Poker um Warenhaus-Kette Berggruen will raus aus Karstadt

Umstrittener Karstadt-Eigentümer: Nicolas Berggruen in einer Karstadt-Filiale in Berlin

(Foto: AFP)

Die Verträge sollen so gut wie fertig sein: Der Tiroler Unternehmer René Benko steht kurz vor der Übernahme von Karstadt. Eigentümer Nicolas Berggruen geht es nur noch um eines.

Von Kirsten Bialdiga, Max Hägler und Ulrich Schäfer

Nicolas Berggruen ist, auch wenn er gern als der kalte Investor dargestellt wird, ein durchaus feinfühliger Mensch. Einer, der die Kunst liebt. Die Malerei. Die Philosophie. Und der darunter leidet, dass sein Image in Deutschland so schlecht ist, seit er als Retter bei Karstadt eingestiegen ist - und es mit dem Unternehmen dennoch nicht vorangeht.

Anfangs, ja, da war er der Held. Er fuhr gemeinsam mit der damaligen Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auf der Rolltreppe. Alle setzten auf ihn: die Politik, die Mitarbeiter, die Medien.

Heute gilt er bei fast allen, die ihnen damals feierten, nur noch als Übeltäter. Als einer, der sich nicht kümmert. Als einer, der hintenherum das Geld herauszieht, das er vorneherum bei Karstadt nicht investiert. Der das Unternehmen nicht gestärkt, sondern geschwächt hat.

Ob der geordnete Ausstieg gelingt?

Berggruen weiß: Es wird nichts mehr mit ihm und Karstadt, und vielleicht auch nicht mehr mit ihm und den Deutschen - und deshalb, davon muss man ausgehen, ist ihm jetzt, da er nach vier Jahren den Verkauf vorbereitet, nur noch eines wichtig: dass der Ausstieg geordnet abläuft; dass er Karstadt übergibt, ohne dass es zu einer Hängepartie kommt.

Ob das gelingt? Schon in den vergangenen Monaten ist mal wieder einiges schiefgelaufen bei Karstadt: Die neue Chefin, die von Ikea kam und die Berggruen so wichtig war, lief nach wenigen Monaten wieder davon, offenbar frustriert. Und auch die Wirtschaftsprüfer zeigten sich nicht sonderlich "amused" und warnten vor Risiken im Geschäft. Dazu die ewigen Gerüchte, Berggruen wolle aussteigen. Dementi folgten. Neue Gerüchte. Und neue Dementi.

Nun aber ist es ernst: Berggruen will raus. Will verkaufen. Die Verträge sind, wenn man die Aussagen aus informierten Kreisen richtig deutet, so gut wie ausgehandelt. Der Investor hat angeblich auf seiner Seite alle Voraussetzungen geschaffen, damit Karstadt schon recht bald den Besitzer wechseln kann. Vielleicht sogar noch im Sommer.

Der potenzielle Käufer - er steht jedenfalls längst bereit. Er muss eigentlich nur Ja sagen - und dann könnte die Sache über die Bühne gehen. Denn René Benko, der 37-jährige Tiroler, der alerte, smarte Immobilien- und Warenhausunternehmer, besitzt schon seit längerem eine sogenannte Call-Option auf das, was er von Karstadt noch nicht besitzt: die klassischen Warenhäuser, die den Kern dieses so traditionsreichen Unternehmens bilden, das 1881 in Wismar von Rudolph Karstadt unter dem Namen "Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft Karstadt" gegründet wurde.

Der Österreicher hat im vergangenen Jahr bereits die Premium- und Sporthäuser von Karstadt zu großen Teilen übernommen, dazu zahlreiche Immobilien, in denen Karstadt mit seinen Warenhäusern der Hauptmieter ist. Nun will Benko auch noch die 83 normalen Karstadt-Filialen kaufen, die Berggruen noch besitzt.

Was also stimmt?

Wann es dazu kommt? Wann der Deal offiziell wird? Noch mag sich dazu niemand äußern, noch wollen sich diejenigen, die im Umfeld des Deals Informationen streuen, nicht festlegen.