US-Notenbankchefin Janet Yellen Eine Frau als Falke

Janet Yellen regiert seit Samstag die Fed und ist damit eine der mächtigsten Frauen der Welt.

Die Ökonomin Janet Yellen löst Ben Bernanke als Chefin der amerikanischen Notenbank Fed ab. Bernankes Politik ist an ihre Grenze gestoßen - nun muss sich Yellen entgegen ihrer Überzeugung als "Falke" bewähren.

Von Nikolaus Piper

Konservative können am besten einen Krieg beenden, Linke sind dagegen gut darin, einen ausufernden Sozialstaat einzudämmen. Die alte Regel hat sich in der Geschichte nicht immer, doch erstaunlich oft bestätigt; Frankreichs Charles de Gaulle ist ein Beispiel, die schwedischen Sozialdemokraten sind ein anderes. Jetzt dürfte eine neue Variante der Regel getestet werden: Tauben sind die besten Falken.

Die Rede ist von Janet Yellen. Die 67-jährige Ökonomin regiert seit Samstag als Nachfolgerin von Ben Bernanke die amerikanische Notenbank Federal Reserve und ist in dieser Funktion eine der mächtigsten, wenn nicht gar die mächtigste Frau der Welt. Yellen gilt als radikale Taube; in der Sprache der Notenbanker bedeutet das: Sie fürchtet Arbeitslosigkeit mehr als Inflation und ist daher bereit, viel Geld unter die Leute zu bringen, um den Aufschwung zu stützen.

Ein Falke dagegen ist jemand, der in erster Linie die Inflation in Schach halten will, auch weil er glaubt, dass man die Arbeitslosigkeit mit billigem Geld gar nicht bekämpfen kann. In diesem Sinne ist Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ein Falke und ein Gegenspieler Yellens.

Die Ideologie der Fed ändert sich nicht

Die Sache mit den Tauben und den Falken ist dabei alles andere als ein Glasperlenspiel. Der Wachwechsel von Bernanke zu Yellen markiert einen historischen Einschnitt. Nicht, dass sich die Ideologie der Fed ändern würde - Yellen und ihr Vorgänger denken ähnlich. Die Zäsur liegt darin, dass Bernankes Politik an ihre Grenze gekommen ist.

Auf den Ausbruch der Finanzkrise 2007 hatte die Fed mit beispielloser Aggressivität reagiert: Sie senkte die Zinsen viel schneller als die Europäische Zentralbank, sie druckte unglaubliche Mengen an Dollars - und hatte Erfolg. Es ist das historische Verdienst von Bernanke, dadurch eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise verhindert zu haben.

Danach versuchte die Fed einen stärkeren Aufschwung zu erzwingen, indem sie Staats- und Hypothekenanleihen in zuvor unvorstellbarer Menge kaufte. Die Bilanz der Fed blähte sich von 869 Milliarden auf mehr als vier Billionen Dollar auf. Zudem versprach Bernanke, die Zinsen frühestens dann wieder zu erhöhen, wenn die Arbeitslosigkeit in den USA unter die Marke von 6,5 Prozent gesunken ist. All das - das viele gedruckte Geld und die explizite Bindung der Geldpolitik an ein Arbeitsmarktziel - gab es noch nie zuvor in der Geschichte der Notenbanken, jedenfalls nicht zu Friedenszeiten.