Sport und Kommerz Noch mehr Hype, noch mehr Fußball

Faszination weltweit: Der Münchner Arjen Robben, hier beim Liga-Auftakt gegen Wolfsburg, gehört zu den globalen Spitzenkräften des Sports.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Diskussion um zu viel Geld in der Bundesliga ist so alt wie die Liga selbst. Der Kommerz schadet dem Fußball? Ach was. Durch das große Geld ist die Bundesliga noch besser, noch attraktiver für die Fans geworden. Aber es gibt auch Grenzen. Eine davon hat der deutsche Fußball mit einer Lizenzvergabe überschritten.

Von Uwe Ritzer

Dienstagabend in München: Vor der rot illuminierten Allianz-Arena ist eine opulente Bühne aufgebaut. Davor sitzen Hunderte Gäste. Ein Feuerwerk wird gezündet, und ein zappeliger Illusionist kündigt "Das Wunder von München" an. Ein paar Fanfarenklänge und künstliche Nebelwolken später kommt zum Vorschein: ein neuer Omnibus. Es ist das Luxusgefährt, in dem die Elitekicker des FC Bayern in der neuen Saison durch die Lande kutschiert werden. Viel Tamtam um ein profanes Fortbewegungsmittel.

Es ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie sehr der Kommerz den Profifußball im Griff hat. Die Sponsoren nutzen jede Gelegenheit, um vom Fußball-Boom zu profitieren, ihre Geschäfte anzuheizen und ihr Image zu pflegen. Sie nutzen ihn für Firmenevents, schalten Werbespots, lassen T-Shirts bedrucken, organisieren Gewinnspiele, füttern in den sozialen Netzwerken die potenzielle Kundschaft an. Sie hoffen, dass ihr Firmenlogo im Fernsehen gut und oft sichtbar ist. Für all dies geben sie immer mehr Geld aus.

Dabei sind Sponsoren eigentlich nur die Trittbrettfahrer im Profifußball, Mitläufer im großen Spiel. Ihr PR-Getue mag manche Puristen vergrätzen, doch ganz ehrlich: Die Diskussion um zu viel Geld im Fußball ist hierzulande so alt wie die Bundesliga selbst: 51 Jahre. Und sie ist verlogen. Die schärfsten Kritiker des Kommerzes sind die ersten, die ihre Spieler beschimpfen und deren Bus blockieren, wenn das Team gegen finanziell und damit auch sportlich stärkere Mannschaften reihenweise verliert. Erfolg im Profisport hat aber nun einmal viel mit Geld zu tun.

Zu Beginn der neuen Saison läuft diese Geldmaschine auf Hochtouren wie nie zuvor. Wer sich über zu hohe Spielergehälter erregt, sollte sich in der Relation einmal die gewaltigen Summen vor Augen führen, die bei Fernsehrechten, Sponsoring, Merchandising und Tickethandel bewegt werden. Es ist kein Wunder, dass sich die Salärs für die eigentlichen Hauptprotagonisten in astronomischen Höhen bewegen. Man mag das moralisch für verwerflich halten, aber der Markt gibt es her: Die Müllers, Messis oder Robbens sind jene globalen Spitzenkräfte, welche die Fußballfreunde faszinieren. Ihretwegen strömen die Fans in die Stadien und versammeln sich vor den Fernsehern, ihre Trikots werden hunderttausendfach gekauft.

Die Kommerzialisierung - mag sie auch manchmal abseitige Blüten treiben - hat dem Fußball gutgetan. Sie befeuert die Begeisterung und hat das Spiel der 22 mit einem Ball noch tiefer in der Gesellschaft verwurzelt, als es ohnehin schon war. Sie hat der weltweit gefragtesten Sportart neue Zielgruppen erschlossen, junge Frauen etwa. Allen Negativ-Prophezeiungen zum Trotz hat die Kommerzialisierung den Fußball bis jetzt nicht entkernt, sie hat ihn nicht seiner Seele beraubt, sondern mitgeholfen, ihn weiterzuentwickeln.

Wenn auch zulasten anderer Sportarten, denen er bei der Publikumsgunst (und damit bei der Akquise von Geldgebern) weit enteilt ist. Die Leichtathletik-EM diese Woche verfolgten im deutschen Fernsehen nur etwa halb so viele Menschen wie das in seinem sportlichen Wert unwesentliche und künstlich aufgeblasene Supercup-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Allein während des Endspieles der Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro wurden weltweit 700 Millionen Tweets abgesetzt, hundertmal mehr als beim Tennisfinale in Wimbledon.