Buch: "Die Homöopathie-Lüge" Erfolgsgeschichte trotz fehlender Substanz

Die Homöopathie ist eine zweischneidige Erfolgsgeschichte. Wer an sie glaubt - und das sind immer mehr Menschen -, muss auch an Voodoo glauben. Denn ihre Mittel können gar nicht wirken - außer über den Placeboeffekt. Lediglich wenn sie - entgegen der Lehre - nur schwach verdünnt sind, kann die Behandlung spezifische Folgen haben. Und die sind manchmal sogar gefährlich.

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Die Zahl der Homöopathie-Anhänger wächst und wächst - Apotheker und auch immer mehr Ärzte bieten ihrer Kundschaft Kügelchen ohne Wirkstoffe an. Selbst an den Universitäten greift die "alternative" Heilslehre zunehmend um sich. Wie konnte das passieren? Die Wissenschaftsjournalisten Christian Weymayr und Nicole Heißmann bieten eine Antwort auf diese Frage.

Von Markus C. Schulte von Drach

Wer eine Apotheke betritt, dem fallen sie schnell ins Auge: Bücher wie der "Quickfinder Homöopathie" oder Ratgeber zur Anwendung von Bach-Blüten und Schüßler-Salzen. Was in den Bücherständern und Auslagen nicht auftaucht, ist dagegen das Buch "Die Homöopathie-Lüge".

Warum eigentlich nicht? Schließlich geht es in dem Buch der Journalisten Christian Weymayr und Nicole Heißmann ebenfalls um Homöopathie. Es geht um jenes inzwischen unglaublich gefragte Heilverfahren, für das Teile von Pflanzen oder Tieren, Mineralien oder Giftstoffe extrem stark verdünnt werden, um sie dann gegen Symptome einzusetzen, die sie unverdünnt angeblich selbst auslösen. Bach-Blüten-Therapie und Schüßler-Salze sind lediglich Variationen der Homöopathie.

Und während die teilweise knallbunten "Ratgeber" Behauptungen aufstellen, die durch wissenschaftliche Studien nicht nur nicht gedeckt, sondern widerlegt sind, bemühen sich die Autoren der "Homöopathie-Lüge" darum, die Verbraucher aufzuklären. Wären Apotheken dann nicht naheliegende Verkaufsstellen?

Leider erschließt sich der Grund dafür, weshalb Arzneimittelverkäufer kaum ein Interesse daran haben, den Verkauf dieses Buches zu fördern, den meisten Menschen erst nach dem Lesen desselben.

Weymayr und Heißmann haben ein populärwissenschaftliches Buch über die Homöopathie vorgelegt, in dem sie allen wichtigen Fragen zu diesem "alternativen Heilverfahren" nachgehen:

  • Sie zeichnen die Geschichte der Homöopathie von ihrer "Erfindung" durch den deutschen Arzt Samuel Hahnemann bis heute nach.
  • Sie erklären, wieso dessen Ideen zu seiner Zeit auf fruchtbaren Boden fielen. So stellen sie etwa dar, wieso die Behandlung damals für viele Patienten tatsächlich besser - oder weniger nachteilig - war als verbreitete konventionellen Methoden der damaligen Medizin wie etwa der Aderlass.
  • Sie erklären, wieso Hahnemanns Weltbild durch die Erkenntnisse der Naturwissenschaftler heute vollständig widerlegt ist.
  • Sie zeigen auf, dass nach 200 Jahren und etlichen wissenschaftlichen Untersuchungen klar ist, dass die angeblichen Heilerfolge auf den Placebo-Effekt sowie die Betreuung der Patienten durch den Homöopathen zurückgehen. Mit einer angeblichen Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel hat das nichts zu tun.

Darüber hinaus jedoch - und das erklärt, wieso Arzneimittelhändler kaum ein Interesse an dem Verkauf des Buches haben dürften - legen Weymayr und Heißmann dar, wieso Apotheker und auch Mediziner vom Interesse vieler Patienten an paramedizinischen Methoden profitieren können.