wird die hungernden am Ende nicht wirklich interessieren. Sie zu ernähren geht ohnehin gegen unsere wirtschaftlichen interessen. What a wonderful world.