Schmiergeld-Prozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kommt vor Gericht

So soll Ecclestones Deal mit Gribkowsky funktioniert haben.

Der Fall des BayernLB-Bankers Gribkowsky wird ernst für Bernie Ecclestone. Der mächtige Chef der Formel 1 muss sich der deutschen Justiz stellen. Das Landgericht München I hat jetzt einen Schmiergeld-Prozess gegen ihn angesetzt, der Ende April beginnen soll.

Von Klaus Ott

Seit Jahren hat Bernie Ecclestone, der Chef der Formel 1, so viel Ärger wie wohl noch nie in seinem langen Leben. Schwere Korruptionsvorwürfe, intensive Ermittlungen gegen ihn, und zuletzt eine dicke Anklage. Doch der Brite ist Direktor des Rennzirkus geblieben, Saison um Saison. Und hat das Milliardengeschäft Motorsport weiter forciert.

Jetzt wird es ernst für den inzwischen 83-jährigen Ecclestone. Das Landgericht München I hat die Anklage gegen ihn zugelassen, es kommt also zum Prozess. Wegen Bestechung in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall. So lauten die Vorwürfe. Vor der 5. Strafkammer unter Vorsitz von Peter Noll soll sich der Renn-Boss verantworten für die 44 Millionen Dollar, die er im vergangenen Jahrzehnt heimlich einem deutschen Banker mit damals viel Einfluss in der Formel 1 hat zukommen lassen.

Schmiergeld sei das gewesen, behauptet die Münchner Staatsanwaltschaft. Auf diese Weise habe der Brite seine zeitweise gefährdete Macht in der Rennserie absichern wollen. Das sei falsch, entgegnet Ecclestone seit Beginn der Ermittlungen. Der Banker, der einstige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky, habe ihn mit dunklen Andeutungen um angebliche Steuervergehen erpresst. Gribkowsky wurde vor drei Jahren verhaftet, später wegen Bestechlichkeit und anderer Delikte zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und ist inzwischen Freigänger.

Heftige Vorwürfe

Die Strafe gegen Gribkowsky, ausgesprochen von Richter Noll und seinen Kollegen, ist allerdings kein Präjudiz für Ecclestone. Neuer Prozess, neues Glück, oder eben Pech. Je nachdem, was am Ende herauskommt für einen der mächtigsten Männer im globalen Sport. Der Fußball-Weltverband Fifa und das Internationale Olympische Komitee gelten oder galten als anfällig für Korruption. Doch das einer der ganz Großen aus den milliardenschweren internationalen Sportorganisationen vor Gericht kommt und niemand außer seinen Anwälten ihm helfen kann, kein Politiker, kein Konzernboss, kein Staatsmann, das ist neu.

Bernie Ecclestone hat immer mehr Ärger mit der Justiz

Bis zuletzt hat der britische Formel-1-Chef mit seinen deutschen Verteidigern Sven Thomas und Norbert Scharf versucht, die Anklage abzuwehren und einen Prozess zu verhindern, allerdings vergeblich. Zu heftig sind die Vorwürfe, niedergeschrieben auf mehr als 200 Seiten. 39 Zeugen hat die Staatsanwaltschaft benannt: Vertraute von Ecclestone, gegen die zum Teil ebenfalls ermittelt wird; frühere Protagonisten aus der Formel 1 wie den Ex-Daimler- und Mercedes-Manager Jürgen Hubbert; ehemalige Bank-Vorstände und Bayerns Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser. Eine illustre Liste.

Ecclestone hat über Jahrzehnte hinweg aus der Formel 1 eine Geldmaschine gemacht, mit Milliardenerlösen von Sponsoren, Fernsehsendern und Rennstrecken. Vor Gericht sollen nun jene Jahre beleuchtet werden, in denen der Brite um seine Vorherrschaft kämpfen musste, weil die Konzerne Daimler (Mercedes), BMW, Ferrari, Ford und Renault mehr Mitsprache und vor allem mehr Geld wollten.

"Görhard", sein härtester Gegner

Härtester Gegner von Bernie war "Görhard", wie der Brite den deutschen Banker und BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky nannte. Der BayernLB waren nach der Pleite ihres Kreditkunden Leo Kirch Anteile an der Formel 1 zugefallen. Gribkowsky war plötzlich eine der Hauptfiguren im undurchsichtigen Rennsport-Geschäft, er verlangte Transparenz und machte sich daran, Ecclestones Einfluss zu beschneiden.

Das habe dem Briten als bis dahin unangefochtenem Lenker der Formel 1 missfallen, heißt es in der Anklageschrift. Er habe eine Allianz zwischen Gribkowsky und den Autokonzernen, insbesondere Mercedes und BMW, verhindern wollen. Und er habe die unbequeme BayernLB loswerden und durch einen anderen Anteilseigner ersetzen wollen, um bereits vereinbarte Mitbestimmungs- und Kontrollregeln nicht umsetzen zu müssen.

Aus diesem Grund habe der Renn-Boss dem Banker persönliche Vorteile versprochen und ihm später heimlich 44 Millionen Dollar über Briefkastenfirmen auf Mauritius und in der Karibik zukommen lassen. So habe Ecclestone im Jahr 2005 erreicht, dass Gribkowsky nicht mehr gegen ihn, sondern für ihn agiere. Die BayernLB stieg aus der Formel 1 aus und wurde durch einen dem Briten genehmen Investor ersetzt.

Dafür bekam Ecclestone, weil er diesen Investor vermittelt haben soll, auf Betreiben von Gribkowsky auch noch 41 Millionen Dollar Provision von der BayernLB. Dieses Geld, so die Anklage, habe der Renn-Boss für die Zahlungen an den deutschen Banker genutzt. Auf die 41 Millionen Dollar habe der Brite aber gar keinen Anspruch gehabt. Deshalb der Vorwurf der Anstiftung zur Untreue. Wäre das so gewesen, dann wäre es besonders durchtrieben gewesen. Die BayernLB hätte das Schmiergeld, mit dem Ecclestone seinen ursprünglichen Gegner "Görhard" auf seine Seite gezogen und so die Bank ausgetrickst hätte, auch noch selbst gezahlt.

Typisch Ecclestone? Der ehemalige Autohändler hat es immer wieder geschafft, seine Gegner auszutricksen und sich so viel Einfluss zu sichern, dass die Formel 1 ohne ihn beinahe unvorstellbar ist. Auch für viele Teams und Geschäftspartner der Rennserie. Solange es kein Urteil gegen Ecclestone gebe, bleibe der Brite der Boss, heißt es seit Monaten aus der Formel 1. Und bis ein mögliches Urteil rechtskräftig wäre, kann es lange dauern. Es sei denn, es gäbe einen Deal. Oder einen Freispruch. Ecclestone bleibt jedenfalls erst mal Direktor des Rennzirkus.