Schuldenkrise in Europa Banken drücken sich vor Hilfen für Griechenland

Viel ankündigen, wenig halten: Die Banken beteiligen sich deutlich geringer an der Griechenland-Rettung als erwartet. Nach SZ-Informationen müssen sie nicht auf 21 Prozent, sondern lediglich auf acht Prozent ihrer dortigen Investments verzichten. Und im Falle einer griechischen Insolvenz haften die Steuerzahler sogar weitgehend allein.

Von Claus Hulverscheidt

Wenn man all die Redemanuskripte, Zeitungsbeiträge und Pressemitteilungen aufeinanderstapeln würde, in denen Gerhard Schick seit 2008 eine Beteiligung der Banken an den Kosten der Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise gefordert hat, ergäbe sich mittlerweile ein hübscher Berg. Es muss also irgendetwas passiert sein, wenn der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion nun urplötzlich dafür plädiert, ebenjene Gläubigerbeteiligung im Falle Griechenlands zu stoppen.

Tatsächlich hat Schick das Konzept, das die Euro-Staaten und der internationale Bankenverband IIF erarbeitet haben, im Licht der jüngsten Marktentwicklungen noch einmal durchgesehen - und die Ergebnisse lassen den Beitrag der Institute zur Lösung der Krise, der die Branche nach Aussage von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann "hart trifft", in einem neuen Licht erscheinen.

Nach dem IIF-Konzept können die Besitzer griechischer Anleihen alle Papiere mit Tilgung bis 2020 in neue, maximal 30 Jahre laufende und niedriger verzinste Titel umtauschen. Bei der von den meisten Banken bevorzugten Variante erhalten die Institute 4,5 Prozent Zinsen im Jahr. Da Athen am Markt deutlich mehr zahlen müsste, ergibt sich für die Finanzhäuser rechnerisch ein Wertverlust ihres Portfolios von 21 Prozent. Als Gegenleistung wird allerdings die Rückzahlung der Anleihen vom Euro-Stabilisierungsfonds EFSF garantiert, das Ausfallrisiko liegt also künftig bei null.

Schon die Quote von 21 Prozent war aus Sicht von Kritikern viel zu gering - zumal manche Banken aufgrund des Kursverfalls an den Anleihemärkten bereits höhere Abschreibungen vorgenommen hatten. Zudem reiche der Prozentsatz nicht aus, um die Verschuldung Griechenlands auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Nun kommt jedoch eine Entwicklung hinzu, die das Umschuldungsangebot Schick zufolge "endgültig ad absurdum führt": Weil die Kurse europäisch besicherter Anleihen, also jene, die der EFSF etwa zur Finanzierung Griechenlands bereits emittiert, seit Mitte Juli deutlich gestiegen sind, werden die Banken im Tausch für ihre alten Papiere neue erhalten, die viel mehr wert sind, als damals gedacht.

So reduziert sich der Wertverlust der Banken-Portfolios von 21 auf 8,3 Prozent. Geht man davon aus, dass sich, wie gewünscht, 90 Prozent der betroffenen Banken an der Umschuldung beteiligen, entspricht dies nach den Grünen-Berechnungen einem eingesparten Betrag von 21 Milliarden Euro.

Aus der vermeintlichen "harten" Angelegenheit wird für viele Institute so endgültig ein lukratives Geschäft. Schick: "Der europäische Steuerzahler übernimmt das komplette Griechenland-Risiko von den Banken für eine lächerliche Beteiligung der Institute von nur gut acht Prozent." Das ist deshalb so, weil dem reduzierten Risiko für die Banken ein entsprechend höheres auf Seiten des EFSF - und damit der Allgemeinheit - gegenübersteht.

Noch schlimmer: Im Falle einer griechischen Insolvenz haften die Steuerzahler sogar weitgehend allein.

Aus Sicht der Grünen muss die vorgesehene Gläubigerbeteiligung deshalb umgehend gestoppt werden. Stattdessen soll der EFSF ausstehende griechische Anleihen auf den Finanzmärkten zurückkaufen. Da die Papiere dort mit einem Abschlag von bis zu 60 Prozent gehandelt werden, müssten die Eigentümer zumindest zu Beginn viel höhere Wertverluste hinnehmen. Das, so Schick, "wäre eine Form der Gläubigerbeteiligung, die diesen Namen auch verdient".

Wenn dem Staat das Geld ausgeht

mehr...