Astronomie Asteroid 2012 TC4 soll Erde knapp verfehlen

Asteroid 2012 TC4, aufgenommen am 10. August 2017 vom "Very Large Telescope" der Europäischen Südsternwarte Eso. Der Asteroid ist mit einem Kreis gekennzeichnet.

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  • Der Asteroid 2012 TC4 wird am Donnerstagmorgen, 7.40 Uhr deutscher Zeit, zwischen Erde und Mond hindurchfliegen.
  • Das zwischen 15 und 30 Meter große Objekt nähert sich der Erde bis auf 44 000 Kilometer - für kosmische Maßstäbe ein sehr geringer Abstand.
  • Forscher wollen den Vorbeiflug nutzen, um sich für künftige Gefahren aus dem All zu wappnen. Im Ernstfall blieben wohl mehrere Jahre Zeit, um auf einen drohenden Einschlag zu reagieren.

Er ist so groß wie ein Haus, 26 000 Kilometer pro Stunde schnell und kommt der Erde bedenklich nahe: Der Asteroid 2012 TC4 wird am Donnerstag in einem Abstand von 44 000 Kilometern an der Erde vorbeirasen. Das ist etwa ein Neuntel des Abstands zwischen Erde und Mond, und nur wenig höher als die Bahn von geostationären Satelliten in 36 000 Kilometern Höhe über dem Meeresspiegel. Für astronomische Maßstäbe verfehlt der Felsen die Erde also nur um Haaresbreite.

Würde 2012 TC4 die Erde treffen, hätte das beträchtliche Folgen - so wie 2013 rund um die russische Millionenstadt Tscheljabinsk. Ein Asteroid ähnlicher Größe explodierte damals in der Atmosphäre. Etwa 1500 Menschen wurden durch die Druckwelle verletzt, 7000 Gebäude beschädigt.

Gefahr geht von 2012 TC4 zwar bislang keine aus, aus dem Vorbeiflug wollen Forscher aber Erkenntnisse gewinnen, um künftige Bedrohungen abzuwehren. "Dieses Mal ist es kein besorgniserregender Fall, aber wir werden ihn nutzen, um zu trainieren", sagt der Esa-Wissenschaftler Detlef Koschny von der Abteilung Erdnahe Objekte. Esa, Nasa und mehrere Sternwarten werden den Vorbeiflug am Donnerstag genau beobachten - die Informationen wollen sie an Katastrophenschutzzentren melden, erklärt Koschny. Danach werde überprüft, ob die Angaben verständlich sind, ob der Informationsaustausch verbessert werden muss. Asteroid 2012 TC4 wurde 2012 entdeckt. Im Jahr 2050 soll er erneut relativ nah an der Erde vorbeifliegen.

16 745 erdnahe Objekte, sogenannte NEOs, zählt die Esa in einer Datenbank. 659 NEOs stehen auf einer besonderen Risikoliste. Diese Objekte könnten die Erde mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit treffen. Die errechneten Zeitpunkte eines möglichen Einschlags liegen aber teilweise etliche Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in der Zukunft. Die Unsicherheit bei der Berechnung der Flugbahn ist bei so langen Zeiträumen noch groß.

Optionen für die Abwehr: gezielte Kollisionen oder eine Raumschiff-Mission

Nähert sich ein großer und potenziell gefährlicher Himmelskörper der Erde, hat man nach Einschätzung von Experten in der Regel mehrere Jahre bis Jahrzehnte Vorlaufzeit, um Schutzmaßnahmen zu treffen. "Die naheliegende Option wäre ein kinetischer Impakt", sagt Rüdiger Jehn vom Europäischen Raumflugkontrollzentrum Esoc in Darmstadt. Das heißt, man würde den Asteroiden mit einem anderen Objekt kollidieren lassen, um ihn von seiner Bahn abzulenken. Jehn verfolgt als Forschungsansatz einen sogenannten Gravity Tractor, wobei ein Raumschiff neben dem Asteroiden herfliegt und ihn über die gegenseitig ausgeübte Anziehungskraft von seinem Kurs abbringt. "Im Notfall wäre auch ein nuklearer Einschlag denkbar. Aber das müssen wir wohl den Amerikanern überlassen", sagt Jehn. In Europa gebe es keine Bereitschaft, das zu testen.

Jehn strebt ein Frühwarnsystem an, mit dem man gefährdete Menschen etwa eine Woche vorher warnen kann. "Wenn wir der Bevölkerung sagen können, 'Bleibt dann in euren Kellern!', ist das wie eine Tornado-Warnung", sagt der Esa-Forscher. So ließe sich großer Schaden vermeiden.

Momentan geht es vor allem darum, den Himmel flächendeckend nach heranfliegenden Objekten abzusuchen und Lücken bei der Beobachtung zu schließen. Deswegen will die Esa 2019 ein sogenanntes Fly-Eye-Teleskop in Betrieb nehmen. Doch auch dann wird es keine absolute Sicherheit geben. Denn bis zu 20 Prozent der NEOs kommen von der Sonnenseite und sind für Teleskope unsichtbar.

Am Donnerstag soll der Asteroid gegen 7.40 Uhr deutscher Zeit zwischen Erde und Mond hindurchfliegen. Er ist laut Esa zwischen 15 und 30 Metern groß, mit bloßem Auge ist das Objekt nicht sichtbar. Astronomen könnten ihn aber mit einem guten Teleskop zu sehen bekommen. Die besten Bedingungen für die Beobachtung von 2012 TC4 gibt es in Australien, in Europa geht während seiner Passage bereits die Sonne auf.