Nahkampf im Handel Der bizarre Streit um den Black Friday

  • Der sogenannte Black Friday wird als Kommerz-Event in Deutschland immer wichtiger.
  • Im Hintergrund tobt ein Kampf um die Vorherrschaft im Online-Geschäft mit diversen Anwaltsschreiben, Abmahnungen und Spin-Doktoren.
Von Valentin Dornis

Die Frau zieht einmal kräftig an den Haaren ihrer Konkurrentin, gegenüber hat sich ein älterer Herr im Getümmel schon durchgesetzt und reicht eine Verpackung nach der anderen nach hinten durch. Dabei geht es in dieser Szene, die auf Youtube zu sehen ist, nur um eine Rabattaktion in einem US-Supermarkt - aber immerhin um die wohl größte des Jahres, den Black Friday. An diesem Tag drehen Händler und Kunden in den USA gleichermaßen durch. Es ist ein Event, dass nur sich selbst zum Anlass hat: Rabatte, Kaufrausch, Umsatz.

Der Black Friday ist der Auftakt zum Weihnachtsgeschäft und einer der umsatzstärksten Tage des Jahres. Inzwischen wird dieser Tag auch in Deutschland immer wichtiger. Im vergangenen Jahr gaben Kunden in der Zeit um den Black Friday etwa 1,7 Milliarden Euro zusätzlich aus, heißt es in einer Analyse des Handelsverbandes.

Black Friday - ein Tag als Marke

In den USA gehört der Tag nach Thanksgiving zu den umsatzstärksten im Jahr. Die Kunden kaufen wie verrückt, aber deutschen Firmen haben Ärger. Von Valentin Dornis, Michael Kläsgen mehr ...

Der Black Friday in Deutschland zeigt, wie die Branche es schaffte, ein Kommerz-event aus dem Nichts zu etablieren. Im Hintergrund tobt seit vergangenem Jahr ein Kampf um die Vorherrschaft im Online-Geschäft mit diversen Anwaltsschreiben, Abmahnungen und Spindoktoren.

Einige US-Unternehmen wie Apple brachten den Black Friday ursprünglich nach Deutschland, vor allem als Verkaufsveranstaltung im Internet. Das sorgte für immer mehr Interesse, seit 2011 stiegen die Google-Suchanfragen für den Begriff stärker an. Das erregte die Aufmerksamkeit von Marketingexperten.

Bald begannen zwei der heute größten Vermittlerportale ihre Arbeit: Der Oberhausener Unternehmer Simon Gall startete 2012 seine Seite www.black-friday.de, 2013 stieg die Black Friday GmbH mit www.blackfridaysale.de in das Geschäft ein.

Beide bündeln die Angebote verschiedener Händler, präsentieren sie auf ihrem Portal und verdienen mit diesen Kooperationen Geld. Wer bei Google nach dem Black Friday sucht, landet ziemlich sicher bei einer der beiden Seiten. Sie konkurrieren also sowohl um die Kooperationen mit den Händlern als auch um die Aufmerksamkeit der Kunden.

Doch es gibt ein Problem, das die Registernummer 302013057574 beim Deutschen Patent- und Markenamt trägt: Dort ist der Begriff "Black Friday" seit 2013 als Wortmarke registriert. Und zwar für Hunderte Waren oder Dienstleistungen: für Parkuhren und Reiterhelme genauso wie für den Betrieb eines Bücherbusses und für Turnunterricht.