Ende des Piëch-Imperiums Der Umbau bei VW wird schmerzhaft ausfallen

Am Ende haben die Folgen der Dieselaffäre für VW auch etwas Gutes: Ohne den Leidensdruck der Krise hätte sich wohl nichts geändert.

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Der zum Multi-Marken-Imperium gewachsene Konzern des Ferdinand Piëch ist unregierbar geworden. Nun wird er radikal aufgeteilt. Ein überfälliger, aber auch riskanter Schritt.

Kommentar von Thomas Fromm

Es gab bei VW eine Zeit, da genügte es, wenn der Patriarch und langjährige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch eine Zahl in einen rätselhaften Satz packte. Dann wussten seine Manager: Es ist an der Zeit, wieder etwas dazu zu kaufen. Zum Beispiel, als er vor Jahren einmal meinte, die Zahl 13 sei seine "Glückszahl". Seine Manager durften den Hinweis durchaus als eine Art Arbeitsauftrag verstehen: Bitte Fiat-Tochter Alfa Romeo anschauen!

Unter Piëch, dem Vater von zwölf Kindern, war der Käfer-Bauer aus Wolfsburg zu einem weltweiten Konglomerat mit zwölf Marken angewachsen. Zu Namen wie VW, Škoda, Seat und Audi kamen Porsche, die Lkw-Bauer MAN und Scania, Lamborghini, Ducati und andere. Denn, so das Credo des großen Sammlers aus Salzburg: Nur die reine Größe zählt. So entstand ein gigantisches Konzerngebilde, das immer schwerer zu kontrollieren war, je größer es wurde. Dass es noch dazu streng hierarchisch-autoritär regiert wurde, machte die Sache nicht einfacher, im Gegenteil.

Drei Jahre ist es her, dass der Alte nach einem erbitterten Machtkampf von der Spitze abtrat, nun wird das von ihm gebaute Reich neu geordnet. Es ist allerhöchste Zeit für den Großumbau, nicht zuletzt der Dieselskandal zeigte: Das Imperium des Ferdinand Piëch war längst unregierbar geworden. Es muss erneuert werden.

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Den Anfang macht nun die Lkw-Sparte, zu der auch der Münchner Hersteller MAN und die schwedische Marke Scania gehören. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die beiden Traditionskonzerne, die Piëch einst VW einverleibte, um sie zu beherrschen, bekommen ihre Freiheit zurück. Sie sollen irgendwann vielleicht an die Börse gebracht werden; der Unternehmenssitz von Niedersachsen nach München verlagert werden. Eine späte Genugtuung für das Münchner Unternehmen MAN.

Und ein bemerkenswerter Vorgang: Die Eigentümer des Autobauers - die Familien Porsche und Piëch, das Land Niedersachsen und die Arbeitnehmervertreter - geben bei der Sparte Lkw ihre Macht ab, statt sie wie üblich hartnäckig zu verteidigen. Strategisch ist das richtig, denn Lkw und Autos haben nur wenig Überschneidungen.

Ohne den Leidensdruck der Krise hätte sich wohl nichts geändert

Gleichzeitig soll das Multi-Marken-Imperium mit seinen 640 000 Mitarbeitern neu sortiert und in Gruppen aufgeteilt werden - ein notwendiger, wegen der enormen Größe des Objekts aber auch sehr riskanter Schritt. Auf das Unternehmen und seine Mitarbeiter kommen nun turbulente Monate zu. Nicht nur der scheidende Konzernchef Matthias Müller, auch viele andere altgediente Manager werden bei dem Umbau verlieren. Andere werden gewinnen, alte Seilschaften werden zerbrechen. Es sind dies Momente, in denen Machtkämpfe ausgefochten und alte Rechnungen beglichen werden. Der Umbau wird schmerzhaft ausfallen, weil man ihn lange verschleppt hat. Insofern hatte der Abgasbetrug bei Dieselautos auch sein Gutes: Ohne den Leidensdruck der Krise hätte sich wohl nichts geändert.

Brisant an dem, was gerade passiert, ist allerdings: Ausgerechnet jene mächtigen Eigentümer und Betriebsräte im Aufsichtsrat, die das alte System VW stützten und erst zu jenem Piëch-Imperium machten, sind diejenigen, die nun den Umbau vorantreiben. Und: Der neue Konzernchef Diess soll mit weitaus mehr Macht ausgestattet werden als sein Vorgänger - das sieht nach einer Revolution von oben aus, die durchaus auch scheitern kann.

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