Weltbild-Insolvenz CSU nimmt Kirche in die Pflicht

Der Weltbild-Verlag hat seinen Sitz in Augsburg.

Bayerns Regierung erinnert die kirchlichen Eigentümer des Weltbild-Verlages an ihre Verantwortung. Auch staatliche Hilfen seien denkbar - jedoch vom Vorgehen des Insolvenzverwalters abhängig.

Von Frank Müller, Katja Riedel und Christian Krügel

Die bayerische Staatsregierung nimmt für eine mögliche Rettung des insolventen Weltbild-Verlages die katholische Kirche in die Pflicht. "Wir gehen davon aus, dass die Kirche sich ihrer Verantwortung als Arbeitgeber bewusst ist", sagte Staatskanzleichefin Christine Haderthauer (CSU). Staatliche Hilfen für eine mögliche Transfergesellschaft seien zwar denkbar. Dies hänge aber vom Vorgehen des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz ab. Wirtschafts- und Sozialministerium seien mit ihm in Kontakt. Die Staatsregierung bleibt damit hinter dem Engagement zurück, das sie in Fällen wie Quelle oder dem Fernsehhersteller Loewe gezeigt hatte.

Die Holding der kirchlichen Weltbild-Verlagsgruppe hatte am Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem die Bistümer als Gesellschafter weitere Millionenzuschüsse für das marode Unternehmen verweigert hatten. Unmittelbar von der Insolvenz betroffen sind 2200 Mitarbeiter in der Augsburger Konzernzentrale, weitere 4600 Arbeitsplätze sind aber gefährdet.

Noch am Wochenende hatte Seehofer Weltbild umfangreiche Hilfen angeboten, "von Bürgschaften bis zu Überbrückungen" sei alles möglich. Nach der Kabinettssitzung am Montag klang das reservierter - womöglich auch, weil das Klima zwischen Staatsregierung und den Kirchen derzeit angespannt ist. Diese hatten vor dem CSU-Kurs bei der Armutszuwanderung gewarnt. "Die Kirche ist sonst immer vorne dabei beim Moralisieren", sagte ein Kabinettsmitglied. Nun solle sie sich auch selbst um ihren Bereich kümmern.

Kardinal Marx: Können nicht jeden Arbeitsplatz retten.

Nach SZ-Informationen haben die 14 kirchlichen Eigentümer dazu am Montag bereits erste Schritte eingeleitet. Am Dienstag soll es ein Gespräch mit dem Insolvenzverwalter geben, in dem es um einen Millionenbeitrag der Kirche gehen soll. Ein konkreter Vorschlag soll bis Ende Januar dem Ständigen Rat der Gesellschafter vorgelegt werden. Ursprünglich hatten die Bistümer 65 Millionen Euro für das Sanierungskonzept zugesichert. Weltbild-Aufsichtsratschef Peter Beer und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hatten die Bereitschaft der Gesellschafter signalisiert, diesen Betrag nun nicht zurückzuziehen, sondern den Mitarbeitern zugutekommen zu lassen. "Ich stehe zu meinem Wort, dass wir uns um die Mitarbeiter kümmern, wie das die katholische Soziallehre vorsieht", sagte Kardinal Marx am Wochenende der SZ. Das könne nicht heißen, jeden Arbeitsplatz zu retten, aber "soziale Härten abzufedern" und bei der Vermittlung zu helfen.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz traf sich am Montag bei drei Betriebsversammlungen in Augsburg mit den betroffenen Beschäftigten. Dabei sagte er, dass zumindest die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes gesichert sei. "Somit werden alle Mitarbeiter rechtzeitig zum Monatswechsel ihre Zahlungen erhalten", so Geiwitz. Nach Angaben des Betriebsrats sind die Gehälter bis Ende März gesichert. Zu den Sanierungsaussichten wollte Geiwitz noch keine Prognose geben. Er werde dazu auch Gespräche mit Lieferanten, Großkunden und den Banken führen.