Artenvielfalt Eindringlinge im Beet

Eingenistet im fremden Habitat: der Waschbär wird in Teilen Deutschlands langsam zum Problem.

(Foto: WOR)
  • Ein internationales Forscherteam hat Daten von 6414 gebietsfremden Tier- und Pflanzenspezies in 20 Ländern ausgewertet.
  • Etwa ein Fünftel davon sei invasiv und eine Gefahr für andere Lebewesen in ihrer neuen Heimat, berichten die Wissenschaftler.
  • Problematisch in Deutschland: Waschbär, Nilgans oder auch das drüsige Springkraut.
Von Tina Baier

Das Drüsige Springkraut ist eine jener Pflanzen, über die sich Hobbygärtner im Frühjahr eher weniger freuen. Mit ihren rosafarbenen Blüten sieht das ursprünglich aus Indien stammende Gewächs zwar ganz hübsch aus. Doch erfahrene Gartenbesitzer wissen: Wo diese Pflanze wächst, da wächst sonst nichts mehr. Nicht einmal Brennnesseln haben eine Chance gegen sie.

Das Springkraut gehört zu den sogenannten invasiven Arten, die sich in Regionen ausbreiten, in denen sie ursprünglich nicht vorgekommen sind und dort in der Natur großen Schaden anrichten. Ein internationales Forscherteam hat jetzt Daten von 6414 gebietsfremden Tier- und Pflanzenspezies in 20 Ländern ausgewertet. Etwa ein Fünftel davon sei ähnlich wie das Springkraut invasiv und eine Gefahr für andere Lebewesen in ihrer neuen Heimat, berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Scientific Data.

Der Kot der Nilgans ist überall - vorrangig in Freibädern kommt man mit ihm in Berührung

Für die Europäische Union gibt es bereits seit Juli 2016 eine Art schwarze Liste invasiver Arten. Die dort aufgeführten Spezies gelten als derart gefährlich, dass es verboten ist, sie in die EU einzuführen, sie zu halten oder mit ihnen zu handeln. 2017 wurde die Liste erweitert und umfasst derzeit 49 Tier- und Pflanzenarten. 32 von ihnen kommen auch in Deutschland vor. Der Waschbär zum Beispiel, der als Pelzlieferant aus den USA eingeführt wurde. Im Jahr 1934 wurden die Allesfresser in Hessen bewusst ausgesetzt. Mittlerweile sind sie zumindest in einigen Regionen Deutschlands zur Plage geworden. Unter anderem im Großraum Kassel schreckt das Tier immer wieder Menschen aus dem Schlaf, weil es nachts auf der Suche nach Futter auf dem Dachboden herumrumpelt. Waschbären fressen außerdem geschützte Amphibien und machen bodenbrütenden Vögeln wie dem Kiebitz den Garaus.

Auf der EU-Liste der unerwünschten Arten steht auch die Nilgans, die ursprünglich aus Ägypten stammt und als Ziergeflügel nach Europa gebracht wurde. Jetzt fallen die Vögel in Getreidefelder ein, und in so manchem Freibad kann man kaum einen Schritt tun, ohne befürchten zu müssen, in Gänsekot zu treten. Zudem sind Nilgänse extrem aggressiv. Es soll vorgekommen sein, dass sie Weißstörche aus ihrem Nest vertrieben haben - Vögel, die in Deutschland unter strengem Schutz stehen.

Einmal etabliert, ist es fast unmöglich, die Invasoren wieder loszuwerden

In der Kategorie Pflanzen steht neben dem Springkraut auch der aus dem Kaukasus stammende Riesenbärenklau auf der EU-Liste der gefährlichen Eindringlinge. Die Pflanze verdrängt nicht nur einheimische Gewächse, sondern ist zudem auch giftig. Ihr Saft enthält Furocuramin, das die Haut verätzt und Wunden hinterlässt, die nur langsam heilen.

Haben sich solche Invasoren in ihrer neuen Heimat erst einmal etabliert, ist es fast unmöglich, sie wieder loszuwerden. Viele Umweltschützer sehen in der Ausbreitung dieser Spezies eine ernsthafte Gefahr für die Artenvielfalt. Andere plädieren für mehr Gelassenheit gegenüber den Einwanderern. Auch die gerade veröffentlichte Studie ließe sich in diesem Sinn interpretieren: Dass ein Fünftel der Eindringlinge nach Einschätzung der Wissenschaftler Schaden anrichtet bedeutet ja umgekehrt, dass vier Fünftel von ihnen harmlos sind.

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