Sneakers Reich werden mit Schuhen

Glücksgriff für Adidas: US-Rapper Kanye West.

(Foto: AP)
  • Wer Turnschuhe von Kanye West handelt, kann Gewinnmargen von mehr als 400 Prozent erreichen.
  • In der Liste der zehn wertvollsten Sneaker taucht der Rapper mit sechs Modellen auf.
  • Dass West für Adidas Schuhe designt und nicht für Nike, dürfte am Geld gelegen haben.
Von Jan Schmidbauer

Nun, da die Finanzmärkte wahlweise "beben", "zittern" oder "unter Schock stehen", suchen viele Anleger wieder nach guten Investments. Mit Oldtimern, Kunst oder Gold lässt sich zwar viel Geld verdienen. Aber das sind nahezu lachhafte Renditen, verglichen mit Schuhen. Genauer gesagt: Mit den Sneakers des US-Rappers Kanye West.

Der wertvollste von ihnen, ein klobiger, schwarzer Stiefel des deutschen Sportartikelherstellers Adidas, der aussieht wie ein Astronautenschuh, ist mit einem Ladenpreis von 350 US-Dollar kein Schnäppchen. Doch bei Ebay wird er, sofern er nicht getragen wurde und originalverpackt ist, für durchschnittlich 1876 Dollar gehandelt. Das entspricht einer Rendite von mehr als 400 Prozent. Gewinnmargen, mit denen eher Drogenbarone in Verbindung gebracht werden (was einen Rapper nicht beunruhigen sollte, Stichwort: Street Credibility).

Das Online-Portal Campless veröffentlicht regelmäßig eine Liste mit den wertvollsten Sneakers auf dem US-Markt. Unter den ersten zehn in der Rangliste waren im Jahr 2015 sechs Modelle, die Kanye West für Adidas designt hat. Sie gehören zur sogenannten "Yeezy"-Reihe, deren neueste Kollektion der Rapper nun gemeinsam mit seinem Album vorgestellt hat. Eine riesige Inszenierung.

Es ist aber nicht nur der Ruhm von West, der den Wert der Schuhe in die Höhe treibt, sondern auch die Verkaufsstrategie der Sneaker-Hersteller. Meist bieten sie nur extrem limitierte Stückzahlen der Schuhe an, um den Hype um neue Modelle anzufeuern. Nicht umsonst campieren Sneaker-Fans und Investoren gleichermaßen tagelang vor Schuhgeschäften, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt.

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Bei Adidas wird man sich über den Erfolg mit den "Yeezy"-Sneakers freuen. Seit Jahren versucht der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach vergeblich, den Konkurrenten Nike auf dem größten Sportartikelmarkt der Welt anzugreifen. Mehrfach musste Adidas-Chef Herbert Hainer die Anleger mit ernüchternden Zahlen auf dem US-Markt enttäuschen.

Dass Kanye West Adidas auf dem US-Markt hilft, dürfte allerdings nichts mit dessen Liebe zu der deutschen Marke zu tun haben. Eigentlich wollte er lieber bei Nike unterschreiben - wennn da das liebe Geld nicht gewesen wäre. Als er im Jahr 2013 einen neuen Vertrag mit Adidas abschloss, sagte er in einer Radio-Sendung: "Mein altes Ich, ohne Tochter, hätte den Nike-Deal abgeschlossen, weil ich Nikes so sehr liebe. Aber das neue Ich, mit einer Tochter, nimmt den Adidas-Deal, weil ich dort Lizenzgebühren bekomme und ich für meine Familie sorgen muss."

Bei Nike dürfte man die erfolgreiche Partnerschaft argwöhnisch beobachten. Denn die Sneaker-Rangliste von Campless zeigt auch: Nur noch ein Schuh der Nike-Reihe "Air Jordan" ist unter den zehn wertvollsten Sneaker-Modellen. Dabei hatten die Modelle, die Nike einst mit dem Basketballer Michael Jordan entwickelte, den heutigen Kult um Sneakers erst begründet.

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