Wirtschaftsorganisation OECD kritisiert Rentenpläne der Koalition

Die Mütterrente und die Rente mit 63 werden langfristig Jobs kosten, warnt die Industriestaaten-Organisation OECD. Ihr zufolge sollte die Politik lieber Anreize schaffen, um Bürger dazu zu bewegen in höherem Alter länger zu arbeiten.

Abschlagsfreie Rente ab 63 und die Mütterrente - damit setzt die neue Regierung die teuerste Rentenreform seit Jahren um. Nun schaltet sich die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein. Sie kritisiert die von Union und SPD vereinbarten Rentenbeschlüsse, denn: "Das macht Arbeit teurer", sagte der Deutschland-Experte der OECD, Andres Fuentes, am Samstag. "Das wird sich negativ auf Konjunktur und Beschäftigung auswirken." Ohne diese Maßnahmen könnten die Beiträge zur Sozialversicherung niedriger sein.

Problematisch sei vor allem, dass die milliardenschweren Zusatzkosten - etwa für die Mütterrente - überwiegend aus den Sozialkassen finanziert werden. "Das deutsche Steuer- und Abgabensystem belastet den Faktor Arbeit ohnehin schon sehr stark", sagte Fuentes. Das treffe vor allem Geringverdiener. "Das wird nun noch verstärkt." Etwa neun Millionen Rentnerinnen, die vor 1992 Kinder geboren haben, sollen mehr Geld bekommen. Finanziert werden die jährlichen Kosten von etwa 6,5 Milliarden Euro aus den Beitragsmitteln der Rentenversicherung - also durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Die OECD empfiehlt stattdessen, Arbeit billiger zu machen. "Deutschland sollte sein Steuersystem reformieren, um Arbeit weniger stark zu belasten", sagte Fuentes. "Das geht, indem mehr Einnahmen aus Bereichen erlöst werden, die weniger schädlich sind für die wirtschaftliche Entwicklung." So gebe es Spielraum für höhere Einnahmen aus der Immobiliensteuer. "Auch bei der Mehrwertsteuer gibt es zahlreiche Ausnahmen, die man weglassen und das ganze System damit auch noch vereinfachen und vereinheitlichen könnte", sagte der OECD-Experte. So hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung den Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen in Hotels von 19 auf sieben Prozent gesenkt.

Wer 45 Beitragsjahre in der Rentenversicherung aufweist, kann ab Juli 2014 mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen. Dabei werden Zeiten der Arbeitslosigkeit mitgerechnet. Auch das kritisiert die OECD. "Anreize, in höherem Alter länger zu arbeiten, sollten verstärkt, nicht abgebaut werden", sagte Fuentes.