Was ist drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise normal auf dieser Welt? Nichts! Auch die überraschend positiven Daten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Deutschland und Europa haben ein Wachstumsproblem.
Deutschland ist die große Überraschung dieser Krise. So bizarr die Politik der christlich-liberalen Koalition in Berlin auch sein mag, die deutsche Wirtschaft hat sich als viel widerstandsfähiger erwiesen, als die meisten Experten erwartet hatten. Die Arbeitslosigkeit sinkt seit Monaten, die Industrieproduktion übersteigt alle Prognosen. Die Exporte sind im Mai um sensationelle 9,2 Prozent gestiegen, überall auf der Welt werden deutsche Maschinen und deutsche Autos gefragt. Dabei haben die Importe nach Deutschland sogar noch stärker zugenommen, was den Vorwurf aus den Vereinigten Staaten ein wenig entkräftet, Deutschland prosperiere auf Kosten anderer. Es ist daher wirklich nicht ganz abwegig, Deutschlands Rolle in der Weltwirtschaft mit der bei der Fußballweltmeisterschaft zu vergleichen.
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Wirtschaftsfaktor Hamburger Hafen: Nicht nur Deutschland hat noch mit den Folgen der großen Krise zu kämpfen. (© ag.dpa)
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Zwei Fehler sollte die deutsche Politik jetzt vermeiden: Erstens zu glauben, dieser Erfolg sei selbstverständlich und, zweitens, er lasse sich einfach in die Zukunft fortschreiben. Zum ersten Punkt: Der Erfolg ist ein Lohn früherer Mühen. Die deutsche Wirtschaft erntet jetzt den Ertrag von über einem Jahrzehnt Reformen innerhalb und außerhalb der Betriebe. Die Unternehmen wurden wettbewerbsfähig, weil sie unter zum Teil heftigen Konflikten Kosten gesenkt, Abläufe und Qualität verbessert haben. Jetzt profitieren sie vom hohen Wachstum in China und anderen Schwellenländern, die von der Finanzkrise nur marginal getroffen wurden. Außerdem kommt den Firmen der niedrige Euro-Kurs zugute. Deutsche Produkte sind im Währungsausland um über 15 Prozent billiger als zu Jahresbeginn.
Das Tempo dürfte nicht durchzuhalten sein
Diese günstigen Rahmenbedingungen werden nicht bleiben. Der Internationale Währungsfonds hat gerade seine Wachstumsprognose für das zweite Halbjahr gesenkt, um nicht sehr viel, aber die Korrektur wurde mit der Warnung verbunden, dass sich die Lage schnell und unerwartet verschlechtern könnte. China wird in diesem Jahr die phantastische Wachstumsrate von 10,5 Prozent erreichen, aber dieses Tempo dürfte nicht durchzuhalten sein. Und in den Industrieländern lässt die Wirkung der gigantischen Konjunkturprogramme allmählich nach. Auch das bremst die Weltwirtschaft.
Drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise ist eben immer noch nichts normal auf der Welt. Die Banken leben von den Billionen Euros und Dollars, mit denen die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve in Washington die Weltwirtschaft geflutet haben. Die Staaten sitzen auf gefährlich hohen Schuldenbergen, weil sie 2008 den Absturz in die Depression verhindern mussten. China und Indien wachsen so schnell, dass ihnen eine Überhitzung droht, die Industrieländer dagegen produzieren noch weit unter ihren Kapazitäten. Und trotz der hohen Exporte wird das Wirtschaftswachstum in Deutschland und in der Euro-Zone mit 1,6 und 1,3 Prozent enttäuschend niedrig sein. Auch wenn das Schlimmste der Krise längst vorüber ist, hat die Weltwirtschaft nicht ins Gleichgewicht zurückgefunden. Beunruhigend ist auch, dass der Prozess der globalen Kooperation im Rahmen der zwanzig großen Industrie- und Schwellenländer, der in der heißen Krisenphase 2008 und 2009 so gut funktioniert hat, nun ins Stocken gekommen ist. Der G-20-Gipfel Ende Juni in Toronto hat das gezeigt.
Internationale Zusammenarbeit ist dabei notwendiger denn je. In allen Industrieländern bewegt sich die Politik auf einem gefährlichen und unerprobten Pfad. Die Konsolidierung der Staatsfinanzen muss beginnen, das Spartempo darf aber auch nicht zu hoch sein, um nicht eine neue Rezession auszulösen. Die großen Banken, besonders in Europa, sind weiter hoch belastet, worunter der Kredit für den Rest der Wirtschaft leidet. Deshalb sind die EU-Stresstests für Kreditinstitute, die jetzt veröffentlicht werden sollen, so wichtig. Sie sorgen für Vertrauen und Stabilität.
Die Angst vor der Abwärtsspirale
Besonders ernst ist das Risiko einer Deflation in den Industrieländern zu nehmen. In den USA und in Deutschland nähert sich die Inflationsrate der Marke null, die Zinsen für deutsche Bundesanleihen sind im historischen Vergleich extrem niedrig. Das bedeutet: Die Investoren haben nicht Angst vor der Geldentwertung, sondern vor dem Gegenteil: einer Abwärtsspirale von sinkenden Preisen und niedrigen oder negativen Wachstumsraten. Japan hat dies in den neunziger Jahren durchgemacht und sich von den Folgen bis heute nicht erholt.
Die überraschend guten Zahlen dieses Frühjahrs dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland und Europa ein Wachstumsproblem haben. Nur wenn es gelöst wird, wird der Aufschwung nachhaltig sein. Der Weg, über höhere Staatsdefizite Wachstum zu kaufen, ist seit der Krise versperrt. Umso wichtiger wäre es, andere Wachstumsbremsen zu beseitigen.
Dazu würde es zum Beispiel gehören, die Probleme der deutschen Landesbanken schnell zu lösen und den Mut zu einer echten Gesundheitsreform aufzubringen. Es geht eben nicht nur um Sparen, sondern auch um Dynamik. Jeder Prozentpunkt mehr Wachstum erleichtert die Sanierung der öffentlichen Haushalte - jeder Prozentpunkt weniger erhöht deren soziale Kosten.
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(SZ vom 09.07.2010/mel)
Großprojekte in Berlin
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Die Krise hat noch nicht mal begonnen, da reden andere schon vom Ende der Krise.
Kopfschüttel!
Die BIZ veröffentlichte im Quartalsbericht 06/2008, dass die Bankster weltweit auf absolut wertlosen Papierschnipsel in Höhe von 600 Billionen Dollar sitzen, Europas Bankster auf 22,5 Billionen Euro.
Nur weil man die Regeln der Bilanzierung änderte und diese Risiken aus den Bilanzen auslagerte, konnte man den sofortigen Kollaps fast aller Banken verhindern. Obama rettete seine Banken mit 22,5 Billionen Dollar. Trotzdem gehen fast jede Woche neue Banken pleite. Und das ist erst der Anfang. Viele Kleinbanken haben im Gewerbeimmobilienmarkt investiert, genau wie die deutschen, der kurz vor dem Kollaps steht. Jedes 10. Einkaufscenter steht schon vergammelt in der Gegend rum, Gewerbeflächen sind nur noch mit einem Abschlag von 50% und mehr zu vermieten. Die Mietausfälle nehmen historische Ausmaße an.
Die größte Volkswirtschaft der Welt, die die Weltwirtschaft 20 Jahre lang mit Leben auf Pump am Laufen hielt, hatte Mitte 2007 aufgehört zu existieren. Die tatsächlichen Schulden der Länder werden verschwiegen. Im Juni überschritt die offizielle Staatsverschuldung der USA die 13 Billionen Marke. Die doppelte Summe wird bereits von einem US-Ministerium bestätigt. Es wird getrickst und betrogen, weltweit, dass sich die Balken biegen, um das Armageddon noch a bissl rauszuschieben. Die westlichen Industriestaaten hatten damit auch zwei Jahre lang Erfolg. Jetzt laufen die auf Pump finanzierte Konjunkuturstrohfeuerpakete aus. Dann ist Schluss mit lustig. Nur durch ein Reset im Finanzsystem könnte man was ändern.
Der erträumte Aufschwung – eine Fata Morgana
Die Krise hat noch nicht mal begonnen, da reden andere schon vom Ende der Krise.
Kopfschüttel!
In den letzten zwei Jahren haben die Staaten weltweit ca. 30 Billionen Dollar für Banksterrettungs- und Konjunkturstrohfeuerpakete ausgegeben, um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen. War leider alles umsonst. So bald ein auf Pump finanziertes Konjunkturstrohfeuerpaket beendet ist, bricht der Umsatz komplett weg.
Im April lief in den USA die Subvention für Steuergutschrift bei Hauskäufer aus. Im Juni sind die Neubauten um 32% abgesackt, der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen.
China, die Weltlokomotive, hatte 2009 ein Wachstum von 9,2%. Ca. 2/3 davon ging auf die chinesische Abwrackprämie und Kredite an jedermann zurück. Als die chinesische Regierung Ende 2009 die Kreditvergabe an jedermann einschränkte, brach unser Export sofort um 50% zusammen.
Das andere Drittel des Aufschwungs ging an die Spekulanten in der Immobilienbranche, wo sich die Hauspreise innerhalb eines Jahres verdoppelten. Der chinesische Immobilienmarkt, durch Spekulanten aufgeputscht, steht kurz vor dem Zusammenbruch.
Ebenso der Gewerbeimmobilienmarkt in den USA, viermal so groß wie der Wohnimmobilienmarkt, ist gerade dabei, sich in Luft aufzulösen.
Es geht um 5 Billionen Dollar!! Dort sind vor allem deutsche Bankster involviert.
Deutschlands Aufschwung ist erfreulich. Den haben wir ausschließlich unserm Fahrzeug-, Maschinen-, und Werkzeugbau zu verdanken. Dort sind wir weltweit führend. Doch wir freuen uns zu früh. Unsere Exporterlöse haben die Finanzminister der anderen EU-Länder bereits schon verplant.
Der erträumte Aufschwung – eine Fata Morgana.
Betrachten Sie die zerstörte Natur und reihen Sie sich ein in die Gemeinde der dortigen Umwelt-Aktivisten, auf die keiner hört und die teilweise auch schon im Knast hocken.
Die Menschheit kämpft mit allen Mitteln um ihren Untergang.
Macht nix. Bald heißt es: Planet hat Ruh.
nerven mich nicht. Ich lese Ihre Kommentare sehr gerne. Wenn das wie in Ihrem letzten Kommentar laufen würde könnte man damit eventuell durchaus leben ;o)
Wenn man bedenkt, dass in der jüngeren Geschichte so gut wie jede Generation durch eine oder mehrere Inflationen um ihre Ersparnisse gebracht und durch Krieg dezimiert wurde, so ist dies rein statistisch und empirisch gerade wieder einmal fällig.
Ein echter Moloch, diese Zivilisation.
Und die Deutschen haben offenbar ein kurzes Gedächtnis.
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