Trump-Wutanfall "Wir sind keine Demokratie"

Nach Romneys Niederlage schießt Immobilienmogul Trump einen zornigen Tweet nach dem anderen ab. Vor einem Jahr wollte der Milliardär noch selbst Präsident werden, nun bläst er zum Marsch auf Washington und ist sich sicher: Die Welt lacht Amerika aus.

Von Pia Ratzesberger

Bescheidenheit gehört nicht zu den Stärken des Donald Trump alias @realDonaldTrump. Der Unternehmer und Milliardär weiß von sich selbst, dass er ein besserer US-Präsident geworden wäre als jeder andere. Im Februar vergangenen Jahres hat er deshalb sogar mit dem Gedanken gespielt, selbst anzutreten. Unter Umständen sei er bereit zu kandidieren, weil er "ganz ehrlich" sonst keinen Bewerber sehe, "von dem ich sagen würde, dass er phantastisch ist".

Diese Umstände traten nicht ein und so entschied sich Trump dafür, doch Mitt Romney gut zu finden, um - was für den ultrakonservativen Unternehmer noch viel wichtiger ist - eine zweite Amtszeit von Barack Obama zu verhindern. Das hat nun ja nicht geklappt, und das muss Trump tief getroffen haben. Auf Twitter zeugt davon ein Wutanfall, den Trump unmittelbar nach Obamas Sieg mit seinen knapp zwei Millionen Followern teilte.

"Wir dürfen das nicht geschehen lassen. Wir sollten nach Washington marschieren und diese Farce stoppen!", twittert @realDonaldTrump. Und gleich hinterher: "Lasst uns höllisch kämpfen und diese große, widerliche Ungerechtigkeit stoppen! Die Welt lacht uns aus" Und gleich hinterher: "Diese Wahl ist eine totale Schande und eine Farce. Wir sind keine Demokratie."

Keine Demokratie? Das hat der bekennende Patriot auch schon mal anders gesehen. Doch was interessiert einen Trump schon sein Getweete von gestern, gerade im Angesicht der Niederlage, gegen die er sich so lange und vehement gestemmt hat.

Trump befeuert seit Jahren das Gerücht, Obama sei nicht in den USA geboren, mithin auf gar keinen Fall berechtigt, im Weißen Haus zu sitzen. Schon gar nicht als Präsident. Trump trieb das so weit, dass Obama am Ende sogar seine Geburtsurkunde veröffentlichte.

Das reichte @realDonaldTrump aber nicht. Um die Debatte kurz vor der Wahl noch einmal aus der Versenkung zu holen, bot er dem Präsidenten - ebenfalls via Twitter - einen Deal an: Wenn Obama all seine Dokumente wie Pässe und Hochschulzeugnisse veröffentliche, würde er im Gegenzug fünf Millionen Dollar spenden - natürlich nicht dem Präsidenten, sondern für einen wohltätigen Zweck.

Auch am Wahltag verbreitete Trump seine Verschwörungstheorien munter weiter. "Obama denkt, er kann die Tatsache weglächeln, dass er sich weigert, den Amerikanern seine Dokumente offenzulegen. Das kann er aber nicht", schreibt @realDonaldTrump. Als Antwort bekommt er: "Du bist Amerikas größter Witz, Donnie."

Kurz zuvor hatte Trump seine Zweifel an der Welt schon ausgeweitet. Diesmal betroffen: Der Klimawandel. "Das Konzept der Klimaerwärmung wurde von und für die Chinesen entworfen, um die US-Wirtschaft wettbewerbsunfähig zu machen", schreibt @realDonaldTrump. @‏jesseberney antwortet: "Ich würde gern die Geburtsurkunde des Klimawandels sehen."

(In der ursprünglichen Version dieses Textes haben wir aus Trumps Zitat "This election is a total sham and travesty" das englische Wort "travesty" wörtlich mit "Travestie" übersetzt, was in dem Kontext auch durchaus vertretbar war. User haben uns aber darauf aufmerksam gemacht, dass in diesem Zusammenhang auch die Übersetzung "Farce" möglich ist. Wir haben uns schließlich dazu entschieden, dass - um Missverständnisse zu vermeiden - in diesem Fall "Farce" treffender ist und es entsprechend geändert - vielen Dank an die User!)