Munich Re rechnet vor So teuer war das Katastrophenjahr 2011

Tsunami in Japan, Erdbeben in Neuseeland: Nie waren die Schäden durch Naturkatastrophen so groß wie 2011. Zwar treten sie statistisch so extrem nur einmal in 1000 Jahren auf - doch der Klimawandel könnte dafür sorgen, dass diese Rechnung bald nicht mehr stimmt.

Von Alina Fichter

Nicht mehr lang, dann sind auch die letzten Reste der zerfetzten Feuerwerkskörper aus den Straßengräben gefegt - was dann in Erinnerung bleiben wird von 2011? Krisengipfel, Eurokrise, und ganz gewiss auch dies: Noch nie zuvor haben Naturkatastrophen so hohe Schäden angerichtet wie im vergangenen Jahr. Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat nachgerechnet, und kommt auf 380 Milliarden US-Dollar (knapp 300 Milliarden Euro).

Die Kosten der Naturschäden übersteigen damit deutlich jene von 2005, das wegen der Hurrikane Katrina, Wilma und Rita als Rekordjahr in die Geschichte eingegangen war; damals waren die Schäden auf 220 Milliarden Dollar beziffert worden.

Die beträchtlichste Zerstörungskraft hatte das Fukushima-Erdbeben am 11. März in Japan. Die stärkste Erschütterung, die dort je registrierte wurde, löste einen Tsunami aus, dessen teils 40 Meter hohe Welle die Nordostküste der Hauptinsel Honshu verwüstete: Straßen, Gleise, ganze Orte wurden weggespült, 16 000 Menschen starben. Eine menschliche Tragödie - und die teuerste Naturkatastrophe aller Zeiten. 210 Milliarden Dollar kostete sie, die nicht vollständig absehbaren Folgen des Atomunglücks noch gar nicht berücksichtigt.

Zusammen mit dem Erdbeben in Neuseeland wenige Wochen zuvor macht das beinahe zwei Drittel der Gesamtkosten aus. Aber auch klimabedingte Katastrophen wie das Hochwasser in Thailand, das Schäden in Höhe von 40 Milliarden Dollar erzeugte, fallen klar ins Gewicht.

Ist der Klimawandel mitschuldig?

Insgesamt also 380 Milliarden Dollar für die Weltwirtschaft - ist diese Rekordzahl nicht ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich die schlimmsten Prognosen der Klimaforscher nun bewahrheiten? Nein, sagt Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek: "Eine Serie schwerster Naturkatastrophen wie im abgelaufenen Jahr gibt es nur sehr selten. Es handelt sich hierbei um Ereignisse, deren Wiederkehrperioden zum Teil bei einmal in 1000 Jahren liegen, oder sogar höher." So sei der Tsunami-gefährdete Nordosten Japans vermutlich zuletzt im Jahr 869 von einer ähnlich verheerenden Flutwelle getroffen worden wie 2011. Fast hört sich das so beruhigend an, so, als sei das gerade ausgeklungene Naturkatastrophenjahr nur ein statistischer Ausreißer, dessen zerstörerisches Ausmaß frühestens in 1000 Jahren wieder erreicht wird.

"Davon ist nicht auszugehen", sagt Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Experte für Wetterextreme am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Intensität der durch Erdbeben bedingten Katastrophen sei in diesem Jahr zwar bemerkenswert hoch. "Allerdings ist nicht zu übersehen, dass sich 2011 ein trauriger Trend fortsetzt", sagt er: "Extreme Wetterverhältnisse, ausgelöst durch den fortschreitenden Klimawandel, erzeugen immer höhere Schäden", so Gerstengarbe.