Welthandel China senkt Zölle auf Importautos - und die Deutschen freut's

China ist der weltgrößte Automarkt und gerade für die deutschen Hersteller enorm wichtig. Durch die Zoll-Senkung könnten sie nun mehr Wagen aus Europa liefern und verkaufen.

(Foto: dpa)
  • China senkt die Zölle auf eingeführte Autos von Juli an von 25 auf 15 Prozent.
  • Von dem Schritt profitieren dürften vor allem die deutschen Hersteller mit ihren Oberklasse-, Gelände- und Sport-Modellen.
  • Die Pläne für eine Zoll-Senkung waren schon länger diskutiert worden, bis zuletzt waren die Details aber unklar.

China will künftig deutlich weniger Aufschlag für importierte Autos verlangen: Die Führung in Peking senkt die Zölle für bestimmte Fahrzeugtypen von bisher 25 auf künftig 15 Prozent. Der Schritt soll vom 1. Juli an gelten, teilte das Finanzministerium mit. Davon profitieren dürften vor allem die deutschen Hersteller mit ihren Oberklasse-, Gelände- und Sport-Modellen: Sie werden nicht in China hergestellt, sondern aus dem Ausland geliefert - und dürften bald deutlich günstiger bei den Händlern zu haben sein.

Die Absenkung der Zölle war erwartet worden, mehrfach hatten chinesische Spitzenpolitiker in diesem Jahr bereits einen solchen Schritt angedeutet. Bis zuletzt war allerdings unklar, wann und um wie viel die Aufschläge fallen. Die deutschen Autohersteller hatten dem Vernehmen nach auf eine Halbierung auf 12,5 Prozent gehofft. Dieser Wunsch wird nun nicht ganz erfüllt. Dennoch dürften sie erleichtert sein, dass nun Klarheit herrscht. Viele potenzielle Käufer in China hatten zuletzt den Kauf eines Importwagens aufgeschoben, um weniger Abgaben zahlen zu müssen.

Volkswagen beispielsweise lieferte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 4,18 Millionen Autos in China aus, von denen 189 000 Stück importiert waren. Einen deutlich größeren Anteil an eingeführten Fahrzeugen hat BMW: Von knapp 600 000 verkauften Autos war im vergangenen Jahr etwa ein Drittel importiert. Entsprechend begrüßten die Hersteller nun die Ankündigung der chinesischen Regierung. "Es ist ein starkes Zeichen, dass China seinen Weg der Öffnung fortsetzt", sagte ein BMW-Sprecher. "Wir werden unser Preissystem überprüfen und entsprechende Maßnahmen einleiten." Auch der Volkswagen-Konzern, zu dem auch Audi gehört, reagierte positiv. Man begrüße die Öffnung, werde die Auswirkungen beobachten und darauf reagieren, hieß es.

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Dass die Entscheidung ausgerechnet jetzt verkündet wurde, hat auch eine symbolische Komponente: Von Donnerstag an ist Bundeskanzlerin Merkel in Peking zu Besuch. Da dürfte der Schritt des chinesischen Finanzministeriums für positive Stimmung sorgen. Zudem folgt die Senkung des Einfuhrzolls auf einen Waffenstillstand zwischen der US-Regierung und China im drohenden Handelskrieg zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften. Auch amerikanische Hersteller wie Tesla und Ford könnten vom Zoll-Nachlass profitieren.

China ist der weltgrößte Automarkt und gerade für die deutschen Hersteller enorm wichtig. Nun könnten sie mehr Wagen aus Europa liefern und verkaufen - für die Konzerne ein lukratives Geschäft. Zollfrei sind nur Autos, die in China hergestellt werden. Seit 1994 sind Hersteller allerdings verpflichtet, sich mit einem lokalen Partner zusammenzutun, wenn sie vor Ort produzieren wollen. An diesen Joint Ventures dürfen die ausländischen Hersteller nicht mehr als die Hälfte der Anteile halten. Entsprechend werden auch die Gewinne für jedes in China hergestellte Auto geteilt.

Auch diese Vorgabe soll künftig aber gestrichen werden: Zuletzt hatte die Regierung in Peking angekündigt, die Zwangspartnerschaften abzuschaffen. Im Geschäft mit Nutzfahrzeugen soll die Grenze für Beteiligungen 2020 wegfallen, bei Personenwagen 2022 - und bei Elektroautos bereits in diesem Jahr. Für die deutschen Hersteller hat das jedoch zunächst keine Auswirkungen, sie sind in langfristigen Verträgen mit ihren Partnern gebunden.

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