Wasserkosten Preis der Gülle

Gülle belastet das Grundwasser mit Nitraten.

(Foto: dpa)
  • Das Umweltbundesamt warnt, dass die hohe Nitratbelastung im Grundwasser die Wasserversorger vor Probleme stellt. Die Wasseraufbereitung werde sich verteuern.
  • Die Nitrate stammen vor allem aus der der Landwirtschaft.

Wer möchte, dass er gehört wird, warnt vor steigenden Preisen. Auf genau diese Art versucht das Umweltbundesamt auf ein Problem aufmerksam zu machen, dass seit langem bekannt ist - und doch in der Öffentlichkeit nur als Randaspekt wahrgenommen wird.

Es geht um Nitrate im Trinkwasser, jene Stickstoffverbindung also, die sich vor allem als Folge der Massentierhaltung und intensiver Bewirtschaftung des Bodens anreichert. Denn: Nitrate stecken in der Gülle und im Dünger.

In gut einem Viertel der Grundwasservorkommen werde derzeit der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter Wasser überschritten, schreibt das UBA. Sollte sich die Situation in den betroffenen Gebieten nicht ändern, müssten die Wasserversorger aufwändigere und damit teurere Aufbereitungsmethoden nutzen, um das Wasser zu reinigen.

Der Studie "Quantifizierung der landwirtschaftlich verursachten Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung" zufolge könnten sich darum die Kosten für das Trinkwasser um 55 bis 76 Cent je Kubikmeter erhöhen. Das entspreche einer Preissteigerung von bis zu 45 Prozent. Für eine vierköpfige Familie würde das zusätzliche Kosten von bis zu 134 Euro im Jahr bedeuten.

Die Wasserversorger kämpfen seit Jahren mit dem Nitrat. Bereits zu Jahresbeginn hatte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vor steigenden Wasserpreisen gewarnt. Die EU hatte im November 2016 Deutschland wegen der hohen Werte verklagt.

Strengere Düngeregeln

Gerade in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft ist das Grundwasser oft übermäßig mit Nitrat belastet. Die Folge: Das Nitrat fördert das Wachstum von Algen, die wiederum andere Pflanzen verdrängen. Für Menschen ist der Stoff zunächst nicht gefährlich. Nitrat kann aber im Körper oder auch schon in Lebensmitteln zu Nitrit umgewandelt werden. Nitrit wiederum blockiert den Sauerstofftransport im Blut und steht zudem im Verdacht, indirekt krebserregend zu sein.

Die Politik hatte zuletzt nach jahrelangem Ringen reagiert und im Frühjahr strengere Düngeregeln beschlossen. Dazu gehören Obergrenzen für den Eintrag von Stickstoff in Gebieten mit kritischen Wasserwerten sowie längere Zeiträume, in denen keine Düngemittel ausgebracht werden dürfen.

Für die Stickstoff- und Phosphatdüngung in der Nähe von Gewässern sollen zudem die Abstände ausgeweitet werden, die düngerfrei bleiben müssen.

Umweltschützer halten Maßnahmen für unzureichend

In Gebieten mit hohen Nitrat-Werten dürfen die Länder Extra-Vorgaben machen. Umgekehrt können dort Auflagen gelockert werden, wo die Werte unbedenklich sind.

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Umweltschützern und den Wasserversorgern geht das aber nicht weit genug. "Die Konsequenz aus diesen Warnungen sollte lauten: weniger Billigfleisch produzieren, die Düngegesetze deutlich verschärfen und wirksam kontrollieren", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff.

Sie wirft Agrarminister Christian Schmidt (CSU) vor, dass er zu wenig unternehme, um das Grundwasser zu schützen. Wenn die Verbraucher künftig den UBA-Berechnungen bis zu 767 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich bezahlen sollten, sei das ungerecht und stelle das Verursacherprinzip auf den Kopf.