Gründer des Wacken Open Air Heavy Metal auf der Piste

Holger Hübner hat eine neue Idee für Wacken-Fans: Heavy Metal im Schnee.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er hat das Wacken-Open-Air zu einer Massenveranstaltung ausgebaut - jetzt präsentiert Holger Hübner eine neue Idee für Metal-Fans. Sie wird den Anhängern der ersten Stunde nicht gefallen.

Porträt von Angelika Slavik

Wenn man nah genug heranrutscht, sieht man die Sommersprossen. Die Sommersprossen sind ein Problem, sie geben seinem Gesicht, mit Verlaub, etwas Niedliches. Wenn man weiter wegrutscht, ist das Klischee wieder perfekt. Holger Hübner, 48, sieht dann aus, wie man sich einen Heavy-Metal-Typ so vorstellt. Groß, bullig, ganz in Schwarz. Mit einer Frisur, die eigentlich nicht als Frisur verstanden werden kann. Eher als Distanzierung zu jeder Form der Bürgerlichkeit.

Holger Hübner ist eine Symbolfigur des Heavy Metal. Er hat das Wacken Open Air gegründet, 1990 auf einem Krautacker mitten im Nichts von Schleswig-Holstein, eigentlich eine absurde Idee. Im ersten Jahr kamen 800 Menschen. Es war eine Underground-Veranstaltung, sie dauerte zwei Tage, alle schliefen in Zelten und waren glücklich. Im vergangenen Sommer, 24 Jahre nach seiner Gründung, hatte das Wacken Open Air 85 000 Besucher. Es gilt jetzt als das größte Heavy-Metal-Festival der Welt, es ist ein Millionengeschäft. Und nicht nur deshalb finden manche aus der Szene, dass Holger Hübner nicht nur eine Ikone des Metal ist. Sondern auch ein Beitrag zu seinem Untergang.

Göttliche Raserei

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Hübner kratzt sich am Kinn. Na ja, murmelt er. Dann sagt er diesen Satz: "Das Wichtigste ist, unsere Kunden zufriedenzustellen." Der Satz könnte auch von einem Unternehmensberater stammen oder von einem Filialleiter bei Aldi. Der Satz klingt, als sei Holger Hübner keineswegs ein Mann zwischen Kunst und Kommerz; als habe er sich längst entschieden, und zwar nicht für die Kunst. Der Satz fasst zusammen, warum andere Menschen mit anarchistischen Frisuren manchmal mit Holger Hübner hadern. Kann man jemandem Erfolg zum Vorwurf machen?

Tatsächlich hat Hübner die Kommerzialisierung des Heavy Metal über die Jahre mit bemerkenswerter Konsequenz betrieben. Das betrifft nicht nur die Professionalisierung der Festivalorganisation. Hübner hat aus Wacken eine Marke gemacht. Es gibt verschiedene Veranstaltungsableger, und seit 2013 gibt es auch: Kreuzfahrten. Schiffe, die durchs Mittelmeer schippern, mit Heavy-Metal-Bands an Bord und Currywurst rund um die Uhr. Es ist eine Kooperation mit Tui: Holger Hübner hat die biederste Reiseform von allen mit einer Musikrichtung verknüpft, die sich als unkonventionell versteht. Die Schiffe sind meist binnen weniger Stunden ausgebucht.

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Jetzt hatte Holger Hübner wieder eine Idee. "Wir veranstalten eine Skiwoche für Metalheads", sagt er. "Das wird groß." In der kommenden Skisaison werden die Wacken-Anhänger deshalb ein ganzes Dorf in der österreichischen Skiregion Nassfeld bevölkern. Es wird harte Musik geben und vermutlich ziemlich viel Glühwein. Aber auch einen Shuttleservice und für die, die die teuerste Hotelkategorie wählen, ein umfangreiches Angebot an Wellness-Behandlungen und ausgewählten Zigarren. Das ist für die Metalheads der ersten Stunde schwer zu schlucken.

"Das Schwierigste war, einen Skiort zu finden, der die richtige Infrastruktur hat und die richtige Kapazität an Betten in verschiedenen Preiskategorien", sagt Hübner. 3000 Plätze gibt es, gebucht werden kann ab sofort. Die schwedische Band Sabaton wird dabei sein, auch die österreichische Formation Russkaja. Beide gelten als Publikumsmagnet.

Hübner sagt, dass er verstehe, wenn Menschen sagen, Metal müsse underground bleiben: "Das ist ja auch ein Teil des Lebensgefühls, das uns hier alle verbindet." Aber unterm Strich mache man "ein Angebot wie jeder andere Dienstleister auch. Und jeder kann sich dafür oder dagegen entscheiden, ganz einfach." Besser kann man das Gesetz des Marktes wohl nicht beschreiben.

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