Michael Jordan Wie Michael Jordan mit Sneakers Millionen verdient

"Ich wollte nie bei Nike unterschreiben. Die Schuhe hatten mir nie gefallen", sagt Michael Jordan.

(Foto: AFP)

Mit Nike-Schuhen hat der Basketballer in einem Jahr mehr Geld gemacht als in seiner gesamten Karriere. Wie geht das?

Von Jan Schmidbauer

Profi-Sportler verdienen zu viel Geld? Mag sein. Dafür leisten sie auch viel. Heißt es zumindest immer. Michael Jordan, der wohl beste Basketballer aller Zeiten, braucht aber eigentlich nicht mehr vom Sofa aufzustehen - und verdient trotzdem mehr als je zuvor. Alles nur durch seinen Namen.

In seiner 15-jährigen Karriere erhielt Jordan laut dem US-Magazin Forbes Gehälter von insgesamt 94 Millionen US-Dollar. Zuletzt hat er es jedoch geschafft, diese Summe innerhalb eines Jahres zu überbieten: 100 Millionen US-Dollar verdiente Jordan im Jahr 2014; aber nicht durch sportliche Höchstleistungen - sondern hauptsächlich durch Lizenzen für Schuhe und Kleidung, die der Sportartikelhersteller Nike unter der Marke "Jordan Brand" vertreibt.

Nike nahm Jordan 1984 unter Vertrag, als dieser von der College-Liga in die NBA wechselte. "Air Jordan" hießen die Schuhe, die Nike eigens für ihn entwickelte. Der Vertrag war für das Unternehmen, das damals mit sinkenden Einnahmen kämpfte, ein riesiger Erfolg. "Ohne die Verpflichtung von Jordan wäre Nike vielleicht nie der größte Sportartikelhersteller der Welt geworden", sagt Gerd Nufer, Professor für Sportmarketing an der ESB Business School. "Jordan war der erste Sportler, der zu einer echten Marke wurde." Und auch sein Team, die Chicago Bulls, hatte mit der Verpflichtung von Jordan alles richtig gemacht. Die Bulls, die zuletzt die Playoffs verfehlt hatten, und dringend Verstärkung brauchten, hatten auf einmal einen der besten Spieler der Liga. Es folgte eine einzigartige Karriere mit sechs NBA-Meisterschaften und zweimal olympischem Gold.

Für manche Modelle campieren die Fans vor den Läden

Diese Zeit ist schon eine Weile vorbei: Das letzte Profi-Spiel von Jordan ist schon zwölf Jahre her. Und doch spielt er weiter eine Rolle. In der NBA mischt er heute als Besitzer der mäßig erfolgreichen Charlotte Hornets mit. Und er ist optisch überall präsent: Jordans Silhouette prangt auf Klamotten und Turnschuhen von Nike. Gerade für Letztere campieren Kunden sogar vor Geschäften. Und das, obwohl manche der Sneakers als Hausschuhe für Astronauten durchgehen würden: klobig, knallbunt, weich gefedert.

Über Geschmack lässt sich natürlich streiten. Unbestritten ist, dass Nike, auch durch die "Air Jordan"-Produkte, enorm erfolgreich ist. Zuletzt stieg das Quartalsergebnis um 23 Prozent. Nike vertreibt die Jordan-Produkte mit einer ausgeklügelten Marketing-Strategie. Es gibt neben dem Klassiker Air Jordan, der inzwischen in der 29. Generation erschienen ist, etliche limitierte Sonderserien, darunter Neuauflagen und Retro-Versionen. Besonders seltene Modelle erzielen bei Auktionen teils astronomische Preise.

Andere Ausrüster wollten Jordan nicht

Dabei war die Partnerschaft Jordans mit Nike eher eine glückliche Fügung für alle Beteiligten als eine logische Konsequenz. "Die Schuhe hatten mir nie gefallen", schrieb er einst in seiner Biografie. "Ich wollte nie bei Nike unterschreiben." Doch der Plan des Unternehmens, den Markt zu revolutionieren, habe ihn überzeugt. Zur Wahrheit gehört wohl auch, dass andere Ausrüster Jordan nicht wollten. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hatte Adidas ihm 1984 abgesagt. Die Geschäftsführung sei der Meinung gewesen, Jordan passe nicht ins Profil, sei zu klein für einen Basketballer. Die Entscheidung dürfte man bereut haben.

Sportmarketing-Experte Gerd Nufer glaubt, dass die Jordan-Produkte sich weiter gut verkaufen werden. Schließlich hätte man mit der Jordan Brand etwas Einzigartiges geschafft. Das berühmte Nike-Logo, der Swoosh, taucht auf den Produkten gar nicht mehr auf. Das Unternehmen könne darauf verzichten, weil die Kunden von der Verbindung mit dem Sportler ohnehin wüssten. Das, sagt Nufer, "ist die Königsdisziplin"