USA Die Rockefellers - aus Öl-Multis werden grüne Kapitalisten

SZ-Grafik; Quelle: Baker Hughes

  • Die Familie Rockefeller verkauft aus ökologischen Gründen ihre Anteile am Rohstoff-Riesen Exxon-Mobil und zieht sich aus dem Ölgeschäft zurück.
  • Weltweit beschließen immer mehr große Investmentgesellschaften, klimaschädliche und andere ethisch fragwürdige Geschäfte aufzugeben.
  • Die Rockefellers machten mit Öl Milliarden und galten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts als die Galionsfiguren eines skrupellosen, die Umwelt ignorierenden Raubtierkapitalismus.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Die Summe, um die es geht, ist wohl vergleichsweise gering, von ihrer Symbolkraft her aber könnte die Entscheidung kaum bedeutsamer sein: Die Familie Rockefeller, zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts die Galionsfiguren eines skrupellosen, die Umwelt ignorierenden Raubtierkapitalismus, verkauft aus ökologischen Gründen ihre Anteile am Rohstoff-Riesen Exxon-Mobil und zieht sich aus dem Ölgeschäft zurück. Das ist so, als würden die Eigentümer von Aldi dem Tierschutz zuliebe aus dem Geschäft mit Wurst, Eiern und Käse aussteigen.

Die Entscheidung des Rockefeller-Familienfonds (RFF) verstärkt einen Trend, der sich seit einiger Zeit abzeichnet: Weltweit beschließen immer mehr große Investmentgesellschaften, klimaschädliche und andere ethisch fragwürdige Geschäfte aufzugeben. Dabei ist es wohl nicht nur das schlechte Gewissen, das die Fondsmanager plagt. Hauptgrund dürfte der Druck der Geldgeber und der Öffentlichkeit sowie die Angst um das ohnehin angekratzte Image der Finanzbranche sein.

Damit erreicht der Klimawandel die Finanzmärkte

Ebenso schwer wiegt, dass die Beteiligung insbesondere an Kohle-, aber auch an Öl- und Atomkonzernen immer mehr wirtschaftliche Risiken für die Investoren birgt. Das zeigt der politisch verordnete Atomausstieg in Deutschland ebenso wie der Beschluss des Pariser Klimagipfels vom Dezember, wonach die Staaten der Welt schrittweise aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen wollen. Das New Yorker Beratungsunternehmen Mercer schätzt, dass die Börsenbewertungen der Ölbranche bis zum Jahr 2050 um zwei Drittel schrumpfen könnten, die der Kohleindustrie gar um drei Viertel. Damit erreicht der Klimawandel die Finanzmärkte.

Auch der deutsche Versicherungsriese Allianz wird nach eigenem Bekunden nicht länger in Bergbau- und Energiefirmen investieren, die mehr als 30 Prozent des Umsatzes oder der Stromerzeugung aus Kohle generieren. Eine Gruppe renommierter Anlagefirmen, darunter die niederländische Investmentgesellschaft Robeco und der schwedische Pensionsfonds AP4, hat angekündigt, bis zu 100 Milliarden Dollar aus CO₂-intensiven Branchen abziehen.

Mehr als 100 Großinvestoren mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mehr als 13 Billionen Euro haben sich zudem zur Gruppe der Institutionellen Anleger für den Klimaschutz (IIGCC) zusammengeschlossen. Zu ihnen gehören Versicherungskonzerne wie Aegon und Axa, Anlagegesellschaften wie Aberdeen Investment und die Deutsche Asset & Wealth Management, aber auch hochspekulative Hedgefonds wie der US-Finanzriese Blackrock, die in Deutschland einst als "Heuschrecken" verschrien waren.