Spritmonitor Was Benzin tatsächlich kostet und wer daran verdient

In dieser Klage sind sich Deutschlands Autofahrer einig: Benzin und Diesel sind viel zu teuer - erst recht in Ferienzeiten. Doch wie setzt sich der Benzinpreis zusammen? Und wer verdient wieviel pro Liter Sprit? Ein Überblick in Euro und Cent.

Von Dieter Sürig

An den Zapfsäulen entlädt sich der Zorn der Autofahrer, die Preisfindung beginnt jedoch nicht dort, sondern bereits am Bohrloch. Manche Rohölvorkommen sind nur mit hohem technischen Aufwand zu fördern, was Auswirkungen auf den Preis hat. Umgekehrt lohnt sich die Erschließung neuer Quellen erst ab einem bestimmten Rohölpreis. Wie setzt sich nun der Benzinpreis zusammen? Hinter dem durchschnittlichen März-Preis von 152,41 Cent pro Liter Superbenzin steht folgende Rechnung:

1. Produktpreis: 51,90 Cent pro Liter Super-Benzin

Ein großer Teil der Preisfindung für den Erdölhandel wird über die Börse abgewickelt. Dort verpflichten sich Händler, zu einem bestimmten Termin in der Zukunft eine festgelegte Menge Rohöl abzunehmen. Sie können sich damit auch gegen Preisschwankungen absichern. Wichtig sind vor allem die New York Mercantile Exchange (NYMEX) und die International Exchange (ICE) in London, wo der Preis für ein Barrel Rohöl (159 Liter) festgelegt wird. Wichtigste Sorten für deutsche Abnehmer sind das Nordseeöl Brent und West Texas Intermediate (WTI). Berücksichtigt im Rohölpreis werden auch die Kosten für die Erschließung und Förderung der Quelle.

Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) haben die Ölstaaten zwischen 2009 und 2011 etwa 37,5 Cent je Liter für Steuern und Abgaben der großen Fördergesellschaften eingestrichen. Zu diesen Ölgesellschaften gehören auch die Mineralölkonzerne, die als Lizenzförderer trotz der Abgaben aber auch einen Gewinn gemacht haben. Nach einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) verblieben den privaten Mineralölkonzernen in den Jahren 2009 bis 2011 durchschnittlich 0,8 bis 1,6 Cent je Liter.

Der endgültige Produktpreis wird tagesaktuell in Ölhäfen wie Rotterdam festgesetzt, er orientiert sich an den Futures-Börsen, an der aktuellen Nachfrage, politischen Entwicklungen, aber auch dem Euro/Dollar-Wechselkurs. Die Händler, zu denen wiederum auch Mineralölkonzerne gehören, machen dort nach Branchenangaben eine Marge gegenüber dem Einkaufspreis von etwa 0,1 Prozent.

2. Deckungsbeitrag: 10,73 Cent

Der Mineralölkonzern muss das in Rotterdam gekaufte Rohöl in eine Raffinerie transportieren und dort reinigen und veredeln. Für Transport, Lagerhaltung, Verwaltung, Vertrieb und Beimischung, aber auch für Forschung und Pächter fallen Kosten an, die im Deckungsbeitrag enthalten sind.

Dazu kommt ein so genannter Erdölbevorratungsbetrag von pauschal 3,56 Euro je Tonne. Dieser Betrag war während der Ölkrise in den siebziger Jahren eingeführt worden, um Benzin und Heizöl für 90 Tage einlagern zu können. Nach Angaben des MWV machen die Mineralölgesellschaften mit dem Verkauf des Benzins dann einen Gewinn von ein bis zwei Cent je Liter, der auch zum Deckungsbeitrag gehört. Ebenfalls berücksichtigt ist der Gewinn der Raffinerien, die oft komplett oder zum Teil in Besitz der Mineralölkonzerne sind. Im 20-Jahres-Durchschnitt beträgt dieser Gewinn dem MWV zufolge 0,5 Cent je Liter Benzin, im Erhebungszeitraum 2009 bis 2011 konnten die Raffinerien im zyklischen Rohöl-Verarbeitungsgeschäft allerdings "keinen Gewinn erwirtschaften".

Das Mineralölunternehmen macht also inklusive der Bereiche Förderung und Raffinerie etwa 2,3 bis 4,1 Cent Gewinn pro Liter, wenn man die Statistik für 2009 bis 2011 zu Grunde legt. Zum Vergleich: Die Provision des Tankstellenpächters kann sich nach Branchenangaben auf etwa 0,5 bis rund 2 Cent je Liter Benzin belaufen. Die Tankstellenkette Aral, die zum BP-Konzern gehört, zeigt aber auch, dass das Geschäft sehr volatil sein kann. Aral hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren nach Steuern einen Cent Gewinn pro verkauftem Liter gemacht.

3. Mineralölsteuer: 65,45 Cent

Das Gros des Benzinpreises macht die Mineralölsteuer aus. Diese beträgt seit 2003 exakt 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel.

4. Mehrwertsteuer: 24,33 Cent

Ein weiterer dicker Brocken ist die Mehrwertsteuer, die seit 2007 mit 19 Prozent zu Buche schlägt.

5. Verbraucherpreis: 152,41 Cent

Addiert man die Beträge, dann kommt man auf einen Verbraucherpreis für einen Liter Super im März 2014 von 152,41 Cent. Davon entfallen 89,78 Cent auf die Steuer in Deutschland, was knapp 59 Prozent ausmacht. Der Preis an der Zapfsäule hängt letztlich auch von Wettbewerb und Tagespreisen ab. Die Ölgesellschaft beobachtet dazu den Markt und bekommt Meldungen der Pächter. Wie diese Preisfindung funktioniert, lesen Sie in einer weiteren Analyse.

Bei allem Frust über den Benzinpreis: Vor Steuern sind die Kraftstoffpreise in Deutschland mit am günstigsten im EU-Vergleich. In 25 der 28 EU-Staaten ist der Preis für Benzin und Diesel teurer als hierzulande, meldet der MWV. Nach Steuern rangiert Deutschland bei den Benzinpreisen allerdings auf Platz 18, bei Diesel auf Platz 15.