Plädoyer für den Euro Ökonomen attackieren "Alternative für Deutschland"

In der Debatte um eine mögliche Auflösung der Euro-Zone wehren sich fünf namhafte deutsche Ökonomen, dass ihre Zunft von der neuen Partei "Alternative für Deutschland" und deren Chef vereinnahmt wird. Sie sind überzeugt: Die Währungsunion kann nicht "in einem geordneten, rationalen Verhandlungsprozess" aufgelöst werden.

Von Marcel Fratzscher, Clemens Fuest, Hans Peter Grüner, Michael Hüther und Jörg Rocholl

Die Europäische Währungsunion ist auch nach drei Jahren intensiven Krisenmanagements weiter in einer schwierigen Situation: Die Anpassungsleistungen in der Eurozone sind eindrucksvoll, doch die notwendigen Reformen sind längst nicht erledigt. Die gesamtwirtschaftliche Lage in den Krisenländern ist insbesondere infolge der hohen Arbeitslosigkeit kritisch, politisch ist die Situation labil. Mit der wirtschaftlichen Schwäche Frankreichs sind weitere Schwierigkeiten angelegt, wenn die Politik nicht zügig und angemessen reagiert. Die Krisenpolitik hat sich vor allem mit den Beschlüssen zu ESM und Fiskalunion sowie den außergewöhnlichen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank begrenzte Zeit für Anpassungen verschafft. Die Bankenunion gleicht noch einer großen Baustelle. Vor dieser Kulisse ist es verständlich und angemessen, dass hierzulande - zumal vor einer Bundestagswahl - heftig über den weiteren Kurs für Europa und die gemeinsame Währung debattiert und gestritten wird.

Angesichts der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Krise fordern Politiker verschiedener Parteien in Deutschland, Italien und anderen Ländern mittlerweile, dass einige südeuropäische Staaten aus der Währungsunion austreten sollten oder die Eurozone zu einem System nationaler Währungen zurückkehren sollte. Diese Position wird auch von einigen Vertretern unseres Faches eingenommen.

Wir halten das für den falschen Weg und plädieren dafür, die Währungsunion in ihrer jetzigen Zusammensetzung zu bewahren und ihre von Beginn an bestehenden institutionellen Mängel sowie die im Laufe der Krise entstandenen Probleme durch entschlossene Reformen zu lösen. Wir sind überzeugt, dass die Integrität der Eurozone der richtige Weg für Europa und für Deutschland ist, Wohlstand und Stabilität zu sichern.

Drei Herausforderungen sind zu bewältigen

Um die Krise im Euroraum zu überwinden, sind drei Herausforderungen zu bewältigen. Erstens brauchen die Peripheriestaaten Wachstumsperspektiven und mehr Wettbewerbsfähigkeit. Zweitens sind dort viele öffentliche und private Haushalte, Unternehmen und Banken überschuldet. Es gilt, diese Verschuldung auf ein tragfähiges Maß zu reduzieren. Drittens müssen die konstitutionellen und regulatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, um Staatsfinanzen und Finanzsystem nachhaltig zu stabilisieren und es allen Mitgliedsländern zu ermöglichen, die Vorteile aus der gemeinsamen Währung zu ziehen.

Ein (befristeter oder definitiver) Austritt einzelner hoch verschuldeter Staaten aus der Eurozone hätte zwar den Vorteil, dass die für mehr Wettbewerbsfähigkeit der Beschäftigten notwendige Preisanpassung schneller erfolgen könnte, als ohne Wechselkursmechanismus. Diesem möglichen Vorteil stehen gravierende Nachteile gegenüber. Zum einen wird es durch die Abwertung zum Default auf in Euro lautenden Anleihen des Staates und privater Akteure kommen. Der erschwerte Zugang zum internationalen Kapitalmarkt kann zu einem wirtschaftlichen Kollaps der Krisenländer führen, wie die Erfahrung vergangener Schuldenrestrukturierungen allzu deutlich macht. Dieses würde eine weitere Verschärfung der Arbeitslosigkeit und der wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Länder auf viele Jahre bedeuten.

Auch Deutschland würde sich einer solchen Krise nicht entziehen können

Zudem könnten mit dem Austritt die notwendigen wirtschaftspolitischen Reformen zum Stillstand kommen. So lehrt die historische Erfahrung, dass massive Abwertungen wegen der damit verbundenen Realeinkommensverluste in der Regel schnell von Seiten der Lohnpolitik mit dem Versuch einer Korrektur beantwortet werden. Die neuen Währungen würden auf geringe Akzeptanz stoßen und müssten vermutlich durch eine Hochzinspolitik in den austretenden Ländern stabilisiert werden, die krisenverschärfend wirken würde. Auch Deutschland würde sich einer solchen Krise nicht entziehen können und einen hohen Preis durch niedrigeres Wachstum sowie hohe direkte und indirekte finanzielle Kosten zahlen. Die Peripheriestaaten sind in erheblichem Umfang im Ausland verschuldet. Dabei geht es zum einen um die Schulden der privaten Haushalte, Unternehmen und Banken wie auch der öffentlichen Haushalte.

Zum anderen sind die Target-Salden zu berücksichtigen, die im EZB-System aufgelaufen sind; Deutschland wäre hier besonders betroffen. Sobald die Austrittspläne an die Öffentlichkeit kämen, würde erneut eine massive Kapitalflucht nach Deutschland einsetzen, und die Target-Salden würden noch einmal deutlich ansteigen. Wenn der Austritt dann kommt, müsste die EZB diese Forderungen größtenteils abschreiben, was auch zu Verlusten der Bundesbank führen würde. Zudem haben deutsche Banken und Unternehmen hohe Forderungen gegenüber Gläubigern in den Krisenländern, was deutliche Verluste und eine Gefährdung der Stabilität der deutschen Wirtschaft bedeuten würde.

"Die Euro-Krise ist unter Kontrolle"

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