Neues Pilotprojekt Deutsche Bahn bietet mit Fahrkarten künftig auch Elektroautos an

Bahn-Kunden, die ein Fernverkehrsticket kaufen, sollen künftig am Zielort Elektroautos nutzen können.

(Foto: dpa)

Das Pilotprojekt startet diese Woche in Berlin und soll bald ausgebaut werden - eine Kampfansage auch an Mietwagenfirmen.

Von Markus Balser, Berlin

Fernbusse mit Billigtarifen, neue Carsharing-Modelle und Mitfahrbörsen im Netz: Seit Monaten spürt die Bahn, dass ihre Kunden bereit sind, umzusteigen. Im vergangenen Jahr reisten allein 22 Millionen Fahrgäste in Deutschland mit Fernbussen - 40 Prozent mehr als noch 2014.

Nun will die Bahn das Umsteigen auf die Straße selbst in die Hand nehmen. Von dieser Woche an testet der Konzern nach Informationen der Süddeutschen Zeitung beim Ticketverkauf eine Kombination aus Zug und Elektroautos. Reisende sollen mit ihrer Fahrkarte auch ein E-Mobil buchen können, um am Ziel mobil zu sein. Das Projekt startet am 18. Februar zunächst in Berlin. Zugriff auf Autos der Bahn-Car-Sharing-Tochter Flinkster soll haben, wer per Fernzug in die Hauptstadt reist.

Im Netz bietet der Konzern dann mit dem Bahnticket zur Weiterfahrt E-Autos für 29 Euro am Tag an. Bis zu einer Woche sollen Kunden das Fahrzeug behalten können. Für Anmeldung oder Verbrauch entstünden keine Zusatzkosten, erklärt die Bahn - eine Kampfansage auch an Mietwagenfirmen. Die Fahrzeuge sollen direkt am Bahnhof übernommen werden, beim ersten Mal mit Führerscheinprüfung an der Information. Damit steigt die Bahn in die Verzahnung von Individual- und Fernverkehr ein und will das Projekt künftig auf weitere Städte ausdehnen.

Angst vor dem Kundenschwund

"Wir haben die Startphase von 'Flinkster Connect' bewusst als Test geplant", sagt Bahn-Vorstand Berthold Huber. Es soll jedoch nicht bei Berlin bleiben. "Ziel ist es, das Angebot weiter auszubauen und auch in anderen Städten anzubieten." Die Car-Sharing-Tochter Flinkster verfügt bundesweit über 700 Elektro- und Hybridfahrzeuge.

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Für die Bahn steht derzeit viel auf dem Spiel. Hinter neuen Angeboten steckt auch die Angst vor dem Kundenschwund. "Ein unzufriedener Kunde kehrt uns früher oder später den Rücken und sucht sich Alternativen", sagt der für Verkehr und Transport zuständige Vorstand Huber. "Und diese gibt es auf dem sich dramatisch verändernden Mobilitätsmarkt mehr als je zuvor: Fernbusse, Uber, Carsharing, Mitfahrzentralen und vieles mehr." Die Bahn arbeitet deshalb grundsätzlich am Geschäftsmodell und prüft derzeit, mehr anzubieten als Zugtickets. "Wir wollen integrierter Mobilitätsanbieter sein", sagt Huber. "Also müssen wir für jedes individuelle Reisebedürfnis auch den jeweils besten Mobilitätsmix anbieten können - einschließlich der Angebote von externen Verkehrsträgern."

Verkehrsforscher fordern seit Langem eine bessere Vernetzung der verschiedenen Verkehrssysteme in Deutschland, um etwa den stark ansteigenden Individualverkehr und die damit verbundenen Probleme auf den Straßen und beim Parkmanagement durch immer mehr Fahrzeuge vor allem in den Großstädten besser in den Griff zu bekommen.

Der Pkw-Bestand in Deutschland ist laut Kraftfahrt-Bundesamt in den vergangenen Jahren stetig weitergewachsen, von gut 30 Millionen Autos Anfang der 1990er-Jahre auf aktuell rund 45 Millionen Fahrzeuge. Der Test der Bahn gilt auch als Akzeptanztest für Elektroautos allgemein. Ihre Reichweite liegt je Ladung für reine Elektroautos bei bis zu 100 Kilometer. Dann muss wieder getankt werden, was einige Stunden dauern kann. Der Radius reicht zwar bequem für Stadtfahrten an einem Tag, ist jedoch zu klein für weiter entfernte Ziele auf dem Land.

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