Buch: "Die Homöopathie-Lüge" Ärzte und Apotheker sind auch nur Menschen

Diese Berufsgruppen haben mit den Mitteln nämlich immer noch eine vermeintliche Arznei mehr zur Hand, als die konventionelle Medizin anbieten kann. Und das bietet einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die den Patienten erklärt, man könne nichts mehr für sie tun.

In der Regel ist es vordergründig meist auch unproblematisch, die Mittel zu verschreiben oder zu verkaufen. Denn so extrem verdünnt wie sie gewöhnlich sind, enthalten sie zu wenig Substanzen um Nebenwirkungen zu verursachen - von einer Wirkung ganz zu schweigen.

Außerdem erhöhen der Placebo-Effekt und das Kümmern der Ärzte bei vielen Patienten das Wohlbefinden. Häufig verschwinden Krankheitssymptome auch von selbst, was dann der homöopathischen Behandlung zugeschrieben wird und das Vertrauen in die Mediziner und Arzneimittelverkäufer vergrößert. Diese Effekte sind so stark, dass sogar viele Apotheker und Ärzte tatsächlich an die Heilkraft der Homöopathie glauben - obwohl sie im Studium gelernt haben, wieso sie sich irren müssen.

Dazu kommt, dass das Medizinstudium an manchen Universitäten zunehmend von Anhängern der Homöopathie und anderer paramedizinischer Heilverfahren untergraben wird. Es ist ihnen gelungen, ihre "Lehren" an einer Reihe von Hochschulen in Form von Vorlesungen und Seminaren ins Medizinstudium zu integrieren. Zugleich mit Lehrstühlen zu sogenannten alternativen Heilverfahren, die fast ausschließlich von Firmen und Stiftungen finanziert werden, können die Homöopathen deshalb vortäuschen, den akademischen Ritterschlag erhalten zu haben. Dieser Eindruck führt letztlich dazu, dass die Bereitschaft der Patienten und Krankenkassen wächst, Geld in die Paramedizin zu investieren.

Damit nicht genug: Nach Jahren intensiver Lobbyarbeit der Unternehmen und der Anhänger des Heilverfahrens haben die Homöopathie und die zum Teil mit homöopathischen Methoden arbeitende anthroposophische Medizin einen Sonderstatus in Deutschland und Europa erreicht: Im Gegensatz zu konventionellen Medikamenten müssen sie ihre Wirksamkeit nicht beweisen.

Doch über die Lobbyarbeit der verschiedenen Interessengruppen, die hinter dem Erfolg steckt, und ihren Erfolg zum Beispiel in der Politik war bislang wenig zu erfahren. Allein die Kapitel, die sich mit diesem vernachlässigten oder ignorierten Aspekt beschäftigen, machen die "Homöopathie-Lüge" deshalb zu einem Buch, das auch für Anhänger dieses Heilverfahrens neue Informationen bietet.

So haben sich auch die Produzenten von Homöopathika im Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) organisiert, in der eigene Arbeitsgruppen existieren, die versuchen, "diese Therapierichtung verstärkt ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken", wie Weymayr und Heißmann berichten. Ebenfalls vertreten werden die Interessen der Homöopathie-Hersteller im Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). In der Politik stoßen die Lobbyisten auf großes Interesse.