Schuldenkrise in Europa Investoren pumpen wieder Geld in Krisenländer

Kunden drängen sich um den Geldautomaten einer Bank in der spanischen Hauptstadt Madrid.

(Foto: Bloomberg)

Hunderte Milliarden Euro sind in den vergangenen Jahren aus Griechenland, Spanien und anderen Krisenstaaten abgeflossen. Nun ist die Kapitalflucht aus der Euro-Peripherie gestoppt - die Investoren fassen offensichtlich wieder Vertrauen: Erstmals seit 2009 nahmen die Investitionen wieder zu.

Als größtes Problem für Griechenland, Spanien und andere Krisenländer der Euro-Zone galt lange Zeit die Kapitalflucht aus ihren Staaten: Unternehmen und private Investoren wollten wegen der Unsicherheiten nicht mehr investieren, sie schafften ihr Geld lieber in stabilere Länder wie Deutschland. Seit Jahren floss kontinuierlich mehr Kapital aus der sogenannten Peripherie der Währungsgemeinschaft ab. Dieser Trend ist nun vorläufig gestoppt: Von September bis Dezember des vergangenen Jahres legten die Investitionen in die Krisenländer erstmals seit 2009 wieder zu, wie die Financial Times schreibt.

92,7 Milliarden Euro flossen nach Berechnungen der niederländischen Bank ING in diesem Zeitraum nach Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Irland - ein Plus von 8,8 Prozent im Vergleich zu den Vormonaten. Die Summe entspricht etwa neun Prozent der Wirtschaftsleistung der fünf Länder.

Im Vergleich zu den Summen, die in den vergangenen Jahren aus den Ländern abgezogen wurden, ist das zwar nicht viel. Alleine zwischen Januar und August 2012 flossen mehr als 400 Milliarden Euro aus der Euro-Peripherie - fast 20 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. 2011 waren es immerhin 300 Milliarden Euro (Übersicht in dieser FT-Grafik).

Wichtig ist jedoch vor allem das Signal, das von den Zahlen ausgeht: Die Investoren fassen offenbar wieder Vertrauen in die Krisenstaaten - und damit in die gesamte Euro-Zone. "Es ist noch ein weiter Weg, aber die Kapitalflucht hat sich klar umgekehrt", sagte der ING-Ökonom Martin van Vliet der FT. Der Abfluss in den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres sei schon "beängstigend" gewesen.

Viele Ökonomen führen die positive Entwicklung auf die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank zurück. Deren Präsident Mario Draghi hatte im September angekündigt, den Euro um jeden Preis retten zu wollen, notfalls auch durch den Kauf von Staatsanleihen der Krisenländer.

Draghi selbst zeigte sich vergangene Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zuversichtlich: "Alles deutet darauf hin, dass sich die finanziellen Bedingungen substanziell verbessern werden", sagte der Italiener. Ab Mitte des Jahres rechnet Draghi wieder mit einer Belebung der Konjunktur in der Euro-Zone.

Allerdings stellte der EZB-Chef auch fest: "Wir sind leider in einer Situation, in der wir zwar positive Ansteckungseffekte an den Finanzmärkten haben, aber wir sehen noch nicht, dass das auch auf die Realwirtschaft ausstrahlt."