Wie lässt sich Europa retten? Mit der Gründung einer Wirtschaftsregierung? Viele Politiker begeistern sich für diese Idee, doch so einfach geht das nicht. In einem Gespräch mit der SZ erläutert Richter Peter Michael Huber, warum ein solcher Schritt an verfassungsrechtliche Grenzen stoße. Es gebe nur einen Weg, um eine Wirtschaftsregierung durchzusetzen - eine Volksabstimmung.
Eine europäische Wirtschaftsregierung stößt nach Einschätzung des Verfassungsrichters Peter Michael Huber an verfassungsrechtliche Grenzen. Ohne Zustimmung des gesamten deutschen Volkes werde die Bildung einer echten EU-Wirtschaftsregierung mit umfassenden Zuständigkeiten kaum möglich sein, sagte Huber, Mitglied des Zweiten Senats im Karlsruher Gerichts, in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.
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Verfassungsrichter Peter Michael Huber (ganz rechts) glaubt, dass die Einführung einer Wirtschaftsregierung kaum möglich sei. (© dpa)
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Durch das Urteil zum Vertrag von Lissabon von 2009 seien die tragenden Grundsätze des Grundgesetzes durch dessen "Ewigkeitsgarantie" geschützt und damit "europafest". Das gelte auch für zentrale wirtschaftspolitische Zuständigkeiten wie die Sozialversicherungssysteme und die Besteuerung. Wollte man dies auf EU-Ebene harmonisieren, müsste zuvor das Grundgesetz geöffnet werden - und zwar durch eine Abstimmung des gesamten Volkes.
Dem Verfassungsgericht zufolge müsse dem Mitgliedsstaat ein "Übergewicht von Aufgaben und Befugnissen" verbleiben. Die europäische Integration habe aber bereits ein Niveau erreicht, "das sich von einem Staat nicht wesentlich unterscheidet", sagte Huber. "Wenn das Wahlrecht noch Sinn machen soll, dann muss es politische Gegenstände geben, über die der Bürger mit seiner Wahl verantwortliche Entscheidungen treffen kann." Eine bloße Koordination der Wirtschaftspolitik, wie sie zwischen Deutschland und Frankreich vereinbart worden sei, sei dagegen unproblematisch.
Huber kritisierte den Vorschlag des EU-Kommissars Günther Oettinger, Staatskommissare nach Griechenland zu schicken. Das laufe auf eine Entmündigung hinaus. "Das führt zu einer Gefährdung des Friedenswerks Europa, denn weder die Griechen noch Spanier, Portugiesen oder Italiener werden sich auf Dauer einer solchen Fremdbestimmung unterwerfen." Man könne Solidarität üben, "aber die Konsequenz kann nicht die Knute sein".
Der Münchner Professor verteidigte die Entscheidung des Gerichts, dem Parlament bei den Garantiezusagen im Euro-Rettungsschirm einen großen Freiraum einzuräumen. "Es muss Prognosespielräume geben, das Verfassungsgericht kann da nicht starr festlegen: 200 Milliarden Euro, danach ist Schluss." Allerdings spreche einiges dafür, dass die Obergrenze erreicht sei, wenn Deutschland eine Haftung in Höhe eines kompletten Bundeshaushalts übernehmen wollte.
Lesen Sie das vollständige Interview mit dem Verfassungsrichter und früheren thüringischen CDU-Innenminister Peter Michael Huber in der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung.
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(sueddeutsche.de/aum)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
...diese Gleichmacherei ist auch nicht gut für die vielen Schattierungen in den verschiedenen euopäischen Gesellschaften. Ích sehe das eher als eine Bereicherung.
Zum Thema Deutschland: Ja, die neue Deutschtümelei ist furchterregend.....am Deutschen Wesen usw. !!! Das macht sich auch in der Euro-Krise extrem bemerkbar. Dass Deutschland so vorprescht und den Euro retten will, ist doch auch so ein Deutschtümelei-Ding. Wir bzw. die Deutsche Regierung oder der Deutsche Staat können den Euro nicht retten, den Euro müssen die Griechen, die Italiener, Spanier, Portugiesen und Iren retten.
Diese Verzerrung der Realitäten ist auf diesen Deutschwahn zurückzuführen.
Europa kann nur als Bundesstaat in der Zukunft eine Rolle spielen.
Die aufkommenden nationalistischen Strömungen und die seit der Ostöffnung stetig zunehmende deutsch-tümmelei mach mir Angst. Auch das seitdem gestärkte deutsche Weltverbesserungs- und Oberlehertum. Ich fühl mich als Bayer und als Europäer, am wenigsten aber als deutscher! Deutschland wirtschaftliche Stärke steht einseitig auf der Luxusautomobilindustrie. Die wird in die Krise kommen und Deutschalnd ist dann sofort der kranke Mann Europas! Die deutsche Überheblichkeit anderen Völkern gegenüber ist also äußerst unangebracht.
Es braucht eine zentrale europäische Außen-, Verteidgungs- und Sicherheitspolitik sowie eine Koordinierung der Wirtschaft-, Sozial und Finanzpolitik.
Die europäische Regierung muß demokratisch legitimiert sein und über eigene, unabhängige, Steuereinnahmen verfügen. Der europäische Bundesstaat darf nicht nach dem Vorbild der BRD eine Transferunion werden. Er hat sich die USA als Vorbild zu nehmen wo kein Bundesstaat für den anderen einsteht!
Die heutige BRD Verfassung ist über 60 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß. Sie muß geändert werden. Es braucht dazu überzeugte Politiker und Parteien, die die Idee Europas den Menschen nahebringen, die die Menschen führen und überzeugen.
Aus dem Osten stammende Politiker machen dies aufgrund ihrer historisch anderen Lebenserfahrung leider nicht!