Ölpreisverfall Venezuela erhöht Benzinpreise um das 60-Fache

  • In einer Ansprache hat der venezolanische Präsident Nicolás Maduro angekündigt, den Benzinpreis zum ersten Mal seit 20 Jahren zu erhöhen - um das 60-Fache.
  • Grund für die Entscheidung ist die desolate wirtschaftliche Lage des Landes, Venezuela ist extrem abhängig von seinen Öl-Exporten.

"Wir haben das billigste Benzin der Welt." Mit diesen Worten verteidigte der sozialistische Präsident Nicolás Maduro eine Maßnahme, die vielen im Land bitter aufstoßen dürfte: Zum ersten Mal in 20 Jahren hebt Venezuela den Benzinpreis an. Benzin wird künftig knapp 60-mal so viel kosten wie bisher. Die Schritte sind ein verzweifelter Versuch, die stark vom Öl-Export abhängige Wirtschaft des südamerikanischen Landes vor dem Kollaps zu bewahren.

"In den USA kostet ein Liter mindestens 0,78 Dollar, in Venezuela nur 0,01 Dollar-Cent", sagte Maduro zu der Entscheidung. Trotz der Erhöhung bleibt der Sprit im Vergleich zu anderen Ländern günstig: Der Preis für einen Liter Superbenzin steigt von ungefähr 0,1 auf nun sechs venezolanische Bolivar. Zum Vergleich: Ein Bier kostet rund 300 Bolivar, ein Korb Erdbeeren etwa 800.

Wie Maduro ankündigte, sollen die gesteigerten Einnahmen aus dem Benzingeschäft die Sozialprogramme der Regierung finanzieren. Er bat die Bevölkerung, die Erhöhung zu unterstützen. Ob ihm die Menschen darin folgen werden, wird sich noch zeigen, denn Benzinpreiserhöhungen sind in Venezuela äußerst unbeliebt. 1989 kam es in der Hauptstadt Caracas zu Unruhen, nachdem eine Reihe von Sparmaßnahmen vorgeschlagen wurden - darunter auch ein Anheben der Benzinpreise.

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Auch die Währung soll abgewertet werden

Maduro teilte außerdem mit, dass der stärkste der offiziellen Wechselkurse des Landes von 6,30 auf 10 Bolivar pro US-Dollar geändert werde. Dieser Kurs wird für Grundgüter wie Essen und Medizin verwendet. Auch der offizielle Wechselkurs für Touristen wird angepasst, er soll künftig bei einem Dollar zu 200 Bolivar liegen. Auf dem Schwarzmarkt bekommt man für einen US-Dollar ein Vielfaches davon: Etwa 800 bis 1000 Bolivar. Die realen Wechselkurse werden in Venezuela allerdings auf dem Schwarzmarkt ausgehandelt. Eine genaue Umrechnung, beispielsweise des neuen Benzinpreises in Euro, fällt deshalb schwer.

Dass Maduro gerade jetzt zu drastischen Maßnahmen greift, ist nicht überraschend: Er kämpft um sein politisches Überleben. Öl macht 95 Prozent der Exporteinnahmen des Landes aus. Außer Öl wird in Venezuela so gut wie nichts mehr gefördert, hergestellt oder exportiert. Allein im dritten Quartal 2015 schrumpfte die Wirtschaft um 7,1 Prozent. Nach offiziellen Angaben liegt die Inflation mittlerweile bereits bei 141,5 Prozent. Der weltweite Absturz der Ölpreise hat die venezolanische Wirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt, die sich in dauerhafter Knappheit von Gütern und einer der höchsten Inflationsraten weltweit von mehr als 200 Prozent bemerkbar macht. Zum Nachteil Maduros hat zudem die Opposition im Januar die Kontrolle über die Nationalversammlung übernommen. Seitdem steht das Parlament auf Konfrontationskurs mit dem Präsidenten.

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