Stephen Schwarzman Eine Schule für 25 Millionen Dollar

Stephen Schwarzman beim Weltwirtschaftsforum in Davos

(Foto: REUTERS)

Wie viel Einfluss darf Geld erkaufen? Ein Wall-Street-Milliardär spendet 25 Millionen Dollar an seine frühere Highschool - und erwartet dafür eine Reihe von Gegenleistungen.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Es klang nach einem Angebot, das nur Gewinner kennt: den Schenkenden und die Beschenkten, Lehrer und Eltern, Schülerinnen und Schüler. Am 14. Februar, seinem 71. Geburtstag, kündigte Stephen A. Schwarzman an, dass er seiner früheren Highschool in Abington im US-Bundesstaat Pennsylvania 25 Millionen Dollar spenden werde. Mit dem Geld, so der Chef der weltgrößten Beteiligungsfirma, Blackstone, könnten das Schulgebäude renoviert, ein Anbau errichtet, ein Laptop für jeden Schüler gekauft und Programmierkurse für alle Klassen angeboten werden.

Fortan herrschte eitel Sonnenschein in dem schmucken Städtchen vor den Toren Philadelphias - bis bekannt wurde, was Schwarzman als Gegenleistung forderte: Die Schule sollte künftig seinen Namen tragen, der Anbau nach seinen Brüdern benannt werden. Zudem wollte er die Verträge mit der Renovierungsfirma einsehen, das neue Schullogo mitbestimmen und die Garantie, dass Technologie stärker im Stundenplan berücksichtigt wird.

Schon das Football-Stadion trägt Schwarzmans Namen

Dass Superreiche große Summen spenden, gehört im Niedrigsteuerland USA mit seinen notorisch leeren öffentlichen Kassen zum guten Ton. Schon John Rockefeller und Andrew Carnegie, die Turbo-Kapitalisten des späten 19. Jahrhunderts, entlasteten auf diese Art ihr Gewissen. Auch Schwarzman, der über ein Vermögen von mehr als zwölf Milliarden Dollar verfügen soll, hat im Laufe der Jahre Hunderte Millionen Dollar für wohltätige Zwecke bereitgestellt. Ebenso üblich ist, dass Gebäude, Stiftungen und Fonds nach den Spendern benannt werden. In Abington etwa trägt bereits das schuleigene Football-Stadion Schwarzmans Namen.

Neu dagegen ist, dass solche Umbenennungen immer öfter zu Streit führen. Auf dem Vorplatz des New Yorker Metropolitan Museums etwa überklebte der Kunstkritiker Jerry Saltz wiederholt den Namen des Milliardärs und republikanischen Großspenders David Koch und brachte stattdessen eine Banderole mit der Aufschrift "Klimawandelleugner-Platz" an.

Schwarzman verglich einst Obamas Pläne mit Hitlers Angriff auf Polen

In Abington, sonst kein Ort des zivilen Ungehorsams, waren es vor allem die Geheimniskrämerei der Behörden und die Frage, wie viel Einfluss man sich mit Geld erkaufen darf, die die Menschen in Wallung brachten. Bei einer Anhörung sprachen sich viele Bürger gegen eine "feindliche Übernahme" ihrer Highschool "durch die Wall Street" aus, fast 1500 Menschen unterzeichneten eine entsprechende Online-Petition.

Nicht hilfreich waren wohl auch Schwarzmans öffentliches Bekenntnis zu Präsident Donald Trump - in Abington hatten 2016 zwei Drittel der Wähler für Hillary Clinton gestimmt - sowie die ein oder andere verbale Entgleisung des Managers, dessen Finanzkonzern auch in deutsche Unternehmen wie Telekom und Leica investierte. 2010 etwa verglich er die Pläne des damaligen Präsidenten Barack Obama, die massiven Steuerprivilegien für Fondsmanager zu streichen, mit Hitlers Angriff auf Polen.

Die Behörden in Abington haben derweil Fehler eingeräumt und mit Schwarzman vereinbart, dass nur der neue Anbau nach ihm benannt wird. Sollte auch dieser Deal im Proteststurm untergehen, könnte die Schule am Ende ohne die Millionen ihres berühmtesten Absolventen dastehen. Die Entscheidung soll nächste Woche fallen.

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