Klimawandel 2016 bricht globalen Temperaturrekord

Hitzewellen wie zuletzt im Südwesten der USA könnten künftig häufiger auftreten

(Foto: picture alliance / AP Photo)
  • 2016 war das bislang wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globalen Temperaturen lagen um 0,94 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts.
  • Damit ist 2016 das dritte Rekordjahr in Folge.
  • Die hohen Temperaturen lagen zum Teil am Wetterphänomen El Niño, vor allem aber am Klimawandel.
  • Forscher warnen, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, um die Erderwärmung wirkungsvoll zu begrenzen.
Von Marlene Weiß

Das Jahr 2016 war das wärmste seit Beginn der Messungen: Die weltweiten Temperaturen lagen laut der US-Klimabehörde NOAA und der US-Weltraumbehörde Nasa um 0,94 Grad Celsius über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts. Nach 2014 und 2015 stellt 2016 damit das dritte Wärmerekordjahr in Folge.

Die hohe Durchschnittstemperatur dürfte zum Teil auf einen besonders heftigen Verlauf des Klimaphänomens El Niño zurückzuführen sein, das bis zur Jahresmitte das Wasser an der Meeresoberfläche des Pazifiks und dadurch auch die Luft erwärmt hat. Neben Überflutungen in Südamerika und Dürren in Afrika löste El Niño die schlimmste je beobachtete Korallenbleiche am Great Barrier Reef vor Australien aus. Bis einschließlich August erreichte jeder einzelne Monat einen neuen weltweiten Temperaturrekord.

Der Hauptgrund für den beobachteten Temperaturanstieg ist jedoch der Klimawandel. Auch nach Abflauen von El Niño blieb die Erde deutlich zu warm; gegen Ende des Jahres verzeichnete die Ausdehnung des globalen Meereises dramatische Negativrekorde.

Üblicherweise wächst das arktische Meereis im Winter - Ende 2016 schrumpfte es sogar

(Foto: NSIDC / Wipneus)

Die Temperaturdaten zeigen erneut, dass die Klimaforscher mit ihren Modellen einigermaßen richtig liegen. Skeptiker des Klimawandels hatten lange auf die vermeintliche Pause oder zumindest Verlangsamung der globalen Oberflächen-Erwärmung verwiesen, die Anfang des Jahrtausends beobachtet wurde und nicht zu den Prognosen passte. Woran immer das gelegen haben mag, ob an natürlicher Variabilität oder systematischen Messfehlern - mittlerweile ist davon nichts mehr zu merken.

"Die neuen Zahlen zeigen, dass dieser Spuk vorbei ist", sagt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Die aktuell gemessene Erwärmung passt gut zu den Modellen, es gibt keinen Grund anzunehmen, dass künftige Jahre wesentlich kälter werden. Es kann zwar gut sein, dass 2017 nicht ganz so warm wird wie 2016, weil der El-Niño-Einfluss fehlt. Aber langfristig ist klar, dass die Erderwärmung sich fortsetzt.

Regional ist der Temperaturanstieg allerdings sehr unterschiedlich: An einigen Orten in der Arktis war es 2016 nach Daten der japanischen Wetterbehörde mehr als fünf Grad wärmer als üblich, im Osten Russlands teils eher kühl. In Deutschland lagen die Temperaturen 2016 laut dem Deutschen Wetterdienst 1,4 Grad über dem Mittelwert der Jahre 1961 bis 1990. Das ist zwar deutlich mehr als der globale Rekordwert von 2016 - aber wegen der starken Erwärmung hierzulande reichte es nicht für einen vorderen Platz in der Statistik.

Eindeutiger Trend: Die globale Durchschnittstemperatur liegt zunehmend über dem langfristigen Mittelwert.

(Foto: NOAA)

Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, die noch deutlich kühler war als das 20. Jahrhundert, entspricht der Temperaturanstieg sogar fast 1,2 Grad. Das ist schon bedenklich nah an der 2015 in Paris vereinbarten Grenze von 1,5 Grad, worauf die globale Erwärmung nach Möglichkeit beschränkt werden soll. Bei diesem Grenzwert gelten die Risiken des Klimawandels noch als beherrschbar. Schon eine Erwärmung um zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit gilt als deutlich gefährlicher, beispielsweise könnten dann mehr Hitzewellen und Starkregenfälle auftreten. Forscher warnen zudem vor steigenden Meeresspiegeln, knapper werdenden Süßwasserressourcen und geringeren Ernten (lesen Sie hier mehr zu den Risiken der Erderwärmung).

"Mir kommt das 1,5-Grad-Ziel schon jetzt ziemlich illusorisch vor", sagt Marotzke. "Die bisherigen Zusagen führen uns eher in Richtung drei Grad, und wir sehen ja in Deutschland, wie schwer selbst diese Verpflichtungen einzuhalten sind."

Tatsächlich dürfte die Menschheit nur noch etwa 170 Milliarden Tonnen CO₂ ausstoßen, wenn die Erwärmung unterhalb von 1,5 Grad bleiben soll - diese Menge dürfte beim jetzigen Tempo bis 2021 aufgebraucht sein. Was danach emittiert wird, müsste wieder aus der Atmosphäre zurückgeholt werden. Ob und in welchem Maßstab so etwas gelingt, ist derzeit mehr als fraglich, zumal die politische Bereitschaft zur Unterstützung entsprechender Technologien sich in bescheidenen Grenzen hält.

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