Trennung vom Weltbild-Verlag Hugendubel rettet sich aus dem Insolvenzstrudel

Hugendubel führt künftig unter dem Dach der Finanzholding die eigenen 77 Filialen in 48 Städten weiter.

Durch die Aufspaltung des Filialnetzes von Hugendubel und dem Weltbild-Verlag sollen 2000 Stellen gerettet werden. Die übrigen 1000 Mitarbeiter müssen weiter bangen.

Von Stefan Mayr, Augsburg, und Katja Riedel, München

Die bisher verbundenen Buchhandelsketten Hugendubel und Weltbild gehen im Filialgeschäft künftig getrennte Wege: Die Insolvenzverwaltung der Augsburger Verlagsgruppe Weltbild sowie die Familie Hugendubel gaben am Freitag bekannt, dass Weltbild seine mehr als 200 Läden aus der gemeinsamen Finanzholding DBH Buch Handels GmbH herauslöst. Hugendubel führt künftig unter dem Dach der DBH die eigenen 77 Filialen in 48 Städten weiter, hinzu kommen die bisher von Weltbild geführten Buchhandlungen in den Karstadt-Warenhäusern. Somit sind 2000 von gut 3000 Arbeitsplätzen innerhalb der DBH gerettet.

Unsicher ist jedoch die Zukunft von 1400 Mitarbeitern in den Weltbild Plus-Filialen: Die Geschäftsführung der Filialtochter beantragte beim Augsburger Amtsgericht ein sogenanntes Schutzschirm-Insolvenzverfahren. Dieser Weg wird gewählt, um Unternehmen eigenverantwortlich sanieren zu können. Der Betriebsrat von Weltbild begrüßt zwar die Trennung, geht aber auch von einem Stellenabbau aus. Allerdings dürfe die Plan-Insolvenz nicht zu einem Kahlschlag führen. Nach SZ-Informationen sind schon seit längerem Filialschließungen in großem Umfang geplant. Der Buchverkauf in den Weltbild-Filialen gehe zunächst weiter, hieß es aus der Geschäftsführung.

Zuletzt hatte Hugendubel erwogen, einige der Weltbild-Filialen zu übernehmen. Aus Unternehmenskreisen war jedoch zu erfahren, dass den Geschwistern Nina und Maximilian Hugendubel die notwendigen Investitionen in diese sanierungsbedürftigen Filialen sowie das unternehmerische Risiko zu hoch gewesen sein sollen. Wie viel Hugendubel für die Übernahme der DBH bezahlen muss, wollte das Unternehmen nicht sagen.

Nach SZ-Informationen bekommt Hugendubel Geld aus mehreren Quellen: von Banken, einem unbekannten Investor sowie dem Erzbistum München und Freising. Dieses hatte als Mitgesellschafter von Weltbild den Hugendubels zunächst ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Euro gewährt. Die Auszahlung einer zweiten Tranche in gleicher Höhe steht aus. Auch die Banken, denen Weltbild insgesamt gut 170 Millionen Euro schuldet, sollen weitere zehn Millionen Euro geben. Der Investor zahlt etwas mehr als zehn Millionen. Der Finanzierungsvertrag ist noch nicht unterzeichnet.

Für Weltbild-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bietet die Entflechtung des komplizierten Firmenkonstrukts die Chance, Weltbild als Gesamtpaket zu verkaufen: mit Online- und Kataloghandel, Filialen und dem E-Book-Lesegerät Tolino. "Die Trennung war hochgradig wichtig für den Investoren-Prozess, wir begrüßen sehr, dass jetzt Rechtssicherheit herrscht", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Beim Tolino, dem Konkurrenz-Produkt zu Amazons "Kindle", arbeiten Hugendubel, Weltbild, Thalia, Bertelsmann und die Telekom weiter zusammen. Weltbild und Hugendubel halten zudem weiter gemeinsam Anteile am E-Book-Großhandel Pubbles. Zudem wolle man bei Einkauf, Logistik und Technik zusammenarbeiten.