Chile und die Erdachse Erdbeben verkürzt die Tageslänge

Die verheerenden Erdstöße in Chile haben nach Berechnungen der Nasa die Erdmassen derart verschoben, dass sich unser Planet nun etwas schneller dreht.

Das starke Erdbeben in Chile hat die Länge des Erdentags nach Berechnungen amerikanischer Wissenschaftler um etwa eine Millionstel Sekunde verkürzt. Die Erdstöße hätten die Erdachse um acht Zentimeter verschoben und Erdmassen derart verlagert, dass die Rotation der Erde sich etwas beschleunigt haben könnte, berichtete der Nasa-Forscher Richard Gross unter Berufung auf Berechnungen.

Der Forscher erklärt den Effekt mit dem Bild einer Eisläuferin. Dreht sie ihre Pirouetten mit ausgebreiteten Armen, ist die Drehung vergleichsweise langsam, beschleunigt sich aber, wenn sie die Arme eng an den Körper legt - mit anderen Worten, wenn sie ihre Masse anders verteilt.

Die Veränderungen durch die Erdstöße der Stärke 8,8 sind der Nasa zufolge permanent, wenngleich minimal. In der Tat sind sie so gering, dass Wissenschaftler sie lediglich berechnen, nicht aber messen können. Die Untergrenzen für Messungen liegen den Angaben zufolge bei 5 Mikrosekunden.

Bereits durch das Erdbeben der Stärke 9,1 im Dezember 2004 im Indischen Ozean hatten sich nach Angaben der Nasa die Tage um 6,8 Mikrosekunden verkürzt.

Möglicherweise hat das Erdbeben auch geologische Spätfolgen weit entfernt vom Epizentrum. Nachdem am vergangenen Samstag ein schwerer Erdstoß den Meeresboden bei Concepción erschüttert hat, brechen demnächst vielleicht Vulkane in den chilenischen und argentinischen Anden aus. Britische Geologen hatten Ende 2008 in einer Analyse gezeigt, dass innerhalb eines Jahres nach den Erdbeben vor Chiles Küste 1906 und 1960 jeweils drei bis vier zusätzliche Eruptionen von Feuerbergen zu verzeichnen waren.

Offenbar erschüttern die Erdbebenwellen die Magmakammern unter den Vulkanen, auch wenn diese bis zu 500 Kilometer von der Bruchzone entfernt sind. Das gilt zum Beispiel für den Llaima, der seit 2008 schon dreimal ausgebrochen ist. Er stehe jetzt unter besonderen Beobachtung, sagte der Oxford-Vulkanologe David Pyle dem Magazin New Scientist.

Währenddessen warnen US-Wissenschaftler vor einem Mega-Erdbeben im Nordwesten der USA, das dem verheerenden Erdstoß in Chile ähneln könnte. Der Erdbebenforscher Brian Atwater vom US Geological Survey sagte, Großstädten wie Seattle, Portland und Vancouver drohten ähnliche Gefahren wie Chile. "Es ist keine Frage, ob es passiert, sondern wann", warnte der Forscher.

Nur rund 80 Kilometer vor der US-Küste liegt den Angaben zufolge ein sogenannter Hotspot. Der Graben hat sich seit 300 Jahren nicht mehr gerührt. Tut er dies aber - heute oder erst in Jahrzehnten - wären die Folgen verheerend. Jüngste Computersimulationen eines Bebens der Stärke 9 kamen zu dem Ergebnis, dass der Erdstoß den Boden zwei bis fünf Minuten erzittern lassen würde. Er wäre stark genug, schlecht gebaute Gebäude von der kanadischen Provinz British Columbia bis nach Nordkalifornien zum Einsturz zu bringen und an Autobahnen und Brücken schwere Schäden anzurichten.

Das Beben würde außerdem in wenigen Minuten einen Tsunami in Richtung Küste jagen. Während Großstädte wie Portland und Seattle vor schweren Überflutungen geschützt wären, seien direkt an der Pazifikküste gelegene Orte akut gefährdet.

Bei einer Fachtagung im vergangenen Jahr kamen Experten zu dem Schluss, dass die Wolkenkratzer in Seattle, die vor 1994 errichtet wurden, bei einem Superbeben stark gefährdet sind. Die danach gebauten Hochhäuser gelten als sicherer, da damals die Bauvorschriften verschärft wurden. Die Katastrophenschutzbehörden in den Bundesstaaten Oregon und Washington wissen um die Gefahren. Derzeit wird daran gearbeitet, Schulen, Krankenhäuser und andere Gebäude so zu verstärken, dass sie einem starken Beben besser widerstehen können.

Im Video: Die Zahl der Toten nach dem verheerenden Erdbeben in Chile ist auf 795 gestiegen.

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