Energiesparen Mehr Öko-Heizungen in Neubauten

Bei Neubauten liegt der Anteil der Öko-Heizungen über dem Durchschnitt.

(Foto: dpa)

Über mehrere Jahrzehnte verdienten die Energieversorger gutes Geld, wenn sie in Neubauvierteln Gasleitungen verlegten. Doch dieses Geschäftsmodell könnte künftig nicht mehr so gut funktionieren.

Von Ralph Diermann

Jahrzehntelang konnten die Energieversorger viel Geld verdienen, wenn sie in Neubauvierteln Gasleitungen verlegten - die Abnahme großer Brennstoffmengen war garantiert. Dieses Geschäftsmodell werde künftig jedoch nicht mehr so selbstverständlich funktionieren, meint Energieberater Patric Schulz aus Kassel. "Mit den steigenden Effizienzstandards neuer Gebäude sinkt der Erdgasbedarf deutlich. Damit wird es für Versorger unattraktiver, Gasleitungen zu verlegen. Das ist eine Chance für die erneuerbaren Energien", sagt der Experte.

Ohnehin ist der Anteil der Öko-Heizungen bei Neubauten schon heute deutlich höher als im Bestand. So wird derzeit fast jede dritte neue Wohnimmobilie mit einer Wärmepumpe ausgestattet, meldet der Branchenverband BWP. Die Gründe dafür liegen vor allem in zwei ordnungsrechtlichen Vorgaben: im Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG), das von Bauherren verlangt, einen Teil des Wärmebedarfs aus regenerativen Quellen zu decken oder aber Ersatzmaßnahmen zu ergreifen - sowie in der Energieeinsparverordnung (EnEV), die den Primärenergiebedarf neuer Gebäude begrenzt. Schon seit langem wird diskutiert, die beiden Instrumente in einem neuen, sogenannten Gebäudeenergiegesetz (GEG) zusammen zu führen und dabei die Vorgaben für den Neubau zu verschärfen. Ob es unter einer möglichen Jamaika-Koalition soweit kommt, ist jedoch offen, da FDP und Grüne hier gegensätzliche Positionen vertreten.

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Einig sind sich dagegen die Parteien, künftig verstärkt auf der Quartiersebene anzusetzen, um den Klimaschutz im Gebäudebereich voran zu bringen. "Gerade in Städten ist es oft nicht einfach, im oder am Gebäude erneuerbare Energien zu nutzen", sagt ZIA-Vizepräsident Thomas Zinnöcker, der zugleich Chef des Energiedienstleisters ista ist. "Die Dachflächen für Solarenergie sind begrenzt, und auch bei der Geothermie gibt es Beschränkungen. Daher halten wir es für notwendig, bei der energetischen Bilanzierung von Immobilien auch Energie zu berücksichtigen, die in deren Umfeld erzeugt wird. Wir sollten also die Quartiersebene und die Erweiterung des Bilanzierungskreises in das Ordnungsrecht mit aufnehmen."

Wie ein solcher Ansatz den Spielraum erweitert, zeigt etwa ein Neubauviertel im oberbayerischen Brannenburg: Dort hat der Projektentwickler InnZeit eine 500 Quadratmeter große, zentrale Solarthermieanlage errichten lassen, die Energie für das Nahwärmenetz der Siedlung erzeugt. Auch neue Technologien wie Brennstoffzellen können profitieren, wenn die Quartiersebene einbezogen wird. Zwar arbeiten die Anlagen mit Erdgas und nicht mit erneuerbaren Energien. Da sie jedoch gleichermaßen Wärme und Strom erzeugen, gelten sie als sehr effizient und damit vergleichsweise klimafreundlich.