Verbraucherschützer-Studie Viele Haushaltsgeräte verbrauchen mehr Strom als angegeben

Zu diesem Schluss kommen Verbraucherschützer. Für Käufer von Fernsehern, Geschirrspülern oder Radios können so hohe Mehrkosten zusammenkommen.

Beim Kauf eines Kühlschranks oder Geschirrspülers achten viele Kunden besonders auf den Stromverbrauch. Sie vertrauen dabei auf die Angaben der Hersteller - doch die nehmen es damit oft nicht so genau, wie eine Untersuchung europäischer Verbraucherverbände nun zeigt. Viele Haushaltsgeräte verbrauchen demnach deutlich mehr Energie, als von den Unternehmen auf der Verpackung angegeben.

Geprüft wurden 20 Gerätegruppen wie Kühlschränke, Lampen oder Fernseher. 18 von 100 getesteten Produkten halten demnach nicht die EU-Effizienzvorgaben ein, einige von ihnen benötigten sogar bis zu 30 Prozent mehr Strom. Das trifft nicht nur auf große Geräte wie Kühlschränke zu: Selbst Wasserkocher und Digitalradios können so zum Geldfresser werden.

Erhebliche Mängel wurden demnach vor allem bei vernetzten Geräten mit Wlan-Funktion und beim Standby-Verbrauch festgestellt. Eines von drei Produkten hatte die Wlan-Funktion standardmäßig aktiviert. Bei einem vernetzten Wasserkocher konnte beispielsweise diese Funktion trotz Herstellerangaben nicht ausgeschaltet werden. Ein getesteter Kühlschrank verbrauchte bis zu zwölf Prozent mehr Energie als angegeben.

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Die falschen Angaben führen zu teils hohen Kosten

Durch ungenaue Kennzeichnungen gingen den Käufern nach Angaben der Verbraucherschützer europaweit jedes Jahr mehr als zehn Milliarden Euro an möglichen Einsparungen verloren. Der Studie zufolge kann ein Fernseher über seine Lebensdauer so etwa 20 Euro mehr Stromkosten verursachen als eigentlich erwartet. Der höhere Stromverbrauch eines Geschirrspülers könne über die gesamte Lebenszeit gerechnet sogar mit fast 190 Euro zu Buche schlagen.

Durch die schrittweise Umsetzung neuer, seit 2015 greifender Ökodesign-Standards und der EU-Energieverbrauchs-Kennzeichnung könnte jeder Haushalt ab 2020 jährlich durchschnittlich 465 Euro Stromkosten sparen, sagte BUND-Energieexperte Robert Pöschmann. "Voraussetzung wäre, dass Haushaltsprodukte mindestens die Effizienz erreichen, mit der die Hersteller werben."

Erst im Dezember war bekannt geworden, dass der tatsächliche Stromverbrauch und die Leistung von Lampen häufig von den Angaben auf der Verpackung abweichen. Die EU-Kommission führte dies darauf zurück, dass Hersteller teils erlaubte Fehlertoleranzen ausschöpfen, und kündigte eine Überarbeitung der entsprechenden Richtlinie an.

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