Arzneimittel-Rückstände in Gewässern Psychopharmaka reichern sich in den Tierkörpern an

Die neue Untersuchung aus Schweden zeigt nun, dass Verunreinigungen in der Umwelt nicht nur die Gesundheit von Tieren beeinträchtigt. Dass Psychopharmaka auch bei Tieren Verhaltensänderungen auslösen, sei erwartbar, sagt Gerd Maack, der sich beim Umweltbundesamt mit der Umweltbewertung von Arzneimitteln befasst. Doch seien die nun beobachteten Folgen überraschend. "Verringertes Sozialverhalten hat besonders bei Schwarmfischen einen direkten Effekt auf das Überleben, da der Schwarm Leben schützt. Ein verändertes Fressverhalten hat auch Folgen, da gerade in unseren Breiten das Nahrungsnetz sehr empfindlich auf Veränderungen reagiert." Studien wie die aus Schweden seien erst in jüngster Zeit möglich geworden, seit es Kamerasysteme gebe, die das Verhalten der Tiere aufzeichnen und automatisch analysieren.

Im Herbst 2010 hatten die vier Forscher aus Umeå im Fleisch von Barschen das Beruhigungsmittel Oxazepam gefunden. Die Tiere stammten aus dem Fluss Fyris, der durch Uppsala fließt. "Diese Substanz taucht überall da in messbaren Mengen in der Umwelt auf, wo viele Menschen leben und es wenig Wasser gibt", sagt Jonatan Klaminder. "Sie reichert sich in den Körpern der Tiere an." Für den Menschen sei das aber wohl ungefährlich. "Man müsste 2000 Kilogramm Fisch essen, um auf den Wirkstoffgehalt einer Tablette zu kommen", sagt Klaminder.

Er und seine Kollegen versuchten daraufhin im Labor zu ergründen, welchen Effekt der Arzneistoff auf die Tiere haben könnte. Dazu setzten sie junge Fische in Aquarien, denen sie Oxazepam in verschiedenen Konzentrationen zugesetzt hatten und verglichen deren Verhalten mit Tieren in sauberem Wasser. Die niedrige Dosierung des Wirkstoffs entspreche etwa jener Konzentration, die sie in der Nähe von Kläranlagen gemessen hätten, schreiben die Forscher. Vergleichbare Mengen würden auch in anderen europäischen und in nordamerikanischen Gewässern gemessen werden. Die hohe Dosis lag deutlich darüber.

Aber schon die geringe Wirkstoffmenge machte die Tiere aktiver. Sie mieden die Gruppe und fraßen gieriger als Artgenossen im wirkstofffreien Wasser. Setzten die Forscher sie der hohen Dosierung aus, wurden sie geradezu übermütig und zeigten kaum noch Scheu, unbekanntes Terrain zu erkunden. Solche Verhaltensänderungen seien jedoch selbst mit automatischen Kamerasystemen schwierig zu objektivieren, erklärt Gerd Maack die Schwächen der noch jungen Analysemethode.